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Lexikon Latein

Konjugationen des Präsensstamms (Übersicht)

Liste der Konjugationen

Der lateinische Präsensstamm kann aus dem Verbalstamm mit Hilfe von zehn verschiedenen Präsensstammkennzeichen gebildet werden (siehe die Tabelle der Unterstammkennzeichen beim Stichwort Unterstämme). Bei den so gebildeten Präsensstämmen müssen sieben Auslautmöglichkeiten unterschieden werden, nämlich ā, ă, ē, ĕ, ī, ĭ oder Konsonant. Jeder dieser Auslaute verbindet sich mit einem eigenen Konjugationstyp, also gibt es insgesamt sieben verschiedene Konjugationstypen, die „Konjugationen“. Sie werden auf unterschiedliche Weise bezeichnet:

ā-Konjugation (sprich: „Lang-A-Konjugation“),
  anderer Name: 1.Konjugation;
  z.B.:  vocā-re rufen.

ă-Konjugation (sprich: „Kurz-A-Konjugation“),
  anderer Name: „Ausnahme“ der 1.Konjugation;
  nur:  dă-re geben.

ē-Konjugation (sprich: „Lang-E-Konjugation“),
  anderer Name: 2.Konjugation;
  z.B.:  monē-re mahnen.

ĕ-Konjugation (sprich: „Kurz-E-Konjugation“),
  andere Namen: konsonantische Konjugation, Haupttyp der 3.Konjugation;
  z.B.:  agĕ-re treiben.

ī-Konjugation (sprich: „Lang-I-Konjugation“),
  anderer Name: 4.Konjugation;
  z.B.:  audī-re hören.

ĭ-Konjugation (sprich: „Kurz-I-Konjugation“),
  andere Namen: gemischte Konjugation, Verben auf der 3.Konjugation;
  z.B.:  capĕ-re fangen (wegen ĭ-zu-ĕ-Regel entstanden aus *capĭ-re; vergleiche Präs. 1.Sg. capĭ, 2.Sg. capĭ-s).

nichtvokalische Konjugation,
  andere Namen: (zusammen mit fierī und īre) „unregelmäßige Konjugation“ oder „Verba anōmala“;
  z.B.:  fer-re tragen.

 

Formen

Die folgenden zwei Tabellen enthalten die Formen der Präsensstamm-Konjugationen im Aktiv und im Passiv. Wegen Platzmangel nicht aufgenommen sind die ă-Konjugation und die nichtvokalische Konjugation. Alle Konjugationen findest du auch noch separat in unserem Latein-Lexikon unter dem Namen der jeweiligen Konjugation.

Abkürzungen in der Tabelle:
Gen. = Genitiv
Gnd. = Gerundium
Gndv. = Gerundiv
Imp. = Imperativ
Ind. = Indikativ
Inf. = Infinitiv
Kjg. = Konjugation
Kjv. = Konjunktiv
kons. = konsonantisch(e)
Nom. = Nominativ
Part. = Partizip
Pl. = Plural  (1.Pl. = 1.Person Plural, usw.)
PPA = „Partizip Präsens Aktiv“
Präs. = Präsens
Sg. = Singular  (1.Sg. = 1.Person Singular, usw.)

Farben in der Tabelle:
BRAUN
= Verbalstamm:
     zeigt die Verbbedeutung an.
LILA = Unterstamm-Kennzeichen:
     zeigt den vom Verbalstamm abgeleiteten Unterstamm (hier: den Präsensstamm) an.
     Wo das Unterstamm-Kennzeichen nicht durch Lautregeln verändert ist,
     lässt sich an ihm auch der Konjugationstyp (= „die Konjugation“) ablesen.
DUNKELBLAU = Formtyp-Modus-Tempus-Kennzeichen:
     zeigt Formtyp, Modus und Tempus (manchmal auch Diathese) an.
HELLBLAU = Personalendung:
     zeigt grammatische Person, Numerus und Diathese (manchmal auch den Modus) an.
ROT = Deklinationsendung:
     zeigt Kasus, Numerus und Genus an.

Betrachte auch die Beispielanalysen von Verbformen unter Konjugation!
 

Konjugationen des Präsensstamms (Übersicht) - Abbildung 1

 

Konjugationen des Präsensstamms (Übersicht) - Abbildung 2

 

Erläuterungen zu den Tabellen

(1) Wechsel von Langvokalen und Kurzvokalen:
Der Stammauslaut-Vokal und die Vokale vor den Personalendungen schwanken meist zwischen kurz und lang; z.B. bei den Formen von monēre:
÷ nt-Partizip (= PPA):  monēns, monĕntis;
÷ Indikativ Präsens:  monĕō, monēs, monĕt, monēmus, monētis, monĕnt;
÷ Indikativ Imperfekt:  monēbăm, monēbās, monēbăt, monēbāmus, monēbātis, monēbănt; usw.
Eigentlich liegen in diesen Fällen Langvokale vor; auf diese wirken die lateinischen Vokalkürzungsregeln, bei der Form monēns auch eine Vokaldehnungsregel.

(2) In der kons./ĕ-Konjugation ist der Stammauslaut ĕ in den meisten Formen zu ĭ gehoben; z.B.:
÷ agĕre hat im Indikativ Präsens:  agĭs, agĭt, agĭmus, agĭtis.
Ursache ist die Vokalhebungsregel.

(3) In der kons./ĕ-Konjugation und der ĭ-Konjugation ist der (normale oder gehobene) Stammauslaut ĭ vor r und am Wortende in ĕ verwandelt; z.B.:
÷ 2.Sg. Indikativ Präsens Passiv:  *capĭris > capĕris | *agĕris > (Hebung) *agĭris > agĕris;
÷ 1.Sg. Konjunktiv Imperfekt Aktiv:  *capĭrēm > capĕrĕm | *agĕrēm > (Hebung) *agĭrēm > agĕrĕm.
÷ Imperativ:  *capĭ > capĕ | *agĕ > (Hebung) *agĭ > agĕ.
Ursache ist die ĭ-zu-ĕ-Regel.

(4) In der ā-Konjugation (ebenso ă-Konjugation) und kons./ĕ-Konjugation verschwindet der Stammauslaut-Vokal vor vokalisch anlautenden Endungen:
• in der 1.Sg. Indikativ Präsens:  voc_-ō, ag_-ō; ebenso im Passiv;
• im Konjunktiv Präsens:  voc_-em, voc_-ēs usw., ag_-am, ag_-ās usw.; ebenso im Passiv;
• in der kons./ĕ-Konjugation außerdem:
— vor den mit unt beginnenden Endungen der 3.Pl.:  ag_-unt, ag_-untō; ebenso im Passiv;
— vor den Endungen des Indikativ Imperfekt und des Futur: ag_-ēbam, ag_ēs usw.; ebenso im Passiv.
— vor der Infinitiv-Passiv-Endung ag_-ī.
In der ĭ-Konjugation kann die Infinitiv-Passiv-Endung als mit dem Stammauslaut verschmolzen angesehen werden:  *capĭ-ī > capī.

(5) In der kons./ĕ-Konjugation, ī-Konjugation und ĭ-Konjugation dient die 1.Sg. Konjunktiv Präsens zugleich als 1.Sg. Futur:
÷ agam, audiam, capiam; ebenso im Passiv.
Der Grund liegt darin, dass in diesen Fällen die 1.Sg. Futur ursprünglich mit dem Indikativ Präsens gleich lautete (agō, audiō, capiō). Als Ersatz dafür deutete man Wunschkonjunktive zum Futur um, z.B.: agam ich möge treiben > ich will treiben > ich werde treiben. (Vergleiche das englische Futur „I shall go / I will go“, was ursprünglich ich soll gehen / ich will gehen bedeutete.) Übrigens waren auch die anderen Futurformen dieser drei Konjugationen ursprünglich Konjunktiv-Präsens-Formen, wie man in der ā-Konjugation noch sehen kann:  vocēs, vocet, vocēmus, vocētis, vocent (zu denen die 1.Sg. vocem neu gebildet wurde).

 

Nachschlagen des Konjugationstyps eines Verbs im Wörterbuch

Aus der 1.Person Singular Indikativ Präsens Aktiv und dem Infinitiv des Präsensstamms lässt sich die Konjugation (= der Konjugationstyp) eindeutig erschließen. Diese beiden Formen gehören zu den sogenannten „Stammformen“ des Verbs, die dir im Wörterbuch angegeben sind. Je nachdem, welches Wörterbuch du benutzest, findest du dort eine der folgenden vier Anordnungen:

(1) Beispiel:  amō, amāvī, amātum, amāre;
oder verkürzt zu:  amō, āvī, ātum, āre.
So steht es in älteren Wörterbüchern:
• Die Verben sind alphabetisch eingeordnet in einer Form des Präsensstamms, nämlich in der 1.Person Singular Indikativ Präsens Aktiv (amō).
• Danach folgt die Angabe des Perfektstamms in der Form der 1.Person Singular Indikativ Perfekt Aktiv (amāvī).
• Es folgt der Supinstamm in der Form des um-Supinums, das gleich lautet mit dem Nominativ Singular Neutrum des vorzeitigen Passivpartizips (PPP) (amātum).
• Am Schluss steht der Infinitiv des Präsensstamms (amāre).

(2) Beispiel:  amō, amāvī, amātum 1.;
oder verkürzt zu:  amō, āvī, ātum 1.
Auch diese Möglichkeit findest du in älteren Wörterbüchern. Sie entspricht Nummer (1), jedoch ist der Infinitiv des Präsensstamms ersetzt durch die Nummer der Präsensstamm-Konjugation (hier 1. = ā-Konjugation). Wenn keine Nummer angegeben ist, zählt das Verb zu den „Unregelmäßigen“.

(3) Beispiel:  amō, amāre, amāvī, amātum;
oder verkürzt zu:  amō, āre, āvī, ātum.
So schreiben es neuere Wörterbücher. Im Unterschied zu Nummer (1) ist die Angabe des Infinitivs an die zweite Stelle gerückt. Das ist sinnvoller als die Möglichkeiten (1) und (2), da ja die beiden ersten Formen (amō und amāre) gemeinsam zum Präsensstamm gehören.

(4) Beispiel:  amāre, amō, amāvī, amātum;
oder verkürzt zu:  amāre, ō, āvī, ātum.
So findest du es in den neusten Wörterbüchern. Im Unterschied zu Nummer (3) steht der Infinitiv jetzt an erster Stelle, das Verb ist also im Infinitiv des Präsensstamms alphabetisch eingeordnet.

Beachte:  Bei den Verben, deren Präsensstamm nach der ā-Konjugation oder ī-Konjugation geht, ist oft nur die erste Stammform (z.B. entweder amō oder amāre) angegeben. Dann sollst du die anderen Stammformen regelmäßig ergänzen nach den Mustern:
amāre, amō, amāvī, amātum, bzw.
audīre, audiō, audīvī, audītum.

Weitere Erklärungen findest du unter dem Stichwort Unterstämme.

 

Hintergrundinformation:  Über die Namen der Konjugationen

Vielleicht fragst du dich, warum die lateinischen Konjugationen (genau wie die Deklinationen) auf mehrere verschiedene Arten bezeichnet werden und es nicht ein einheitliches Benennungssystem gibt. Das wollen wir dir hier erklären.

Phase 1:  Im Altertum beschrieben die Römer in ihrer Sprache vier Konjugationen, benannt mit den Nummern 1 bis 4. Man unterschied die Konjugationen nach dem, was man als ihren charakteristischen Vokal ansah, der etwa in der 1.Person Plural Präsens sichtbar wurde: vocā-mus, monē-mus, agĭ-mus (einschließlich des Typs capĭ-mus), audī-mus. Die Reihenfolge der Konjugationen richtete sich nach der alphabetischen Ordnung der charakteristischen Vokale. Manche Grammatiker unterschieden sogar nur drei Konjugationen, indem sie die Typen agĭ-mus und audī-mus ohne Rücksicht auf die Quantität des i zusammenfassten.

Phase 2:  Im 19. Jahrhundert, als die Indogermanistik (= Wissenschaft der Sprachherkunft) entstand, begann man, die Sprache systematischer zu betrachten. Die Typen agĭ-mus und audī-mus haben, wenn der Längenunterschied zwischen ĭ und ī berücksichtigt wird, keine übereinstimmenden Präsensstamm-Formen, und agĭ-mus und capĭ-mus weichen immerhin in etwa 60% ihrer Präsensstamm-Formen voneinander ab. Daher wurden diese Typen auf getrennte Konjugationen verteilt, sodass man nun auf fünf Konjugationen kam.

Als Namen der Konjugationen sollten ihre Stammauslaute dienen. Bei den Typen vocā-mus, monē-mus und audī-mus war der Fall klar: Es gab die „Konjugation der ā-Stämme“ (= ā-Konjugation), „Konjugation der ē-Stämme“ (= ē-Konjugation) und die „Konjugation der ī-Stämme“ (= ī-Konjugation).

Bei dem Typ agĭ-mus war man verwirrt, da er drei verschiedene Vokale zeigt, z.B.: agĕ-re hat ĕagĭ-mus hat ĭ und agŭ-nt hat ŭ. Die sprachgeschichtliche Forschung erklärte diese ĕ, ĭ und ŭ zunächst zu „Bindevokalen“, also bedeutungslosen Elementen, die ursprünglich nur den Zweck gehabt hätten, einen auf Konsonant endenden Stamm (z.B. ag- auf g) mit den konsonantischen anlautenden Endungen so zu verbinden, dass man das Ergebnis leicht aussprechen konnte. Damit hatte man eine „Konjugation der Konsonant-Stämme“ (= konsonantische Konjugation) definiert.

Den verbleibenden Typ capĭ-mus bezeichnete man als „gemischte Konjugation“, da von seinen Formen 60% mit der „konsonantischen Konjugation“ und die übrigen 40% mit der ī-Konjugation übereinstimmen.

Phase 3:  Seit Beginn des 20. Jahrhunderts setzte sich die neuere Erkenntnis der Indogermanistik durch, dass die „Bindevokale“ ursprünglich keine Aussprachehilfe gewesen sein konnten (in der Ursprache war es nämlich ganz üblich, Konsonanten aller Art aufeinandertreffen zu lassen). In Wirklichkeit muss es sich um ein Kennzeichen des Präsensstamms handeln, das in den zwei Varianten ĕ und ŏ auftrat (die im Altgriechischen noch erhalten sind). Diese Präsensstamm-Vokale der Ursprache erscheinen nach mehreren Lautveränderungen im Lateinischen als ĕ, ō, ĭ und ŭ. Seit dieser Erkenntnis spricht man statt von „konsonantischer Konjugation“ von der „Konjugation der ĕ/ŏ-Stämme“ (= ĕ/ŏ-Konjugation oder „thematische Konjugation“, d.h. Konjugation mit stammbildendem Vokal ĕ/ŏ; „Thema“ bedeutet hier „Stamm“).

Im Lateinischen ist von dem ursprünglichen ŏ der ĕ/ŏ-Konjugation nichts mehr zu sehen, da es sich in ō (agō), ĭ (agĭ-mus) oder ŭ (agŭ-nt) verwandelt hat (agŏr ist eine lateinische Neubildung). Da allein das ĕ noch in einigen Formen zu sehen ist (agĕ-re, agĕ-nt-is, agĕ-nd-ī, agĕ-rēmus usw.), ist die einzige sinnvolle Bezeichnung dieses Konjugationstyps „ĕ-Konjugation“. Um dich nicht zu verwirren, führen wir jedoch im Latein-Lexikon von Learnattack die Bezeichnungen weiter, die in Lehrbüchern üblich sind. Wir sprechen also von „konsonantischer Konjugation“, fügen aber, um korrekt zu sein, die Bezeichnung „ĕ-Konjugation“ hinzu. Wir analysieren die Verbformen auch nicht mehr mit falschen „Bindevokalen“. Dadurch wird unsere Darstellung sogar einfacher und leichter verständlich.

Den Typ agĕ-re/agĭ-mus „konsonantische Konjugation“ zu nennen, ist auch deshalb nicht sinnvoll, weil es im Lateinischen noch eine kleine Gruppe von Verben gibt, deren Präsensstamm tatsächlich auf Konsonant auslautet: fer-re tragen, es-se sein, ēs-se essen, vel-le wollen, nōl-le nicht wollen, māl-le lieber wollen (vergleiche die 3.Sg.Präs. fer-t, es-t, ēs-t, vul-t). Da die Bezeichnung „konsonantische Konjugation“ schon verbraucht ist, müssen wir die genannte Gruppe als „nichtvokalische Konjugation“ bezeichnen.

Für den Typ capĕ-re/capĭ/capĭ-mus ergab die Sprachforschung, dass hier ursprünglich ein Präsensstamm mit dem Kennzeichen -jĕ- mit der Variante -jŏ- vorlag. Diese -jĕ- und -jŏ- sind im Lateinischen in den meisten Konjugationsformen zu ĭ reduziert. Daher setzt sich für diesen Typ auch in Schulbüchern statt „gemischte Konjugation“ immer mehr die Bezeichnung „ĭ-Konjugation“ durch.

Der Typ dă-re/dă-mus wurde bisher in den meisten Schulbüchern verschwiegen, da nur ein einziges Verb so konjugiert wird und es nur in der Kürze des a von dem Typ vocā-re/vocā-mus abweicht. Da es sich jedoch um ein sehr häufiges Verb handelt, lohnt es sich spätestens beim Lesen von Hexameter-Versen, zu wissen, dass bei diesem Verb das a in fast allen Formen kurz ist. Auf diesen Typ passt nur die Bezeichnung „ă-Konjugation“.

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