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Lexikon Geschichte

Preußen

Preußen, Königreich und größtes Land im Deutschen Reich, hervorgegangen aus dem Herzogtum Preußen, das 1618 an die brandenburgische Linie der Hohenzollern gelangte und Ostpreußen umfasste. Ostpreußen gehörte zu dieser Zeit noch nicht zum Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation wie das Kurfürstentum Brandenburg der Hohenzollern (Mark Brandenburg). Wichtige Ereignisse kennzeichnen den Aufstieg Preußens zur Großmacht im 18. Jahrhundert, dem Zeitalter des Absolutismus und der Aufklärung.

Vom Herzogtum zum Königtum

Nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges 1648 entließ Kurfürst Friedrich Wilhelm (*1620, †1688, Kurfürst von Brandenburg seit 1640), der auch als der Große Kurfürst bezeichnet wurde, seine Truppen nicht, sondern unterhielt ein stehendes Heer. Mit dem Edikt von Potsdam 1685 holte er rund 20.000 hugenottische Glaubensflüchtlinge aus Frankreich nach Brandenburg. 1698 wurde im preußischen Heer der Gleichschritt eingeführt. Die Armee wurde dadurch schlagkräftiger, denn wenn eine Reihe Soldaten gleichzeitig feuerte, konnte die nächste bereits feuern, während die erste noch nachlud. 
1701 krönte sich Kurfürst Friedrich III. in Königsberg als Friedrich I. (*1657, †1713, als Friedrich III. Kurfürst von Brandenburg seit 1688) zum „König in Preußen“. Die Zeit des preußischen Königtums begann. Allerdings führten der höfische Prunk sowie die Förderung von Kunst und Wissenschaft Preußen an den Rand des Staatsbankrotts.

„Soldatenkönig“ und „Alter Fritz“

Sparsamkeit und (soldatische) Pflichterfüllung kennzeichneten die Regentschaft von Friedrich Wilhelm I. (*1688, †1740, preußischer König seit 1713), der auch als Soldatenkönig bezeichnet wurde. Friedrich Wilhelm legte die Grundlagen für den preußischen Militär- und Verwaltungsstaat mit einer Verdoppelung der Größe des stehenden Heeres und dem Aufbau einer vom Beamtentum getragenen öffentlichen Verwaltung. 1716 wurden Kadettenanstalten errichtet, in denen junge Adlige zu Offizieren ausgebildet wurden. Nach ihrer Einführung 1717 gelang die Durchsetzung der allgemeinen Schulpflicht nur teilweise. 
1732 wanderten rund 15.000 Protestanten aus Salzburg nach Preußen ein, von 1740 bis 1786 etwa 300.000 katholische Siedler, vor allem aus Süddeutschland. Das Königreich umfasste neben den Herzogtümern Preußen und Mark Brandenburg vor allem noch die Neumark und Hinterpommern.
Friedrich II., der Große, seit dem sich die Herrscher „König von Preußen“ nannten, dehnte als Feldherr einer schlagkräftigen Armee, das Herrschaftsgebiet erheblich aus. Im ersten Schlesischen Krieg (1740 bis 1742) fiel Friedrich II. in Schlesien ein, das zu Österreich gehörte, und konnte es im Berliner Frieden behaupten. 1756 fiel Friedrich II. in Sachsen ein und begann damit den Siebenjährigen Krieg. (1756 bis 1763). In diesem Krieg kämpften Großbritannien und Preußen auf der einen Seite, Frankreich, Russland, das Deutsche Reich und Österreich auf der anderen Seite. Die Auseinandersetzung zwischen den verfeindeten Mächten Frankreich und Großbritannien setzte sich bis Nordamerika fort. Im Frieden von Hubertusburg zwischen Preußen und Österreich errang Friedrich endgültig Schlesien. 
Preußen wurde zur europäischen Großmacht und begründete den preußisch-österreichischen Dualismus. Preußens Staatsgebiet vergrößerte sich um zwei Drittel, auch durch die erste von drei polnischen Teilungen: In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts (1772 bis 1795) wurde Polen mehrmals unter den benachbarten Mächten Preußen, Österreich und Russland aufgeteilt, bis es als Staat aufhörte zu existieren. Im Bayerischen Erbfolgekrieg 1778/1779 hinderte Preußen Österreich an der Einverleibung Bayerns.
Im Innern gelang der Wiederaufbau des durch die Kriege verwüsteten Landes, unter anderem mit der Förderung der Landwirtschaft sowie von Handel und Gewerbe im Sinne des Merkantilismus. Als Vertreter eines aufgeklärten Absolutismus verstand sich Friedrich II. als „erster Diener des Staates“.
1742 wurde der Elbe-Havel-Kanal gebaut. 1746 vereinheitlichte die Justizreform das Gerichtswesen, kürzte die Verfahren ab und legte Ausbildungsrichtlinien für Richter fest, die zu besoldeten Staatsbeamten wurden. Von 1747 bis 1753 wurde der Oderbruchs unter Anleitung holländischer Fachleute trockengelegt und durch Ansiedlung von Religionsflüchtlingen kolonisiert. Aufgrund der Hungersnot in den Ostprovinzen ordnete Friedrich II. 1771 den Anbau der Kartoffel an, die aus Amerika stammte.
1763 wurde die Schulpflicht vom 5. bis 13. Lebensjahr, 1788 das Abitur eingeführt. Um 1800 erhielt in Deutschland etwa die Hälfte aller schulpflichtigen Kinder regelmäßigen Unterricht in öffentlichen Schulen. 

Preußen bis zum Wiener Kongress 1815

Unter Friedrich Wilhelm II. (*1744, †1797, preußischer König seit 1786) verständigte sich Preußen mit Österreich und zog 1792 gemeinsam gegen das revolutionäre Frankreich. Preußens Territorium wurde durch die 2. und 3. Polnische Teilung 1793 und 1795 sowie durch den Reichsdeputationshauptschluss 1803 (Vergrößerung des rheinisch-westfälischen Besitzes) vergrößert. Von 1788 bis 1791 wurde das Brandenburger Tors in Berlin errichtet.
Nach der Niederlage in der Schlacht bei Jena und Auerstedt verlor Preußen unter Friedrich Wilhelm III. (*1770, †1840, preußischer König seit 1797) im Frieden von Tilsit etwa die Hälfte seines Territoriums und wurde französisch besetzt. In den Befreiungskriegen gegen Napoleon Bonaparte (1813 bis 1815) beteiligte sich Preußen. Auf dem Wiener Kongress konnte Preußen seine Staatsfläche wieder vergrößern (z.B. Rheinland. Westfalen, Sachsen). Im Inneren gelang mit den Preußischen Reformen der Umbau vom Staat des aufgeklärten Absolutismus zum Verfassungsstaat des 19. Jahrhunderts.

Zwischen Restauration, Revolution und Reichsgründung

Auch in Preußen wurden liberale und nationale Ideen durch die Restauration und die Umsetzung der Karlsbader Beschlüsse zurückgedrängt, eine neue Verfassung blieb ein leeres Versprechen. Mit der Gründung des Deutschen Zollvereins und einer liberalen Wirtschaftspolitik im Zeichen der beginnenden Industrialisierung wurde die deutsche Einheit unter Ausschluss Österreichs und unter Führung Preußens vorbereitet (kleindeutsche Lösung). Wirtschaftliche Not führte allerdings auch zu ersten Aufständen wie dem Weberaufstand.
Unter Friedrich Wilhelm IV. (*1795, †1861, preußischer König seit 1840) verschärfte sich der Gegensatz zum bürgerlichen Liberalismus im Vormärz. In der Deutschen Revolution 1848/49 hatte der König die ihm von der Frankfurter Nationalversammlung angetragene Kaiserkrone abgelehnt. Dies trug mit zum Scheitern der Revolution und der Schaffung eines einheitlichen deutschen Nationalstaats bei.
Otto von Bismarck, seit 1862 Ministerpräsident und Außenminister unter Wilhelm I. (*1797, †1888, preußischer König seit 1861), gelang es, durch Kriege (Deutsch-Dänischer Krieg 1964, Deutscher Krieg 1866), Österreich aus der deutschen Politik auszuschließen. Mit der Gründung des Norddeutschen Bundes 1867 und dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 wurde die deutsche Frage um einen Nationalstaat im Sinne der kleindeutschen Lösung ohne Österreich gelöst.
In der 2. Hälfte des 19.Jahrhunderts erstarkte Preußen durch zunehmende Industrialisierung auch wirtschaftlich zum Gegenspieler Großbritanniens. Mit der Gründung des Deutsche Kaiserreichs und der Ausrufung des preußischen Königs zum deutschen Kaiser ging die preußische Geschichte in die deutsche Geschichte über.
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