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Lexikon Deutsch

Zweig, Stefan

Geboren in Wien am 28.11.1881, gestorben in Petrópolis bei Rio de Janeiro (Brasilien) am 23.2.1942:

Der Sohn eines jüdischen Industriellen studierte Philosophie, Germanistik und Romanistik in Berlin und Wien. Zahlreiche Reisen führten ihn durch Europa, nach Indien, Nordafrika, Nord- und Mittelamerika und 1938 nach Russland. Als Kriegsgegner verbrachte er die Jahre1918/19 in Zürich und lebte 1919-34 in Salzburg. Als seine Bücher von den Nationalsozialisten verbrannt wurden, emigrierte Zweig 1934 nach England. 1940 ging er nach Brasilien. Dort nahm er sich 1942 zusammen mit seiner Frau aus Verzweiflung über die Verhältnisse in Europa das Leben.
Zweig verstand sich als Europäer und Pazifist. Seine Werke verbinden hohe moralische und ethische Ansprüche mit dem Bemühen um den Erhalt der alten geistigen Werte. Zweig begann als Lyriker des Wiener Impressionismus und als Übersetzer französischer Lyrik (Charles Baudelaire, Romain Rolland und Émile Verhaeren). Einem großen Publikum wurde er jedoch ab den 1920er-Jahren mit seinen Novellen (z.B. Brennendes Geheimnis, 1911; Verwirrung der Gefühle. Drei Novellen, 1927; Schachnovelle, 1941) und seinem Roman Ungeduld des Herzens (1938) bekannt. In ihnen stellte er charakteristische Seelenzustände des modernen Menschen exemplarisch dar und hellte mithilfe einer an Sigmund Freud geschulten Psychologie Hintergründe unter der Oberfläche des bürgerlichen Daseins auf.

Psychologie des modernen Menschen

In der Erzähltradition der Wiener Moderne griff Zweig die Form der Bekenntnis- und Rahmennovellen Theodor Storms auf. Er setzte die Erkenntnisse Sigmund Freuds literarisch um und ersetzte die seit Goethe als gattungstypisch angesehene unerhörte Begebenheit durch ein unerhörtes psychologisches Phänomen. Dieses Phänomen bedroht für einen Augenblick die heile bürgerliche Welt, sodass der Einzelne entweder daran zerbricht oder sich neu findet, wie z.B. in der Novelle Angst (1920).

Bedeutende Persönlichkeiten und Ereignisse der europäischen Geschichte

In den zuerst fünf (später auf zwölf erweiterten) Essays Sternstunden der Menschheit (1927) schildert Zweig entscheidende Momente der Menschheitsgeschichte, u.a. das erste Telefongespräch über den Atlantik, die Entdeckung des Pazifischen Ozeans und die Entstehung der Marseillaise. Seine romanhaften Biografien (u.a. Joesph Fouché, 1929; Triumph und Tragik des Erasmus von Rotterdam, 1935) sind immer auch eine Kommentierung der eigenen politischen Gegenwart. In seiner Autobiografie Die Welt von gestern (1942) zeichnet Zweig das Selbstbildnis eines humanistisch engagierten Künstlers, der durch den Niedergang der europäischen Kultur und ihrer Wertvorstellungen seiner Identität beraubt wird.

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