Bessere Noten mit Duden Learnattack Jetzt kostenlos testen
 
Drucken

Ausdrucken ist eine Flatrate-Funktion

Jetzt Flatrate buchen
Lexikon Geschichte

Potsdamer Konferenz

Potsdamer Konferenz, Zusammenkunft der Siegermächte des Zweiten Weltkriegs zur Beratung der Nachkriegsordnung nach der bedingungslosen Kapitulation des nationalsozialistischen Deutschen Reichs und dem Ende der NS-Diktatur vom 17.7. bis 2.8.1945 in Potsdam.

Die Teilnehmer

Bereits während des Kriegs auf der Konferenz von Jalta im Februar 1945 hatte die Anti-Hitler-Koalition über die Nachkriegsordnung beraten. Nach der Kapitulation Deutschlands legten die „Großen Drei“ (Großbritannien, die USA und die Sowjetunion) Maßnahmen für das besiegte Deutschland fest.

Für die USA saß der neue US-Präsident Harry S. Truman (*1884, †1972, 33. Präsident der USA von 1945 bis 1953) als Nachfolger des im April verstorbenen Franklin D. Roosevelt (*1882, †1945) am Konferenztisch. Großbritannien war durch Premierminister Winston Churchill (*1874, †1965) vertreten, der allerdings auf dem Höhepunkt der Konferenz eine Wahlniederlage im eigenen Land erlitt und durch den Führer der siegreichen Labour Party Clement Attlee (*1883, †1967) ersetzt wurde. Für die Sowjetunion nahm Josef Stalin teil.

Dem Potsdamer Abkommen der „Großen Drei“ vom 2.8.1945 trat Frankreich am 7.8.1945 unter der provisorischen Regierung von Charles de Gaulle (*1890, †1970) bei, sodass vier Siegermächte oder Besatzungsmächte über das künftige Schicksal Deutschlands bestimmten.

Die Regelungen des Potsdamer Abkommens

Die Großen Drei einigten sich, zu gegebener Zeit eine gesamtdeutsche Zentralverwaltung einzurichten. Im Einzelnen umfasste das Potsdamer Abkommen politische und wirtschaftliche Beschlüsse sowie territoriale Regelungen.

Im Mittelpunkt der politischen Beschlüsse standen gemeinsame Ziele: Demilitarisierung (Entwaffnung), Denazifizierung (Entnazifizierung), Demokratisierung und Dezentralisierung, auch „DeDeDeDe“ oder „4D“ genannt.

Demilitarisierung bzw. Entwaffnung bedeutete umfängliche Abrüstung mit dem Abbau der Wehrmacht und der Rüstungsindustrie. So blieb Deutschland bis 1955 unbewaffnet.

Mit der Denazifizierung bzw. Entnazifizierung sollten Staat, Politik und Gesellschaft vom Gedankengut des Nationalsozialismus befreit werden. Belastete Personen wurden z.B. interniert und es fanden Kriegsverbrecherprozesse wie die Nürnberger Prozesse statt.

Mit der Demokratisierung und Dezentralisierung sollte das nationalsozialistische Herrschaftssystem in eine Demokratie umgewandelt werden. Dabei sollten auch dezentrale politische Strukturen geschaffen und Grundrechte gewährleistet werden. Entnazifizierung und Demokratisierung zielten auch darauf, das politische Leben unter Mitwirkung unbelasteter Persönlichkeiten auf demokratische Grundlage umzugestalten. Zu gegebener Zeit sollte eine gesamtdeutsche Zentralverwaltung eingerichtet werden. Zunächst aber wurde Deutschland vom Rat der Außenminister bzw. dem Alliierten Kontrollrat verwaltet und in vier Besatzungszonen eingeteilt.

Dezentralisierung der Wirtschaft bedeutete auch, die zum Großteil auf Rüstungsproduktion ausgelegte (Beispiel Krupp) und in Großunternehmen zusammengefasste Wirtschaft (Beispiel die in der IG Farben zusammengefasste chemische Industrie) zu entflechten und umzubauen. Die wirtschaftliche Einheit Deutschlands sollte allerdings beibehalten werden. Reparationen bzw. Kriegsentschädigungen bestanden vor allem in der Demontage von Maschinen und Anlagen, besonders in der Sowjetischen Besatzungszone zugunsten der UdSSR. Im Osten wuchs die Wirtschaft  auch deshalb langsamer als im Westen.

Territoriale Beschlüsse betrafen vor allem deutsche Ostgebiete. Die ehemals deutschen Gebiete östlich der Oder-Neiße-Linie wurden unter russische und polnische Verwaltung gestellt. Polen wurden zwangsweise in diese Gebiete „umgesiedelt“. Deutsche aus diesen Ostgebieten und aus Osteuropa (baltische Staaten, Tschechoslowakei) und dem Balkan (Rumänien, Ungarn, Jugoslawien) wurden von dort zwangsweise in das verbleibende Deutschland „umgesiedelt“. Diese „Umsiedlungen“ verliefen nicht „in ordnungsgemäßer und humaner Weise“ wie ursprünglich geplant. Flucht und Vertreibung betrafen zusammen mit den seit 1944 vor der Roten Armee geflohenen Menschen über 12 Millionen Deutsche, etwa 2 Millionen verloren ihr Leben. Flüchtlinge und Vertriebene mussten in das verbleibende Deutschland mit seinen Besatzungszonen integriert werden.

Bedeutung

Das Potsdamer Abkommen schuf schnell Fakten und bestätigte die Verantwortung der Siegermächte in der Anti-Hitler-Koalition für Deutschland über das Kriegsende hinaus. Allerdings war es kein völkerrechtlicher Friedensvertrag.

Die Aufrechterhaltung der wirtschaftlichen und politischen Einheit Deutschlands scheiterte am heraufziehenden Kalten Krieg und dem beginnenden Ost-West-Konflikt zwischen der Sowjetunion und den drei Westmächten. Mit der Gründung zweier deutscher Staaten 1949 wurde die langjährige Teilung Deutschlands besiegelt.
Themengebiet-Titel: 
Einordnung in das Themengebiet

Weitere Geschichtsthemen findest du hier

Wähle deine Klassenstufe

Weiterführende Lexikonartikel