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Lexikon Geschichte

Deutsches Kaiserreich

Deutsches Kaiserreich, deutscher Staat, der 1871 aus 22 Fürstentümern und drei freien Reichsstädten gegründet wurde und bis zum Ende des Ersten Weltkriegs bestand. Nach der Auflösung des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation durch Napoleon 1806 existierte nun wieder ein einheitliches Deutsches Reich, das sich bald zu einer der größten Industriestaaten der Welt entwickelte.

Die Reichsgründung

Die Gründung des Deutschen Reichs war das Werk des preußischen Ministerpräsidenten Otto Fürst von Bismarck. Ziel der Politik Bismarcks war es, Preußens Führungsposition auszubauen. Wichtige Etappen auf dem Weg zu Preußens Vormachtstellung waren eine geschickte Bündnispolitik (Bündnissystem) und die Reichseinigungskriege: der Deutsch-Dänische Krieg (1864) und der Deutsche Krieg zwischen Preußen und Österreich (1866) sowie der Deutsch-Französischen Krieg gegen Frankreich 1870/71.

Bereits damit erreichte Bismarck, das Gebiet Preußens zu vergrößern und Preußens Führungsposition unter den deutschen Staaten im Norddeutschen Bund – er löste den Deutschen Bund ab – auszubauen. Gleichzeitig wurde Österreich aus Deutschland herausgedrängt und die kleindeutsche Lösung auf dem Weg zum deutschen Nationalstaat realisiert.

Im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 gelang es Bismarck, die deutschen Staaten unter Führung Preußens zu einigen und zum Sieg zu führen. Während des Kriegs kämpften die süddeutschen Staaten an der Seite Preußens. Damit war die Grundlage für die folgende Reichsgründung geschaffen.

Noch vor dem Ende des Kriegs wurde am 18.1.1871 im Spiegelsaal von Versailles die Reichsgründung verkündet und der preußische König Wilhelm I. (*1797, †1888) zum deutschen Kaiser ausgerufen. Das Territorium des neuen Staates entsprach etwa der kleindeutschen Lösung: Deutschland unter Führung Preußens ohne Österreich. Frankreich musste Elsass-Lothringen abtreten und Kriegsentschädigung zahlen. Daraus entstand die Erbfeindschaft, eine schwere Belastung des deutsch-französischen Verhältnisses.

Die Reichsverfassung

Das Kaiserreich war eine konstitutionelle Monarchie, in der der Kaiser an die Verfassung gebunden war. Das Deutsche Reich wurde von Preußen geführt; damit war der König von Preußen gleichzeitig deutscher Kaiser.

Monarchische Elemente der Reichsverfassung waren: Der Kaiser ernennt und entlässt den Reichskanzler, kann den Reichstag einberufen und auflösen, besitzt den Oberbefehl über das Militär. Es gelten allerdings keine Grundrechte. Die demokratischen Elemente waren: Das Volk wählt nach allgemeinem und gleichem Wahlrecht das Parlament, den Reichstag, und nimmt dadurch auf die Gesetzgebung, Steuern und Haushalt Einfluss. Allerdings war der Reichskanzler nur dem Kaiser, nicht aber dem Parlament gegenüber verantwortlich.

Die Ära Bismarcks von 1871 bis 1890

Als Reichskanzler prägte Bismarck von 1871 bis 1890 ganz wesentlich die Innen- und Außenpolitik. Er versuchte im Kulturkampf von 1871 bis 1878 den Einfluss der katholischen Kirche auf staatliche Angelegenheiten zu unterbinden. Bismarck ging außerdem mit den Sozialistengesetzen entschieden gegen die Arbeiterbewegung vor. Gleichzeitig versuchte er durch seine Sozialgesetzgebung mit der Schaffung der Sozialversicherungen die Lebensbedingungen der Arbeiterschaft zu verbessern.

Außenpolitisch schuf Bismarck mitten in Europa einen wirtschaftlich und militärisch starken Nationalstaat, den die europäischen Nachbarn, insbesondere Frankreich, fürchteten. Ziele waren die Vermeidung eines Zweifrontenkriegs für Deutschland (gegen Russland und Frankreich), die Isolation Frankreichs („Erbfeindschaft“ nach dem Krieg von 1870/71) und die Herstellung eines Bündnissystems, so dass kein Land ein anderes angreifen konnte, ohne Gefahr zu laufen, selbst von mächtigen Gegnern angegriffen zu werden.

Nach dem Sieg über Frankreich 1870/71 erklärte Bismarck, Deutschland sei „saturiert“ (lateinisch „gesättigt“, „zufriedengestellt“). Deutschland beabsichtige nicht, sein Territorium zu vergrößern. So gelang es ihm, europäische Bündnisse gegen ein starkes Deutsches Reich zu verhindern und ein Bündnissystem zugunsten des Deutschen Reichs aufzubauen.

Die Ära Kaiser Wilhelms II. von 1890 bis 1918

Nach seinem Regierungsantritt 1888 entließ Wilhelm II. (*1859, †1941, deutscher Kaiser und König von Preußen von 1888 bis 1918) 1890 Reichskanzler Bismarck und forderte für das Deutsche Kaiserreich Weltgeltung. Er verfolgte seinen Neuen Kurs: Deutschland sollte eine koloniale Großmacht wie Großbritannien und Frankreich werden (Weltmachtpolitik).

Seit 1880 hatten die europäischen Staaten in Zeichen von Kolonialismus und Imperialismus weite Teile der Erde unter sich verteilt. Durch die Nichtfortsetzung der Bündnispolitik Bismarcks löste sich das europäische Bündnisgeflecht auf, so dass neue Allianzen ohne Deutschland entstanden. Deutschland verfügte nur noch über die wirtschaftlich und militärisch schwachen Partner Österreich-Ungarn und Italien (Dreibund oder Mittelmächte).

Deutschland bezweckte mit dem Ausbau seiner Flotte (1897: 7 Schlachtschiffe, 1913: 33) die Sicherung der bereits erworbenen Kolonien, den Rang einer Weltmacht, die Gewinnung neuer Kolonien und ein Bündnis mit Großbritannien, das fürchtete, wegen einer starken deutschen Flotte das eigene Weltreich nicht mehr beherrschen zu können. Der Rüstungswettlauf zwischen Deutschland und Großbritannien beschleunigte sich dadurch. Großbritannien näherte sich nicht Deutschland an, sondern verständigte sich mit Frankreich und Russland, mit denen es im Ersten Weltkrieg die Entente bildete. Russland stand Serbien nahe, das im Balkanbund Bulgarien, Griechenland und Montenegro verpflichtet war. Im Kriegsfall lief Deutschland Gefahr, an zwei Fronten kämpfen zu müssen (Zweifrontenkrieg).

Der Kaiser trat zudem bei öffentlichen Anlässen und beim diplomatischen Verkehr aggressiv und mit unbesonnenen Äußerungen auf. Durch diese diplomatische Fahrlässigkeit wuchs im Ausland das Misstrauen. Neue Militärbündnisse ohne Deutschland entstanden. Der Neue Kurs des Kaisers hatte das Deutsche Kaiserreich in die außenpolitische Isolation getrieben und mündete in den Ersten Weltkrieg, der für das Kaiserreich verlorenging und zur Abdankung Kaiser Wilhelm II. am 9.11.1918 führte. Dem Kaiserreich folgte die Weimarer Republik.

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