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Lexikon Latein

finite Verbform

Andere Bezeichnungen:  Finitiv, Personalform

 

Über die Bezeichnungen „finite Verbform“, „Finitiv“ und „Personalform“

Herkunft von „finite Verbform“ und „Finitiv“:  von lat. verbum fīnītum bestimmte Verbform bzw. modus fīnītīvus Aussageweise der Bestimmtheit (fīnītum ist vorzeitiges Passivpartizip von fīnīre begrenzen, bestimmen; gemeint ist, dass die Form hinsichtlich der grammatischen Person, des Modus und des absoluten Tempus bestimmt ist, im Unterschied zu Infinitiv und Partizip).
Genus:  die finite Verbform, aber: der Finitiv (vergleiche: der Infinitv)
Plural:  die finiten Verbformen, die Finitive
Abkürzung:  Fin.

Bisher üblicher Wortgebrauch:
• Am verbreitetsten ist die etwas schwerfällige Bezeichnung „finite Verbform“, daher verwenden wir sie auch in diesem Lateinlexikon.
• Präziser scheint die Bezeichnung „Personalform“, da sie die grammatische Person als klares Unterscheidungskriterium benennt. Allerdings ist diese Bezeichnung nicht weltweit anwendbar: Es gibt Sprachen, deren finite Verbformen zwar vom Infinitiv verschieden sind, aber keine Personalendung haben (z.B. Dänisch, Schwedisch), umgekehrt gibt es auch Sprachen, deren Infinitive Personalendungen haben (z.B. Portugiesisch).
• Die kompakte Bezeichnung „Finitiv“ wurde mit ähnlicher Bedeutung schon von römischen Grammatikern verwendet (fīnītīvus, allerdings eingeschränkt auf Indikativ). In der Sprachwissenschaft ist „Finitiv“ die Bezeichnung einer Aktionsart des Verbs, wird aber durch zahlreiche gleichbedeutende Bezeichnungen (z.B. „terminativ“, „telisch“) überflüssig gemacht. Im Sinne von „finite Verbform“ wird die Bezeichnung „Finitiv“ bisher nur von Laien verwendet. Dennoch erscheint von den drei Bezeichnungen diese als die günstigste.

 

Definition

Die „finite Verbform“ ist einer der Verbformtypen. Unter „finiten Verbformen“ versteht man Verbformen, die (absolutes) Tempus und Modus ausdrücken und als Hauptsatzverben dienen können.

Hinweis:  Um als „finite Verbform“ zu gelten, muss eine Verbform nicht unbedingt alle genannten Kriterien erfüllen (z.B. können im Altgriechischen die Konjunktive kein Tempus ausdrücken). Gleiches gilt für die Definitionen von Infinitiv und Partizip. Diese drei Verbformtypen haben je nach Sprache etwas verschiedene Eigenschaften. Da die meisten Sprachen der Welt viel weniger Verbformen bilden als Latein oder Deutsch, sind zur Unterscheidung der Verbformtypen die funktionalen Eigenschaften wichtiger als die formalen.

 

Eigenschaften

Im Lateinischen haben die finiten Verbformen folgende Eigenschaften:
 

(A)  formale Eigenschaften

Sie können folgende grammatische Dimensionen ausdrücken:

(1)  grammatische Person, mit den Kategorien:
• 1.Person, z.B.:  voc-ō (ich) ruf-e
• 2.Person, z.B.:  vocā-s (du) ruf-st
• 3.Person, z.B.:  voca-t (er/sie/es) ruf-t

(2)  Numerus, mit den Kategorien:
• Singular, z.B.:  voca-t (er/sie/es) ruf-t
• Plural, z.B.:  voca-nt (sie) ruf-en

(3)  Modus, mit den Kategorien:
• Indikativ, z.B.:  voca-t (er/sie/es) ruf-t
• Konjunktiv, z.B.:  vocā-re-t (er/sie/es) rief-e
• Imperativ, mit den Unterkategorien:
— spezieller Imperativ (= Imperativ I), z.B.:  vocā-te ruf-t!
— genereller Imperativ (= Imperativ II), z.B.:  vocā-tōte ihr sollt rufen!

(4)  Tempus (genauer: absolutes Tempus, relatives Tempus und Aspekt), mit den Kategorien:
• Präsens, z.B.:  voca-t (er/sie/es) ruf-t
• Perfekt, z.B.:  vocā-v-it (er/sie/es) rief-_ (mit vollendetem Aspekt)
• Imperfekt, z.B.:  vocā-ba-t (er/sie/es) rief-_ (mit unvollendetem Aspekt)
• Plusquamperfekt, z.B.:  vocā-v-era-t (er/sie/es) rief-_
• Futur, z.B.:  vocā-b-it (er/sie/es) wird rufen
• Futurperfekt (= Futur II), z.B.: 
Weitere Tempora können durch Umschreibung gebildet werden:
• Postpräsens, z.B.:  vocā-t-ūr-us es-t (er) wird rufen
• Postpräteritum, z.B.:  vocā-t-ūr-us er-a-t (er) würde rufen
• Postfutur, z.B.:  vocā-t-ūr-us er-i-t (er) wird rufen werden

(5)  Diathese (= Genus verbī), mit den Kategorien:
• Aktiv, z.B.:  voca-t (er/sie/es) ruf-t
• Passiv, z.B.:  voca-tur (er/sie/es) wird ge-ruf-en

Beispiel:
÷ vocābāmur wir wurden gerufen
• Drückt in der Personalendung -mur aus:
grammatische Person:  1.Person: wir
Numerus:  Plural: wir
Diathese:  Passiv: wurden ge-...-en
• Drückt im Formtyp-Modus-Tempus-Kennzeichen -bā- aus:
Modus:  Indikativ: wurden
Tempus:  Imperfekt (also unabgeschlossene Vergangenheit): wurden

Als weitere Beispiele siehe die Abbildungen der Analysebeispiele unter Konjugation.
 

(B)  funktionale Eigenschaften

• Sie können als Hauptsatzprädikate verwendet werden.
• Sie können nur in Verbindung mit besonderen Markierungen (meist Subjunktionen, Relativ- oder Interrogativwörter) als Nebensatzprädikate dienen.

 

Zur Abgrenzung zwischen finiter Verbform, Infinitv und Partizip findest du mehr unter Verbformtypen.

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