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Lexikon Latein

gegenständlicher Gebrauch

Andere Bezeichnung:  substantivischer Gebrauch

 

Definition

Ein Wort ist in einem Satz „gegenständlich gebraucht“, wenn es einen Gegenstand (= Person oder Sache) nicht nur beschreibt, sondern zugleich diesen Gegenstand selbst im Satz repräsentiert (wie z.B. ein Substantiv in seiner typischen Gebrauchsweise).
Ein Wort ist in einem Satz „nicht-gegenständlich gebraucht“, wenn es einen Gegenstand nur beschreibt ohne ihn zu repräsentieren (wie z.B. ein Adjektiv in seiner typischen Gebrauchsweise). 

Erläuterungen:  
• Jeder Gegenstand, von dem in einem Satz die Rede ist, muss durch genau ein Wort im Satz repräsentiert werden; dies geschieht meist durch ein Substantiv oder Pronomen. Zur Beschreibung desselben Gegenstands können weitere Wörter hinzutreten, die nicht-gegenständlich gebraucht sind, also nur Eigenschaften bezeichnen; dabei handelt es sich meist um Adjektive und Verben.
Ausnahme:  Wenn der Gegenstand in zwei oder mehr syntaktischen Rollen im selben Satz vorkommt, muss er pro Rolle einmal repräsentiert sein, z.B. in der Subjektrolle als Substantiv, in der Objektrolle als Reflexivpronomen.
• Das Gegenteil von „gegenständlicher Gebrauch“ ist „nicht-gegenständlicher Gebrauch“, andere Bezeichnung: adjektivischer Gebrauch.

 

Wofür ist die Unterscheidung gegenständlich – nicht-gegenständlich wichtig?

Kongruenz:  Sehr oft wird ein Gegenstand in einem Satz durch mehrere Wörter beschrieben. Von diesen ist dann eins gegenständlich, die anderen nicht-gegenständlich gebraucht. Die nicht-gegenständlich gebrauchten Wörter richten sich in der Kongruenz nach dem gegenständlich gebrauchten.

• Satzbedeutung:  Um zu wissen, von wie vielen Gegenständen überhaupt in einem bestimmten Satz die Rede ist, muss man die gegenständlich gebrauchten Wörter ermitteln. Jedes von diesen repräsentiert einen eigenständigen Gegenstand (Ausnahme: Die Reflexivpronomen wiederholen einen im selben Satz schon genannten Gegenstand). Außerdem ist wichtig, dass von den gegenständlich gebrauchten Wörtern nur die finiten Verbformen prädikativ (d.h. als Prädikat) gebraucht sein können, d.h. dass andere gegenständlich gebrauchte Wörter nicht als Prädikativum oder als Nebensätze übersetzt werden können (Ausnahme: als Relativsatz mit Beziehungswort is derjenige oder ohne Beziehungswort).

 

Welche Wortarten werden normalerweise wie gebraucht?

(1)  Wörter, die normalerweise gegenständlich gebraucht sind:
Substantive
Personalpronomen und Reflexivpronomen:
  egō ich, du, nōs wir, vōs ihr, sich
• das Pronomen quis/quid  wer/was, irgendwer/irgendwas
  (und die davon abgeleiteten Pronomen quisque jeder,
  quisquam irgendwer, aliquis irgendwer usw.)
• die Pronomen nēmō niemand und nihil nichts
• Infinitive

(2)  Wörter, die normalerweise nicht-gegenständlich gebraucht sind und sich auf ein gegenständlich gebrauchtes Wort aus (1) beziehen:
Adjektive
Partizipien

(3)  Wörter, die normalerweise nicht-gegenständlich gebraucht sind und sich meist auf eine Eigenschaft (Verb oder Adjektiv oder Adverb) oder eine Wortverbindung beziehen:
Adverbien
• andere Partikeln

(4)  Wörter, die gleichermaßen gegenständlich und nicht-gegenständlich gebraucht sein können:
Pronomen (mit Ausnahme der unter (1) genannten)
finite Verbformen

 

Abweichungen vom normalen Gebrauch

(1)  Nicht-gegenständlicher Gebrauch statt gegenständlichem Gebrauch (vergleiche oben (1)):

Apposition: 
Tritt ein Substantiv als Apposition zu einem anderen Substantiv (oder Personalpronomen), beschreiben beide denselben Gegenstand. Das bedeutet, dass nur von einem einzigen Gegenstand die Rede ist und offenbar eines der Substantive – nämlich die Apposition – nicht-gegenständlich gebraucht sein muss.

Prädikatsnomen:
Beschreibt ein Substantiv (oder Infinitiv) als Prädikatsnomen einen Subjektsgegenstand, muss das Substantiv (bzw. der Infinitiv) nicht-gegenständlich gebraucht sein.

(2)  Gegenständlicher Gebrauch statt nicht-gegenständlichem Gebrauch (vergleiche oben (2)):

Adjektive und Partizipien können ohne Bezug auf ein Substantiv oder Pronomen gebraucht werden. Da ihnen also das gegenständliche Bezugswort fehlt, werden sie in diesem Fall selber gegenständlich gebraucht. Es handelt sich dabei jedoch nicht (wie oft behauptet wird) um eine Substantivierung, da die Adjektive immer noch durch Adverbien näher bestimmt werden können, die Partizipien durch Adverbien, Objekte usw. Beispiele siehe unter Participium coniūnctum > PC ohne Subjektwort.

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