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Lexikon Latein

Alliteration

Über das Wort „Alliteration“

Genus, Betonung:  die Alliteration
Plural:  die Alliterationen
Abkürzung:  —
Herkunft:  von neulat. alliterātiō, wörtlich ungefähr: „Buchstabenangleichung“ (gegen die lat. Wortbildungsregeln verstoßendes Kunstwort aus dem 15. Jahrhundert; aus ad zu... hin, bei, + littera Buchstabe in der falschen mittelalterlichen Schreibweise litera mit einfachem t; Wortbildung wohl unter Einfluss von iterātiō Wiederholung und assimilātiō Ähnlichmachung, Angleichung).
Beachte:
• Zur Schreibweise:  Obwohl das Wort von littera abgeleitet ist, ist im Deutschen, Englischen und Französischen die Schreibweise mit einfachem t als verbindlich anerkannt. Das Italienische hingegen gebraucht die korrekte Schreibweise „allitterazione“ mit doppeltem t.
• Zur Bedeutung:  Obwohl littera „Buchstabe“ bedeutet, hat das Stilmittel „Alliteration“ nichts mit Buchstaben, sondern nur mit Lauten zu tun. Die antiken und mittelalterlichen Grammatiker machten meist keinen klaren Unterschied zwischen dem „Buchstaben“ und dem durch ihn dargestellten „Laut“.

 

Definition

Die „Alliteration“ ist ein Stilmittel. Eine „Alliteration“ liegt vor, wenn der Textautor eine Klangwirkung dadurch erreichen will, dass zwei oder mehr nahe beieinanderstehende Textwörter mit dem gleichen Laut beginnen.

Beachte:

• Keine Alliteration liegt vor, wenn Textwörter nur zufällig mit dem gleichen Laut beginnen. Eine Alliteration soll die Gefühlswirkung oder die Einprägsamkeit des Textinhalts steigern. Daher kann ein gleicher Wortanlaut nur dort auf Absicht des Autors beruhen, wo eine solche Steigerung sinnvoll ist. Außerdem gilt: Je mehr beieinanderstehende Wörter den gleichen Anlaut haben, desto wahrscheinlicher handelt es sich um eine Alliteration. Gute Autoren vermeiden eine Häufung gleicher Anlaute an Stellen, wo sie keine Alliteration beabsichtigen.

• „Alliteration“ und „Stabreim“ sind nicht dasselbe, auch wenn der Duden und zahlreiche andere Wörterbücher irrtümlich beides gleichsetzen. Der Stabreim unterscheidet er sich in Folgendem von der Alliteration:
(1)  Alliteration ist ein Gleichklang von Wortanlauten. Stabreim ist ein Gleichklang von Anlauten betonter Silben, gleichgültig, ob diese am Wortanfang, im Wortinnern oder am Wortende stehen.
(2)  Eine Alliteration kann mit Konsonanten oder mit Vokalen gebildet werden, ein Stabreim nur mit Konsonanten. Dabei ist zu beachten, dass im Deutschen (wie auch in den anderen germanischen Sprachen) sämtliche Wörter mit einem Konsonanten anlauten. Alle Wörter, die mit einem Vokalbuchstaben beginnen, haben nämlich in der Aussprache vor dem Vokal einen Kehlkopfverschlusslaut (= glottaler Plosiv, englisch: „glottal stop“), in der Lautschrift ähnlich einem Fragezeichen ohne Punkt: [Ɂ]. Dieser wird im Altgermanischen oft als Stabreimkonsonant verwendet. Im Lateinischen, Griechischen und den heutigen romanischen Sprachen gibt es diesen Laut nicht.
(3)  Während die Alliteration vom Autor an einzelnen Textstellen zur Steigerung des Ausdrucks benutzt wird, war der Stabreim ursprünglich das strukturierende Mittel sämtlicher Verszeilen eines Gedichts, konnte also nicht gezielt als Stilmittel eingesetzt werden. Auch war er fest mit einem bestimmten Versmaß, dem altgermanischen Stabreimvers, verbunden und daher in Prosatexten nicht möglich. Auch der uns gewohnte Zeilenendreim ist ja kein Stilmittel, denn er kommt fast nur in Gedichten und dort meist in jeder oder jeder zweiten Zeile vor. — Wenn nur dieses dritte Kriterium nicht erfüllt ist, kann man von „freiem Stabreim“ sprechen. Dieser ist ein noch heute verwendetes Stilmittel und kommt auch in Prosa vor, vor allem in formelhaften Wendungen und Sprüchen wie z.B.: „Das Schiff ging mit Mann und Maus unter“ oder „Sie waren Feuer und Flamme für diese Idee“, „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt“.

 

Beispiele

(1)  Alliteration

÷ Dīvitiārum et fōrmae glōria flūxa atque fragilis est.
   Der Ruhm des Reichtums und der Schönheit ist flüchtig und zerbrechlich.
   (Sallust: Dē coniūrātiōne Catilīnae 1;
   Alliteration zur Steigerung der Einprägsamkeit in einem Sprichwort)

÷ Portae patent: proficīscere!
   Die Tore stehen offen: Mach dich auf!
   (Cicero: In Catilīnam 1:5(10); Alliteration zur emotionalen Steigerung)

÷ Neu patriae validās in vīscera vertite vīrīs!  (Hexameter)
   Wendet doch Waffengewalt nicht wider das Herz eurer Heimat!
   (Vergil: Aeneis 6:833; Übersetzung: Wolfgang Töpler;
   Alliteration zur Steigerung der dramatischen Wirkung von Versen)

÷ Vix haec ēdiderat, c(um) effūsīs imbribus ātra
   tempestās sine mōre furit, tonitrūque tremēscunt
   ardua terrār(um) et campī; ruit aethere tōtō
   turbidus imber aquā, dēnsīsque nigerrimus austrīs. 
(Hexameter)
   Kaum sprach er’s aus, als plötzlich sich Wolken gewaltig entladen,
   hemmungslos wütet ein höllisch Gewitter, vom Donner erbeben
   Berge und Fluren auf Erden; aus sämtlichen Schleusen des Himmels
   stürzt der tosende Schwall, nachtschwarz von der Dichte der Schwaden
.
   (Vergil: Aeneis 5:693ff; Übersetzung: Wolfgang Töpler;
   Alliteration zur Steigerung der dramatischen Wirkung von Versen)

(2)  Stabreim

÷ So inprínnant die pérga, | póum ni kisténtit       (Stabreim mit drei p)
   (Ɂ)énich in (Ɂ)érdu, | (Ɂ)áha artrúknent,               (Stabreim mit drei Ɂ)
   muór varswílhit sih, | swílizot lougiu der hímil.  (Stabreim mit zwei sw)
   So entbrennen die Berge, | Baum nicht (geständet =) standhält
   (einig =) ein Ɂeinziger auf ɁErden, | ɁAchen (= Flüsse) vertrocknen,
   das Moor verschluckt (= engl. swallow) sich selbst, | es schwelt in Lohe der Himmel.
   (bairisches Althochdeutsch,
   „Muspilli“ (Gedicht über Tod und Weltuntergang, um 800 n.Chr.) 51ff)

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