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Lexikon Latein

konsonantische Konjugation (ĕ-Konjugation)

Andere Bezeichnung:  3. Konjugation

 

Definition

Die konsonantische Konjugation, oder genauer: ĕ-Konjugation (sprich: „Kurz-E-Konjugation“), ist eine der Konjugationen des Präsensstamms. Unter „konsonantische Konjugation“ oder „ĕ-Konjugation“ versteht man den Konjugationstyp, der sich mit den auf ĕ auslautenden Präsensstämmen verbindet.

Beachte:  Die ĕ-Konjugation (mit kurzem ĕ) ist nicht dasselbe wie die ē-Konjugation (mit langem ē)! Die beiden Konjugationen sind in den meisten Formen verschieden.

Zum Problem der Benennung dieser Konjugation findest du eine genauere Erklärung unter Konjugationen des Präsensstamms im Abschnitt „Hintergrundinformation: Über die Namen der Konjugationen“.

 

Formen

Abkürzungen in der Tabelle:
Gen. = Genitiv
Imp. = Imperativ
Kjv. = Konjunktiv
Nom. = Nominativ
Pl. = Plural  (1.Pl. = 1.Person Plural, usw.)
PPA = „Partizip Präsens Aktiv“
Präs. = Präsens
Sg. = Singular  (1.Sg. = 1.Person Singular, usw.)

Farben in der Tabelle:
BRAUN
= Verbalstamm:
     zeigt die Verbbedeutung an.
LILA = Unterstamm-Kennzeichen:
     zeigt den vom Verbalstamm abgeleiteten Unterstamm (hier: den Präsensstamm) an.
     Wo das Unterstamm-Kennzeichen nicht durch Lautregeln verändert ist,
     lässt sich an ihm auch der Konjugationstyp (= „die Konjugation“) ablesen.
DUNKELBLAU = Formtyp-Modus-Tempus-Kennzeichen:
     zeigt Formtyp, Modus und Tempus (manchmal auch Diathese) an.
HELLBLAU = Personalendung:
     zeigt grammatische Person, Numerus und Diathese (manchmal auch den Modus) an.
ROT = Deklinationsendung:
     zeigt Kasus, Numerus und Genus an.

Betrachte auch die Beispielanalysen von Verbformen unter Konjugation!
 

konsonantische Konjugation (ĕ-Konjugation) - Abbildung 1

 

Erläuterungen zu den Tabellen

(1) Wechsel von Langvokalen und Kurzvokalen:
Der Stammauslaut-Vokal (ĕ mit der Variante ĭ) ist in der kons./ĕ-Konjugation immer kurz, mit Ausnahme einer Form:
• nt-Partizip  agēns (Langvokal vor ns wegen Vokaldehnungsregel; vor dem nt der anderen Partizipformen steht immer Kurzvokal).
Die übrigen Vokale vor den Personalendungen schwanken zwischen kurz und lang; z.B.:
÷ Indikativ Imperfekt: agēbăm, agēbās, agēbăt, agēbāmus, agēbātis, agēbănt;
÷ Konjunktiv Präsens:  agăm, agās, agăt, agāmus, agātis, agănt; usw.
Eigentlich liegen in diesen Fällen Langvokale vor; auf diese wirken die lateinischen Vokalkürzungsregeln.

(2) In der kons./ĕ-Konjugation ist der Stammauslaut ĕ in den meisten Formen zu ĭ gehoben; z.B.:
÷ agĕre hat im Indikativ Präsens:  agĭs, agĭt, agĭmus, agĭtis.
Ursache ist die Vokalhebungsregel.

(3) In der kons./ĕ-Konjugation ist der gehobene Stammauslaut ĭ vor r und am Wortende in ĕ zurückverwandelt; z.B.:
÷ 2.Sg. Indikativ Präsens Passiv:  *agĕris > (Hebung) *agĭris > agĕris;
÷ 1.Sg. Konjunktiv Imperfekt Aktiv:  *agĕrēm > (Hebung) *agĭrēm > agĕrĕm.
÷ Imperativ:  *agĕ > (Hebung) *agĭ > agĕ.
Ursache ist die ĭ-zu-ĕ-Regel.

(4) In der kons./ĕ-Konjugation verschwindet der Stammauslaut-Vokal vor vokalisch anlautenden Endungen:
• in der 1.Sg. Indikativ Präsens:  ag_-ō; ebenso im Passivag_-or;
• im Konjunktiv Präsens:  ag_-am, ag_-ās usw.; ebenso im Passiv:  ag_-ar, ag_-āris usw.;
• vor den mit unt beginnenden Endungen der 3.Pl.:  ag_-unt, ag_-untō; ebenso im Passiv:  ag_-untur, ag_-untor;
• vor den Endungen des Indikativ Imperfekt und des Futur:  ag_-ēbam, ag_ēs usw.; ebenso im Passiv:  ag_-ēbar, ag_ēris usw.;
• vor der Infinitiv-Passiv-Endung ag_-ī.

(5) In der kons./ĕ-Konjugation dient die 1.Sg. Konjunktiv Präsens zugleich als 1.Sg. Futur:
÷ agam; ebenso im Passiv: agar.
Der Grund liegt darin, dass in diesen Fällen die 1.Sg. Futur ursprünglich mit dem Indikativ Präsens gleich lautete (agō). Als Ersatz dafür deutete man Wunschkonjunktive zum Futur um, z.B.: agam ich möge treiben > ich will treiben > ich werde treiben. (Vergleiche das englische Futur „I shall go / I will go“, was ursprünglich ich soll gehen / ich will gehen bedeutete.) Übrigens waren auch die anderen Futurformen dieser Konjugation ursprünglich Konjunktiv-Präsens-Formen, wie man in der ā-Konjugation noch sehen kann:  vocēs, vocet, vocēmus, vocētis, vocent (zu denen die 1.Sg. vocem neu gebildet wurde).

 

Lerntipp

Die kons./ĕ-Konjugation kannst du ganz einfach aus der ĭ-Konjugation ableiten, indem du in der ĭ-Konjugation alle i, die vor Vokal stehen, löschst; z.B.:
÷ (cap)iendī > (ag)_endī;
÷ (cap)iō > (ag)_ō;
÷ (cap)iunt > (ag)_unt;
÷ (cap)iēbam > (ag)_ēbam.

Vergleiche die Formen beider Konjugationen in der Übersichtstabelle unter Konjugationen des Präsensstamms!

 

Unregelmäßige Imperative

Folgende Verben der kons./ĕ-Konjugation haben eine unregelmäßige 2.Sg. des speziellen Imperativs Aktiv – es fehlt der Stammauslaut ĕ:
dīcere sagendīc sag!
dūcere führendūc führe!
facere machenfac mach!

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