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Lexikon Deutsch

Romantik (um 1795-1830)

Einführung

Die Romantik als Epoche ist gekennzeichnet durch ihre relativ lange Dauer, ihre Vielfalt und ihre Widersprüchlichkeit. Man unterscheidet:

  • die Frühromantik (1795-1805), im Zeichen der Französischen Revolution
  • die Hochromantik (1806-1815), im Zeichen der Befreiungskriege
  • die Spätromantik (1815-1830 ), im Zeichen der Restauration

Geistesgeschichtlich stellt die Epoche die letzte Stufe des Idealismus dar. Die romantische Poetologie lehnte das im 19. Jh. noch weithin bestimmende Prinzip der Naturnachahmung in der Kunst ab. Typisch für diese Zeit war, dass sich Dichter zu Freundeskreisen zusammenschlossen. Zum ersten Mal spielten Frauen eine wichtige Rolle: Bettina Brentano, Caroline Schlegel, Karoline von Günderode.

Kennzeichen der Epoche

  • Die Epoche der Romantik verläuft zeitweise parallel zur Epoche der Weimarer Klassik. Im Gegensatz zu dieser war die Romantik jedoch eine europäische Bewegung. Es gab ein lebhaftes Interesse an Dichtungen anderer Sprachen, sodass zahlreiche Übersetzungen entstanden. Die Romantik knüpfte an Gedanken des Sturm und Drang an, z. B. in der Hochschätzung der Gefühle und in der Wertschätzung der Volkspoesie, mit der Klassik verband sie die hohe Einschätzung der Kunst.
  • Bestimmende weltanschauliche und ästhetische Prinzipien waren Subjektivität und Universalität. So vertraten die Romantiker die absolute künstlerische Autonomie: Das künstlerische Genie erfasste poetisierend alle Lebensbereiche (vgl. unten). Der Dichter war keinerlei Reglementierung unterworfen und verlangte nach unbeschränkter dichterischer Freiheit; alle bislang gültigen Grenzen der Realitätserfahrung wurden negiert. Die romantischen Dichter setzten sich vom Formideal der Klassik ab; der Literaturbegriff wurde ausgeweitet auf die Volkspoesie (Volkslieder, Märchen, Sagen). Besonders im Märchen sahen die Romantiker Ursprung und Wesen der Poesie: „Es gibt keinen wahren Realismus als den der Poesie.“ (Friedrich Schlegel)
  • Motive der Romantik waren vor allem: Sehnsucht, Wandern, Suche nach dem Unbekannten, Natur, Leiden an der Entfremdung von der Natur, Sehnsucht nach der verlorenen Einheit, Liebe, Vergangenheitsbezug, insbesondere der Bezug auf das Mittelalter. Auch das Unheimliche und die innere Natur des Menschen (Triebe, Unbewusstes) wurden einbezogen. Überspitzte Gefühle und Nachtseiten der menschlichen Seele wie Dämonie, Wahnsinn und Schwärmerei stehen nicht selten im Mittelpunkt der Dichtung.
  • Weit mehr als in der Weimarer Klassik fand die Romantik ihren Ausdruck in den verschiedenen Künsten: Dichtung, Malerei (z. B. C. D. Friedrich), Musik (z. B. F. Schubert, R. Schumann, C. M. von Weber) und Wissenschaften. Schlegel sprach von progressiver Universalpoesie. Die Kunst sollte in das Leben eindringen und die Gesellschaft poetisieren, sie sollte alle Lebensbereiche durchdringen. In einem Gesamtkunstwerk sollten die Gattungen der Literatur zusammengeführt, Volkspoesie und Kunstpoesie verbunden werden. Die romantische Poesie wurde als progressiv verstanden, indem sie sich immer weiterentwickelte und nicht zu einem Ende gebracht werden konnte. Entsprechend blieben auch viele Prosa-Dichtungen Fragment.

Das Gedicht von Novalis Wenn nicht mehr Zahlen und Figuren ist ein programmatischer Text der Romantik: Rationales Denken und naturwissenschaftliche Versuche können den Weltzusammenhang nicht erklären, dagegen führen Märchen und Poesie zu ewigen Wahrheiten. Der Künstler ist der Mittler wahrer Erkenntnis.

ZITAT

Wenn nicht mehr Zahlen und Figuren
Sind Schlüssel aller Kreaturen, […]
Und man in Märchen und Gedichten
Erkennt die ew’gen Weltgeschichten,
Dann fliegt vor Einem geheimen Wort
Das ganze verkehrte Wesen fort.
(Aus: Novalis, d. i. Friedrich von Hardenberg, Wenn nicht mehr Zahlen und Figuren; 1802)

Bevorzugte Textarten

Märchen

Die Hochschätzung des Märchens wurde im Sturm und Drang vorbereitet. Die Märchensammlungen der Brüder Grimm und von Bechstein sowie die Märchendichtungen (Kunstmärchen) der Romantiker trafen auf großes Interesse.

Roman, Erzählung, Novelle

Im Sinne der progressiven Universalpoesie Schlegels waren in den Prosagattungen verschiedene Formen der Poesie vermischt; so galt Lyrik weniger als autonome Gattung, sondern vielmehr als Bestandteil des Romans. Typisch war auch die Austauschbarkeit und Verknüpfung der einzelnen Künste (Poesie, Malerei, Musik). Im Sinne des Programms der Universalpoesie wurde die übliche Form des Romans immer wieder durch Lieder, Gedichte und Märchen aufgebrochen und verändert. In den Romanen und Erzählungen wurde viel gesungen und musiziert. Typisch romantische Motive waren Reisen, Vergänglichkeit, Einsamkeit und Schwermut.

Auswahl wichtiger Autoren und Werke

Novalis (Friedrich von Hardenberg) (1772-1801): Heinrich von Ofterdingen

Ludwig Tieck (1773-1853): Der blonde Eckbert; Des Lebens Überfluss

E. T. A. Hoffmann (1776-1822): Die Elixiere des Teufels; Der Sandmann; Kater Murr

Clemens Brentano (1778-1842) und Achim von Arnim (1781-1831): Des Knaben Wunderhorn

Karoline von Günderode (1780-1806): Gedichte und Phantasien

Joseph von Eichendorff (1788-1857): Aus dem Leben eines Taugenichts; Gedichte

Heinrich Heine (1797-1856): Buch der Lieder

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