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Wie du Gerundium und Gerundivum unterscheidest


Aufgabe

Gib bei folgenden Sätzen an, ob jeweils Gerundium oder Gerundivum vorliegt. Übersetze anschließend die Sätze.

  1. Difficultas copias parandi magna erat.
  2. Ars pontis faciendi difficilis est.
  3. Parentibus parendum est.
  4. Iniurias ulciscendo ipsi iniuriam facimus.
  5. Animalia interficienda non sunt.
  6. Caesar legatis nuntium perferrendum dedit.

Das musst du wissen

Unter den sogenannten „nd-Formen“ verstehen wir das Gerund(ium) und das Gerundiv(um).

Das Gerundium ist ein deklinierter Infinitiv im Aktiv, d. h., es handelt es sich im Prinzip um einen Infinitiv Präsens, der wie ein Nomen dekliniert wird. Das kennst du in ähnlicher Weise aus dem Deutschen: Wenn wir vor ein Verb einen Artikel setzen, liegt ein substantivierter Infinitiv vor, z. B. das Lernen. Wir können ihn dann wie ein Nomen im Singular deklinieren und in alle Kasus setzen: des Lernens, dem Lernen, das Lernen, durch das Lernen.
Weil das Lateinische bekanntermaßen keine Artikel kennt, wird das Gerundium auf eine andere Art gebildet: An den Präsensstamm des jeweiligen Verbs kommt ein -nd- und daran dann die Endungen, die du aus der o-Deklination im Singular kennst: z. B. disce-nd-i, discendo, ad discendum, discendo. Achte darauf, dass beim Akkusativ immer die Präposition ad, zur/zum, davorstehen muss; sonst wird der bloße Infinitiv benutzt (Bsp.: Amo scribere. – Ich liebe es, zu schreiben.). Der Ablativ kann allein stehen, aber auch mit einer Präposition, z. B. in discendobeim Lernen. Es gibt keinen Nominativ; dafür verwendet man den normalen Infinitiv. Wie im Deutschen ist das Gerundium außerdem immer Neutrum Singular, deshalb gibt es keine anderen Genus-Endungen. Du kannst dir darum merken: -i, -o, -um, -o – das Gerundium kann nur so! Ein Gerundium kann aber durch ein Objekt oder durch Adverbien erweitert werden, und zwar, wenn du den Infinitiv genauer bestimmen möchtest. In welchem Kasus das Objekt dann steht, hängt davon ab, welchen Fall das Verb, also das Gerundium, verlangt. Im Deutschen geben wir das am besten mit einem Infinitiv mit „zu“ wieder, bisweilen bietet sich aber auch ein Gliedsatz an. Bsp.: ars epistulas scribendidie Kunst, Briefe zu schreiben. Auf gleiche Weise können wir ein Adverb in ein Gerund einfügen (Bsp.: ars bene scribendidie Kunst, gut zu schreiben).

Im Gegensatz zum Gerundium ist das Gerundivum ein sogenanntes Verbaladjektiv, also ein Adjektiv, das aus einem Verb gebildet wurde. Im Deutschen können wir das nicht nachmachen, weswegen wir das Gerundiv umschreiben müssen. Dafür wählen wir meist einen Infinitiv mit „zu“ oder einen nominalen Ausdruck. Die Bildung funktioniert ähnlich wie beim Gerundium, jedoch kann das Gerundiv alle Kasus, Genera und Numeri bilden, also z. B. disce-nd-us, -a, -um. Es wird wie ein Adjektiv der a- und o-Deklination dekliniert. Im Gegensatz zu einem Gerundium, das für sich allein steht, braucht ein Gerundiv, wie ein Adjektiv, immer ein Bezugswort, zu dem es kongruent ist. Bsp.: Legati Caesarem adierunt ad pacem faciendam. Sowohl pacem als auch faciendam sind Akkusativ Singular, demnach sind sie kongruent. Der Satz lautet: Die Gesandten suchten Cäsar auf, um Frieden zu schließen. Oder nominal: zum Friedensschluss. Das ist der attributive Gebrauch des Gerundivs.

Gerundiv mit esse: müssen (prädikatives Gerundiv)
Es gibt auch den prädikativen Gebrauch des Gerundivs, und zwar, wenn es mit einer Form von esse verbunden ist; dann wird ausgedrückt, dass etwas geschehen muss. Es hat stets passive Bedeutung. Das prädikative Gerundiv richtet sich in Kasus, Numerus und Genus ebenfalls nach dem Bezugswort. Bsp.: Lingua Latina discenda est. – Die lateinische Sprache ist eine zu lernende. Wir formulieren aber besser: Die lateinische Sprache muss gelernt werden. Wichtig ist also in deiner deutschen Übersetzung stets, dass „müssen“ und ein Passiv vorkommen. Ein prädikatives Gerundiv kann auch Teil eines Infinitivs werden, beispielsweise im AcI: Ceterum censeo Carthaginem esse delendam. Da das Gerundiv delendam im Infinitiv des AcI steht, ist es ebenfalls Akkusativ. Übersetzt wird es aber wie immer als Prädikat des deutschen dass-Satzes: Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Karthago zerstört werden muss.

Verneintes prädikatives Gerundiv: nicht dürfen
Wenn ein prädikatives Gerundiv verneint wird, übersetzen wir es mit nicht dürfen, aber weiterhin passivisch. Bsp.: Lingua Latina obliviscenda non est. – Die lateinische Sprache darf nicht vergessen werden.

Unpersönlicher Gebrauch des prädikativen Gerundivs
In diesem Fall steht das Gerundiv im Neutrum. Das berühmteste Beispiel finden wir bei Horaz: Nunc est bibendum. – Es muss jetzt getrunken werden! Hier haben wir aber auch die Möglichkeit, das unpersönliche man zu verwenden, d. h.: Jetzt muss man trinken!

Prädikatives Gerundiv: finaler Gebrauch (Absicht, Zweck)
Ein prädikatives Gerundiv kann nach Verben des Gebens und Schickens eine Absicht ausdrücken. Man spricht dann vom finalen Gebrauch des Gerundivs. Wir übersetzen es entweder mit damit oder zur, zum. Bsp.: Hoc munus ei praestandum do. – Ich gebe ihm diese Aufgabe zur Erfüllung/damit er sie erfüllt.

Prädikatives Gerundiv: Dativus auctoris (Dativ des Urhebers)
Wenn du angeben möchtest, wer etwas tun muss, so steht derjenige stets im Dativ. Wir bezeichnen das als „dativus auctoris“ bzw. als „Dativ des Urhebers“. Bsp.: Lingua Latina mihi exercenda est. – Die lateinische Sprache muss von mir geübt werden. Ins Aktiv umformuliert erhalten wir: Ich muss die lateinische Sprache üben.

Schritt 1: Bestimme, ob es sich jeweils um ein Gerundium oder ein Gerundivum handelt

Um herauszufinden, ob es sich um ein Gerundium oder ein Gerundivum handelt, musst du also bestimmen, ob die nd-Form kongruent zu einem anderen Nomen ist oder nicht bzw. ob eine Verbindung mit einer Form von esse vorliegt.

  1. Difficultas copias parandi magna erat.
    Bei der nd-Form parandi handelt es sich um einen Genitiv Singular. Wir sehen, dass es kein dazu kongruentes Nomen gibt, deswegen liegt automatisch ein Gerundium vor.
  2. Ars pontis faciendi difficilis est.
    Wiederum steht die nd-Form im Genitiv Singular, diesmal ist sie allerdings kongruent zu pontis, dem Genitiv Sg. von pons. Weil es aber nicht prädikativ ist – zu est ist difficilis ja schon Prädikatsnomen –, handelt es sich um ein attributives Gerundiv.
  3. Parentibus parendum est.
    Bei parendum est handelt es sich wegen der Neutrumendung -um sowie wegen des Prädikats est, das ein Prädikatsnomen verlangt, eindeutig um ein prädikatives, unpersönlich konstruiertes Gerundiv.
  4. Iniurias ulciscendo ipsi iniuriam facimus.
    Ulciscendo
    könnte aufgrund der Deklinationsendung -o sowohl Gerundium als auch Gerundiv sein. Weil es aber kein kongruentes Nomen gibt, liegt ein Gerundium vor.
  5. Animalia interficienda non sunt.
    Es liegt eine nd-Form vor, die auf -a endet; damit ist das Gerundium schon mal ausgeschlossen. Da interficienda prädikativ zum verneinten sunt ist, liegt ein verneintes prädikatives Gerundiv vor.
  6. Caesar legatis nuntium perferrendum dedit.
    Perferrendum könnte aufgrund der Endung wieder beides sein; jedoch ist es kongruent zu nuntium, weshalb es sich um ein Gerundiv handelt. Da das Prädikat des Satzes, dedit, ein Verb des Gebens und Schickens ist, handelt es sich um ein attributives finales Gerundiv.

Schritt 2: Übersetze die Sätze

  1. Difficultas copias parandi magna erat.
    Das Gerundium parandi ist ein Genitiv zu difficultas und ist um das Akkusativobjekt copias erweitert, magna erat ist das Prädikat des Satzes. Wir übersetzen: Die Schwierigkeit, Vorräte zu beschaffen, war groß.
  2. Ars pontis faciendi difficilis est.
    Das Subjekt des Satzes ist ars, das Prädikat difficilis est. Das Gerundiv pontis faciendi steht im Genitiv Singular und bestimmt das Subjekt genauer. Wir geben es im Deutschen mit zu oder einem nominalen Ausdruck wieder: Die Kunst, eine Brücke zu bauen / des Brückenbaus ist schwierig.
  3. Parentibus parendum est.
    Das prädikative Gerundiv parendum est, das hier unpersönlich gebraucht ist, übersetzen wir mit es muss gehorcht werden oder aktivisch mit man muss gehorchen. Bei parentibus handelt es sich um ein Dativobjekt zu parere. Der Satz lautet: Es muss den Eltern gehorcht werden. / Man muss den Eltern gehorchen.
  4. Iniurias ulciscendo ipsi iniuriam facimus.
    Subjekt des Satzes ist das Pronomen ipsi, Prädikat facimus, zu dem das Akkusativobjekt iniuriam gehört. Das Gerundium ulciscendo (sich rächen) ist durch den Akkusativ iniurias erweitert und kann Dativ oder Ablativ Singular sein, wobei der Dativ, nach dem wir ja mit „Wem?“ fragen, nicht infrage kommt, denn dem Rächen von Unrecht passt nicht zum übrigen Satz. Also ist nur der Ablativ sinnvoll: Durch das Rächen von Unrecht / Indem wir Unrecht rächen, begehen wir selbst Unrecht.
  5. Animalia interficienda non sunt.
    In diesem Satz liegt mit interficienda non sunt ein verneintes Gerundiv vor, wir übersetzen es mit nicht dürfen, aber weiterhin passivisch. Subjekt sind die animalia: Lebewesen dürfen nicht getötet werden.
  6. Caesar legatis nuntium perferrendum dedit.
    Weil hier ein finales Gerundiv vorliegt, geben wir es mit zu oder einem Finalsatz (damit) wieder. Subjekt ist Caesar, Prädikat dedit; wem er etwas gibt, verrät uns das Dativobjekt legatis. Was und zu welchem Zweck er es übergibt, sagen uns die beiden Akkusative nuntium perferrendum: Cäsar gab den Gesandten eine Nachricht, damit sie sie übermitteln / zur Übermittlung.

Lösung

  1. Difficultas copias parandi magna erat.
    → Gerundium: Die Schwierigkeit, Vorräte zu beschaffen, war groß.
  2. Ars pontis faciendi difficilis est.
    → Attributives Gerundiv: Die Kunst, eine Brücke zu bauen, / des Brückenbaus ist schwierig.
  3. Parentibus parendum est.
    → Unpersönliches prädikatives Gerundiv: Man muss den Eltern gehorchen.
  4. Iniurias ulciscendo ipsi iniuriam facimus.
    → Gerundium: Durch das Rächen von Unrecht / Indem wir Unrecht rächen, begehen wir selbst Unrecht.
  5. Animalia interficienda non sunt.
    → Verneintes prädikatives Gerundiv: Lebewesen dürfen nicht getötet werden.
  6. Caesar legatis nuntium perferrendum dedit.
    → Attributives finales Gerundiv: Cäsar gab den Gesandten eine Nachricht, damit sie sie übermitteln / zur Übermittlung.
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