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Schritt-für-Schritt-Anleitung

Wie du die Funktionen eines Kasus unterscheidest und übersetzt – Grundlagen

Aufgabe

Gib den Kasus des kursiv gesetzten Ausdrucks an, bestimme jeweils die semantische Funktion (Sinnrichtung) und übersetze.

  1. villa amici pulchra est.
  2. amor patris puero placet.
  3. spes pacis placet.
  4. domum currit.
  5. tres annos rex erat.

Schritt 1: Bestimme den Kasus 

Jeder Kasus kann nur bestimmte Dinge, so wie auf einer Baustelle jeder für einen bestimmten Bereich zuständig ist (Zimmermann: Holz und Dach, Elektriker: Kabel …). Als Erstes musst du also beim Übersetzen herausfinden, welcher Kasus dort steht. Das machst du, indem du die Endung anschaust.

  1. villa amici pulchra est. ⇒ Die Endung ist der Genitiv Singular der o-/a-Deklination, da die Stammform amicus, amic-i, m. lautet.
  2. amor patris puero placet. ⇒ Auch die Endung -is ist hier nur theoretisch mehrdeutig, könnte z. B. mit langem -i auch ein Dativ oder Ablativ Plural der o-/a-Deklination sein (-is). Doch kennst du sicher die Stammformen von pater: pater, patr-is, m. Es handelt sich also eindeutig um den Genitiv Singular der konsonantischen Deklination. Das -is von pac-is stammt ebenfalls von einem Genitiv Singular (pax, pacis, f.)
  3. domum currit. ⇒ Das -um von domum kann nur ein Akkusativ Singular sein.
  4. tres annos rex erat. ⇒ Die kongruenten Endungen -es und -os bei tres annos können nur ein Akkusativ Plural sein (annus, anni, m.).

Schritt 2: Liste die Funktionen der Kasus auf

Die semantische Funktion (Sinnrichtung) ist jedem Kasus fest zugeordnet. Wir haben hier drei Genitive und zwei Akkusative. Jetzt musst du wissen, was sie im Satz bedeuten können.

  • Der Genitiv ist im Wesentlichen der Bereichs- und Zugehörigkeitskasus und antwortet auf die Frage: „Wessen?“ Daneben gibt es aber noch Spezialfunktionen, z. B. musst du schon früh den Genitivus subiectivus und obiectivus kennen, den Genitiv des Subjekts („Wer tut dabei etwas?“) oder Objekts („Zu wem?“/„Auf wen?“).
  • Der Akkusativ bezeichnet die Richtung oder das Ziel (Objekt) einer Handlung sowie räumliche und zeitliche Ausdehnung. Er antwortet auf die Fragen „Wohin?“, „Wen oder was?“ und „Wie lang(e)?“.

Schritt 3: Wähle die passende Funktion aus und übersetze

a. villa amici pulchra est. 
Versuche immer erst einmal die Grundfunktion. Mit dem Genitiv amici würde dann ausgedrückt, wem oder wozu das Landhaus (villa) gehört. Wende die Frage „Wessen?“ an: Des Freundes. ⇒ Das Landhaus des Freundes ist schön.
Hier passt also schon die Hauptfunktion. Es handelt sich um eine Zugehörigkeit (oder, wie du später genau bestimmen musst, einen Genitivus possessivus (des Besitzes)).

b. spes pacis placet.
Gibt der Genitiv pacis hier an, wem oder wozu die Hoffnung (spes) gehört? Wende die Frage an: Wessen? Des Friedens. ⇒ Die Hoffnung des Friedens gefällt.
Zugehörigkeit oder Bereich? Sicher, aber gehört die Hoffnung dem Frieden? Sicher nicht! Aber vielleicht ist es ja der Genitiv des Subjekts? Dann müsste der Frieden etwas tun. Kann der Frieden selbst hoffen? Auch nicht. Wird mit dem Frieden etwas gemacht, hofft man vielleicht auf ihn? Mal sehen, dann kannst du den Genitiv so übersetzen: Die Hoffnung auf Frieden gefällt.
Passt. Die genaue Funktion ist also ein Genitivus obiectivus (des Objekts).

c. amor patris puero placet.
Die Grundfunktion beim Genitiv patris gäbe an, wem oder wozu die Liebe (amor) gehört. Wende die Frage an: Wessen? Des Vaters. ⇒ Die Liebe des Vaters gefällt dem Jungen.
Hier kann man wieder sagen, dass es sich beim Genitiv um eine Zugehörigkeit handelt. Da der Vater hierbei etwas tut, kannst du das noch präzisieren: ein Genitivus subiectivus (des Subjekts). Theoretisch ginge hier auch: Die Liebe zum Vater gefällt dem Jungen. (Genitivus obiectivus.) Um das sicher zu entscheiden, musst du genau auf den Sinn achten und die Sätze davor und danach lesen.

d. domum currit. 
Beim Akkusativ denkt man fast immer zuerst an das Objekt, wen oder was? Passt das auch hier? ⇒ Er läuft das Haus.
Häuser kann man leider nicht (be)laufen, höchstens kaufen ...
Welche Funktion passt besser? Der Akkusativ der Richtung: „Wohin?“ Zum Haus, ist sinnvoller als der Akkusativ der Ausdehnung: „Wie lang(e)?“ So lang wie das Haus (dauert / lang ist). Mit dem Akkusativ der Richtung übersetzt du: Er läuft zum Haus. Oder: Er läuft nach Hause.

e. tres annos rex erat.
Drei Jahre: Kannst du danach mit „Wohin?“, „Wen oder was?“ oder „Wie lang(e)?" fragen? Wenn du auf den Sinn achtest, wird auch hier die Funktion des Akkusativs klar: Es handelt sich natürlich um die zeitliche Ausdehnung. „Wie lange war er König?“ ⇒ Er war drei Jahre lang König.

Lösung

  1. villa amici pulchra est. ⇒ Das Landhaus des Freundes ist schön. ⇒ Zugehörigkeit/Genitivus possessivus (des Besitzes)
  2. spes pacis placet. ⇒ Die Hoffnung auf Frieden gefällt. ⇒ Genitivus obiectivus (des Objekts)
  3. amor patris puero placet. ⇒ Die Liebe des Vaters gefällt dem Jungen. ⇒ Zugehörigkeit/Genitivus subiectivus (des Subjekts)
  4. domum currit. ⇒ Er läuft zum Haus. Oder: Er läuft nach Hause.  Akkusativ der Richtung, „Wohin?“
  5. tres annos rex erat. ⇒ Er war drei Jahre lang König. ⇒ Akkusativ der zeitlichen Ausdehnung
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