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Lexikon Latein

Infinitiv mit übernommenem Subjekt

Andere Bezeichnungen je nach Funktion im Satz:  uneigentlicher ACI, uneigentlicher NCI, DCI

 

Über die Bezeichnung „Infinitiv mit übernommenem Subjekt“

Für den „Infinitiv mit übernommenem Subjekt“ gibt es bisher weder eine gängige Bezeichnung noch eine eingeführte Abkürzung. Die Grammatiken, die ihn berücksichtigen, verwenden je nach Funktion im Satz verschiedene Bezeichnungen wie „uneigentlicher ACI“, „uneigentlicher NCI“, „DCI“ (= Datīvus cum īnfīnītīvō), „bloßer Infinitiv“(!) usw. Es kann also sein, dass in deiner Schulgrammatik der Inf.m.ü.S. nicht klar vom ACI, NCI und Infinitiv ohne Subjekt unterschieden wird. Da der Inf.m.ü.S. in Texten ziemlich häufig vorkommt, wäre eine präzisere Gesamtbezeichnung wünschenswert. Wegen der Ähnlichkeit seiner Funktionsweise zum PC müsste er eigentlich „Īnfīnītīvus coniūnctus“ heißen, abgekürzt IC.
Provisorische Abkürzung:  Inf.m.ü.S.

 

Definition

Der „Infinitiv mit übernommenem Subjekt“ (= Inf.m.ü.S.) ist ein Nebensatz, dessen Verb ein Infinitiv ist und dessen Subjekt ein Gegenstand des übergeordneten Sat­zes ist, der in zweiter Funktion als Subjekt des Infinitivs wiederverwendet (= „übernommen“) ist. Der Inf.m.ü.S. beschreibt diesen Gegenstand des übergeordneten Satzes, daher ist er eigentlich ein Attribut. In seiner Hauptfunktion ist er jedoch eine Ergänzung (= Komplement) zum übergeordneten Verb, also Subjekt oder Objekt.

 

Aussehen des Inf.m.ü.S. im Satz

Der Inf.m.ü.S. kann sich auf Gegenstände mit verschiedenem Kasus im übergeordneten Satz beziehen.

• Mit Beziehung auf einen Akkusativ sieht er aus wie ein ACI; z.B.:
÷ Incolae iubent mīlitem [ex urbe cēdere].
   Die Einwohner fordern den Soldaten auf, [die Stadt zu verlassen].
   (= dass er die Stadt verlässt).
   (Frage: Wozu fordern die Einwohner den Soldaten auf?
   > Objektfunktion; deutsches Präpositionalobjekt.)
Hier ist mīlitem den Soldaten gleichzeitig Akkusativobjekt zu iubent fordern auf und Subjekt zu cēdere verlassen. Eine solche Doppelfunktion hat das Subjekt eines ACI nicht.

• Mit Beziehung auf einen Nominativ sieht er aus wie ein NCI. Wie der NCI tritt der Inf.m.ü.S. in den Nominativ, wenn ein Aktivsatz mit akkusativischem Inf.m.ü.S. ins Passiv gedreht wird. (Doch kommt der nominativische Inf.m.ü.S. auch bei Aktivverbformen vor; siehe unten.) Z.B.:
÷ Mīles iubētur ab incolīs [ex urbe cēdere].
   Der Soldat wird von den Einwohnern aufgefordert, [die Stadt zu verlassen]
   (= dass er die Stadt verlässt).
   (Frage: Wozu wird der Soldat aufgefordert?
   > Objektfunktion; deutsches Präpositionalobjekt.)
Hier ist mīles der Soldat gleichzeitig Subjekt zu iubētur wird aufgefordert und Subjekt zu cēdere verlassen.

• Mit Beziehung auf einen Dativ kommt er bei wenigen Verben vor:
÷ Nōn licet mīlitī [ex urbe cēdere].
   Es ist dem Soldaten nicht erlaubt, [die Stadt zu verlassen]
   (= dass er die Stadt verlässt).
   (Frage: Wer oder was ist dem Soldaten erlaubt? > Subjektfunktion.)

Ein Prädikatsnomen beim Infinitiv zeigt Kongruenz mit seinem Subjekt; z.B.:
÷ Akkusativ:  Incolae iubent mīlitem [misericordem esse].
   Die Einwohner fordern den Soldaten auf, [mitleidvoll zu sein].
÷ Nominativ:  Mīles iubētur ab incolīs [misericors esse].
   Der Soldat wird von den Einwohnern aufgefordert, [mitleidvoll zu sein].
÷ Dativ:  Nōn licet mīlitī [misericordī esse].
   Es ist dem Soldaten nicht erlaubt, [mitleidvoll zu sein].

 

Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen ACI/NCI und Inf.m.ü.S.

 

(1)  Gemeinsamkeiten mit ACI und NCI

Wie ACI und NCI hat der Inf.m.ü.S. im übergeordneten Satz meist Objekt- oder Subjektfunktion.
Wie ACI und NCI wird auch der lateinische Inf.m.ü.S. weder durch eine Subjunktion noch durch ein Relativpronomen oder Ähnliches eingeleitet, muss mit seinem Subjekt kongruent sein und wird nicht durch Satzzeichen vom übergeordneten Satz abgegrenzt.
 

(2) Unterschiede zum ACI und NCI

• Die bei den Beispielen angegebene Doppelfunktion des Subjekts des Inf.m.ü.S. hat das Subjekt eines ACI und NCI nicht.
• Übersetzung: Während der ACI und der NCI im Deutschen meist nicht wörtlich (d.h. mit Infinitivkonstruktion) übersetzt werden können, kann der Inf.m.ü.S. meist wörtlich wiedergegeben werden, da er auch im Deutschen eine übliche Konstruktion ist.
• Der Inf.m.ü.S. kann auch im Dativ stehen.

 

Typische Verben, die mit Inf.m.ü.S. ergänzt werden

 

(1)  Inf.m.ü.S. im Nominativ

• Verben des Könnens und Lernens, z.B.:
÷ Mīles [arcū ūtī] potest/discit.  (ūtī: Deponens!)
   Der Soldat kann/lernt [mit dem Bogen umgehen/umzugehen].

• Verben des Wollens und Müssens, z.B.:
÷ Mīles [ex urbe cēdere] vult/dēbet.
   Der Soldat will/muss [die Stadt verlassen].
÷ Mīles [ex urbe cēdere] cōnstituit.
   Der Soldat beschließt, [die Stadt zu verlassen].

• Verben des Beginnens und Aufhörens, z.B.:
÷ Exercitus incipit/dēsinit [urbem dīripere].
   Das Heer beginnt/hört auf, [die Stadt zu plündern].

• Verben des Nichttuns und des Ofttuns, z.B.:
÷ Mīles [ad exercitum revertī] cunctātur/oblīvīscitur.  (drei Deponentien!)
   Der Soldat zögert/vergisst, [zum Heer zurückzukehren].
÷ Exercitus solet [urbēs dīripere].
   Das Heer pflegt [die Städte zu plündern].

• Verben des Intensivtuns, z.B.:
÷ Mīles [imperia exsequī] studet.  (exsequī: Deponens!)
   Der Soldat bemüht sich eifrig, [die Befehle auszuführen]
   (= führt eifrig die Befehle aus).
÷ Mīles [ad exercitum revertī] properat.
   Der Soldat eilt, [zum Heer zurückzukehren]
   (= kehrt eilends zum Heer zurück).

• Die meisten Verben mit Inf.m.ü.S. im Akkusativ (siehe (2)) haben bei Umwandlung ins Passiv einen Inf.m.ü.S. im Nominativ, z.B.:
÷ Mīles iubētur... (siehe oben unter „Aussehen des Inf.m.ü.S. im Satz“).
 

(2)  Inf.m.ü.S. im Akkusativ

• bei docēre lehren, z.B.:
÷ Docent mīlitem [arcū ūtī].
   Sie lehren den Soldaten, [mit dem Bogen umzugehen].

• Verben des Veranlassens und Hinderns, z.B.:
÷ Incolae cōgunt/prohibent mīlitem [ad exercitum revertī].
   Die Einwohner zwingen/hindern den Soldaten, [zum Heer zurückzukehren].
÷ Incolae iubent... (siehe oben unter „Aussehen des Inf.m.ü.S. im Satz“).

• Verben des Beschuldigens, z.B.:
÷ Incolae arguunt mīlitēs [urbem dīripuisse].
   Die Einwohner beschuldigen die Soldaten, [die Stadt geplündert zu haben].
 

(3)  Inf.m.ü.S. im Dativ

• Verben des Erlaubens, z.B.:
÷ Incolae concēdunt mīlitī [ad exercitum revertī].
   Die Einwohner erlauben dem Soldaten, [zum Heer zurückzukehren].
÷ Nōn licet... (siehe oben unter „Aussehen des Inf.m.ü.S. im Satz“).

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