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Lexikon Latein

ī-Konjugation (mit langem i)

Andere Bezeichnung:  4. Konjugation

 

Definition

Die ī-Konjugation ist eine der Konjugationen des Präsensstamms. Unter „ī-Konjugation“ versteht man den Konjugationstyp, der sich mit den auf ĭ auslautenden Präsensstämmen verbindet.

 

Formen

Abkürzungen in der Tabelle:
Gen. = Genitiv
Imp. = Imperativ
Kjv. = Konjunktiv
Nom. = Nominativ
Pl. = Plural  (1.Pl. = 1.Person Plural, usw.)
PPA = „Partizip Präsens Aktiv“
Präs. = Präsens
Sg. = Singular  (1.Sg. = 1.Person Singular, usw.)

Farben in der Tabelle:
BRAUN
= Verbalstamm:
     zeigt die Verbbedeutung an.
LILA = Unterstamm-Kennzeichen:
     zeigt den vom Verbalstamm abgeleiteten Unterstamm (hier: den Präsensstamm) an.
     Wo das Unterstamm-Kennzeichen nicht durch Lautregeln verändert ist,
     lässt sich an ihm auch der Konjugationstyp (= „die Konjugation“) ablesen.
DUNKELBLAU = Formtyp-Modus-Tempus-Kennzeichen:
     zeigt Formtyp, Modus und Tempus (manchmal auch Diathese) an.
HELLBLAU = Personalendung:
     zeigt grammatische Person, Numerus und Diathese (manchmal auch den Modus) an.
ROT = Deklinationsendung:
     zeigt Kasus, Numerus und Genus an.

Betrachte auch die Beispielanalysen von Verbformen unter Konjugation!
 

ī-Konjugation (mit langem i) - Abbildung 1

 

Erläuterungen zu den Tabellen

(1) Wechsel von Langvokalen und Kurzvokalen:
Der Stammauslaut-Vokal und die Vokale vor den Personalendungen und vor dem Partizipkennzeichen nt schwanken zwischen kurz und lang; z.B.:
÷ nt-Partizip (= PPA):  audĭēns, audĭĕntis;
÷ Indikativ Präsens:  audĭō, audīs, audĭt, audīmus, audītis, audĭunt;
÷ Indikativ Imperfekt:  audĭēbăm, audĭēbās, audĭēbăt, audĭēbāmus, audĭēbātis, audĭēbănt; usw.
Eigentlich liegen beim Partizip ein kurzes ĕ (ĕnt), in den übrigen Fällen aber Langvokale vor; auf die Langvokale wirken die lateinischen Vokalkürzungsregeln, bei der Form audĭēns wirkt eine Vokaldehnungsregel.

(2) In der ī-Konjugation dient die 1.Sg. Konjunktiv Präsens zugleich als 1.Sg. Futur:
÷ audiam; ebenso im Passiv: audiar.
Der Grund liegt darin, dass in diesen Fällen die 1.Sg. Futur ursprünglich mit dem Indikativ Präsens gleich lautete (audiō). Als Ersatz dafür deutete man Wunschkonjunktive zum Futur um, z.B.: audiam ich möge hören > ich will hören > ich werde hören. (Vergleiche das englische Futur „I shall go / I will go“, was ursprünglich ich soll gehen / ich will gehen bedeutete.) Übrigens waren auch die anderen Futurformen dieser Konjugation ursprünglich Konjunktiv-Präsens-Formen, wie man in der ā-Konjugation noch sehen kann:  vocēs, vocet, vocēmus, vocētis, vocent (zu denen die 1.Sg. vocem neu gebildet wurde).

 

Eine Übersicht über die Konjugationen mit weiteren Informationen findest du unter Konjugationen des Präsensstamms.

 

Unregelmäßige ī-Konjugation

Zwei Verben der ī-Konjugation haben unregelmäßige Formen; wir behandeln sie in eigenen Lexikonartikeln:
fierī  werden;
īre  gehen.

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