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Lexikon Latein

Komposition

Andere Bezeichnung:  Zusammensetzung

 

Über das Wort „Komposition“

Genus, Betonung:  die Komposition
Plural:  die Kompositionen
Abkürzung:  Komp.
   Achtung:  „Komp.“ kann auch „Kompositum“, „Komparation“ und „Komparativ“ bedeuten!
Herkunft:  von lat. compositiō Zusammensetzung (von compōnere zusammensetzen)

 

Definition

Die „Komposition“ ist eine Methode der Wortbildung. Bei der „Komposition“ werden zwei Wörter zu einem neuen Wort zusammengesetzt. Das durch die Komposition erzeugte Wort heißt „Kompositum“ (Pl.: Komposita). Die zusammengesetzten Bestandteile des Kompositums heißen „Kompositionsglieder“ oder „Komponenten“.

 

TYPEN UND BEISPIELE

Im Gegensatz zum Deutschen ist das Lateinische nur sehr begrenzt zur Komposition fähig. Allein die Komposition von Verben mit Präpositionen ist sehr produktiv, die meisten anderen Komposita sind Einzelfälle. Die übliche lateinische Methode der Wortbildung ist die Derivation (Wortableitung mit Affixen), doch auch hier sind die Möglichkeiten beschränkt. Nicht ohne Grund begann das Lateinische seit Cicero, immer mehr griechische Fremdwörter zu importieren.

 

(A)  endozentrische Komposita = Determinativkomposita

„Endozentrisch“ bedeutet: Das Zentrum des Kompositums, d.h. der gemeinte Gegenstand, ist im Kompositum selbst genannt (endo- drinnen). „Determinativ“ bedeutet: „bestimmend“, d.h. ein Kompositionsglied bestimmt das andere näher. Die Bezeichnung „Determinativkompositum“ ist ungenau, da auch in fast allen exozentrischen Komposita (siehe unten) ein Kompositionsglied das andere näher bestimmt.

Wie im Deutschen ist bei lateinischen Komposita dieser Art im Normalfall das zweite Kompositionsglied das sogenannte Grundwort, das angibt, um was für einen Gegenstand oder Sachverhalt es sich bei dem Kompositum handelt. Dieses wird durch das erste Glied, das sogenannte Bestimmungswort, genauer bestimmt. Deutsche Beispiele:
÷ Ziegeldach = ein Dach, das mit Ziegeln gedeckt ist. 
÷ Dachziegel = ein Ziegel, der zum Decken eines Daches bestimmt ist. 

(1)  Substantiv als Grundwort
Solche Komposita sind im Deutschen extrem häufig, im Lateinischen fast gar nicht vorhanden. Z.B.:
÷ agricultūra  Ackerbewirtschaftung = Ackerbau
Hierbei handelt es sich nicht mehr um eine bloße Zusammenschreibung aus Genitiv agrī des Ackers + cultūra Bewirtschaftung: Da das i in agricultūra kurz ist, liegt ein vollendetes Kompositum vor. Formal noch unvollendete Komposita, die auch noch getrennt geschrieben werden können, sind z.B.:
÷ senātūscōnsultum oder senātūs cōnsultum 
   (Beschluss des Senats =) Senatsbeschluss
÷ lēgislātor oder lēgis lātor 
   (Antragsteller eines Gesetzes =) Gesetzes-Antragsteller
Wenn das bestimmende Wort eines unvollendeten Kompositums ein Adjektiv oder Partizip ist, wird es nachgestellt, beide Bestandteile können noch dekliniert werden:
÷ rēspūblica oder rēs pūblica (Gen. reīpūblicae / reī pūblicae)
   (öffentliche Sache =) Staat
÷ iūsiūrandum oder iūs iūrandum (Gen. iūrisiūrandī / iūris iūrandī)
   (zu schwörendes Recht =) Schwur, Eid

(2)  Adjektiv als Grundwort
Sehr selten und meist als unvollendetes Kompositum:
÷ vērīsimilis oder vērī similis
   (dem Wahren [lat. Gen.!] ähnlich =) wahrscheinlich

(3)  Verb als Grundwort
• mit Substantiv als Bestimmungswort, nur Einzelfälle, z.B.:
  ÷ animadvertere  bemerken  (< animum advertere den Sinn zuwenden)
  ÷ vēndere  verkaufen  (< vēnum dare zum Verkauf geben)
• mit Adverb als Bestimmungswort, nur Einzelfälle, z.B.:
  ÷ maledīcere (+ Dativ)  beschimpfen  (< male schlecht + dīcere reden)
• mit Präposition als Bestimmungswort, massenweise, z.B.:
  ÷ indūcere  hineinführen
  ÷ ēdūcere  herausführen
  ÷ abdūcere  wegführen
  ÷ dēdūcere  hinabführen
  ÷ perdūcere  hindurchführen
  ÷ prōdūcere  vorführen, hervorbringen
  und andere, ebenso von vielen anderen Verben.
  

(B)  exozentrische Komposita = Possessivkomposita

„Exozentrisch“ bedeutet: Das Zentrum des Kompositums, d.h. der gemeinte Gegenstand, ist nicht im Kompositum selbst genannt (exo- außerhalb). „Possessiv“ heißt: ein Besitztum des gemeinten Gegenstands ausdrückend, also das, was der gemeinte Gegenstand „hat“ oder die Tätigkeit, die die gemeinte Person ausübt (= unter Kontrolle hat). Solche Komposita funktionieren zunächst wie Adjektive, können aber aufgrund von Substantivierung als Substantive gebraucht sein.

(1)  Substantiv als Grundwort
Solche Komposita sind im Deutschen selten und altertümlich, z.B.:
÷ Langfinger  (nicht: ein langer Finger, sondern: eine Person, die lange Finger hat =) Dieb
÷ Rotkäppchen  (nicht: ein rotes Käppchen, sondern:) ein Mädchen, das ein rotes Käppchen (= Mäntelchen) hat
÷ Lockenkopf  (nicht: ein Kopf mit Locken, sondern:) eine Person, die einen Kopf mit Locken hat
Auch im Lateinischen sind sie nicht häufig, z.B.:
÷ magnanimus  (< magnus animus, nicht: ein großer Geist/Mut, sondern: großen Mut habend =) mutig
÷ quadrupēs  (< quattuor + pēs, nicht: vier Füße, sondern: vier Füße habend =) vierfüßig, Vierfüßer, Pferd

(2)  Verb als Grundwort
Im Deutschen selten und altertümlich; das Verb ist erstes oder seltener zweites Kompositionsglied; z.B.:
÷ Möchtegern  (nicht: das Gerne-Mögen, sondern:) einer, der gerne etwas sein möchte, das er nicht sein kann 
÷ Tunichtgut  (nicht: das Schlecht-Tun, sondern: einer, der schlecht tut/handelt =) Übeltäter
÷ Taugenichts  (nicht: die Untauglichkeit, sondern:) einer, der zu nichts taugt, nichtsnutziger Mensch
÷ Nichtsnutz  (nicht: die Nutzlosigkeit, sondern:) einer, der nichts nützt, nichtsnutziger Mensch
Im Lateinischen mit bestimmten Verben häufig; das Verb ist zweites Kompositionsglied; z.B.:
÷ frūgifer  (< frūx + ferre, nicht: das Fruchttragen, sondern: etwas, das Frucht trägt =) fruchtbar
÷ aquilifer  (< aquila + ferre, nicht: das Adlertragen, sondern: einer, der den Legionsadler trägt =) Adlerträger
÷ armiger  (< arma + gerere, nicht: das Waffentragen, sondern: einer, der Waffen trägt =) bewaffnet, Waffenträger
÷ corniger  (< cornū + gerere, nicht: das Horntragen, sondern: einer, der Hörner trägt =) gehörnt
÷ cornicen  (< cornū + canere, nicht: das Hornblasen, sondern: einer, der das Horn bläst =) Hornbläser
÷ tībīcen  (< tībia + canere, nicht: das Flötenspiel, sondern: einer der Flöte spielt =) Flötenspieler
÷ artifex  (< ars + facere, nicht: das Kunsthandwerk, sondern: einer, der Kunst herstellt =) Künstler
÷ carnifex  (< carō + facere, nicht: Fleischproduktion, sondern: einer, der Fleisch produziert = Fleischer >) Henker 
÷ pācificus  (< pāx + facere, nicht: Friedensschluss, sondern: einer, der Frieden macht =) friedenstiftend, Frieden(s)stifter
÷ magnificus  (< magnus + facere, nicht: Großtat, sondern: einer, der Großes tut, etwas, das Großes bewirkt =) großtuerisch = prahlerisch; großartig
÷ lapicīda  (< lapis + caedere, nicht: das Steinehauen, sondern: einer, der Steine behaut =) Steinmetz
÷ homicīda  (< homō + caedere, nicht: Menschenmord, sondern: einer, der Menschen niederhaut/tötet =) Mörder
÷ agricola  (< ager + colere, nicht: das Acker-Bewirtschaften, der Ackerbau, sondern: einer, der den Acker bebaut =) Bauer
÷ caelicola  (< caelum + colere, nicht: Leben im Himmel, sondern: einer, der im Himmel wohnt =) Himmelsbewohner, Gott

 

(C)  Partikelkomposita

(1)  Partikeln verschiedenster Funktion können sich miteinander zu neuen Partikeln verbinden. Z.B.:

÷ anteā  vorher  (< ante vor, vorher + dort)
÷ deinde  darauf, dann  (< von ÷ inde von dort)
÷ velut(ī)  wie zum Beispiel  (< vel oder, beispielsweise + ut(ī) wie)
÷ utinam  wenn doch (in Wünschen)  (< ut(ī) wie + nam denn)
÷ ubicumque  wo auch immer  (< ubī wo + cumque immer [= cum wann + verallgemeinerndes -que])

(2)  Wortverbindungen verschiedenster Wortarten können zu Partikeln verschmelzen. Z.B.:

÷ postrīdiē  am folgenden Tag  (< posterī (Lokativdiē am folgenden Tag)
÷ magnopere  sehr  (< magnō opere mit großer Bemühung)
÷ admodum  genau, völlig  (< ad modum bis zum (vollen) Maß)
÷ profectō  in der Tat, sicherlich  (< prō factō für/als Tatsache)
÷ scīlicet  natürlich, selbstverständlich  (< scīre licet es ist erlaubt zu wissen)

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