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Textinterpretation, Romanauszug: T. Fontane: „Irrungen, Wirrungen“


Lösung

a)

Der Roman „Irrungen, Wirrungen“, aus dem der zu interpretierende Auszug stammt, ist ein Werk von Theodor Fontane, das 1887 bis 1888, d. h. in der Epoche des Realismus veröffentlich worden ist. Im Roman wird die Liebe zwischen zwei Personen, die unterschiedlichen Ständen angehören, thematisiert. Sie kann nicht in der Öffentlichkeit ausgelebt werden und muss sich daher auf den Garten der Familie Dörr beschränken, in dem während eines Abendspaziergangs ein Gespräch über die Zukunft der Liebe stattfindet.

Im Folgenden soll ein Auszug aus dem fünften Kapitel interpretiert werden und schließlich geprüft werden, ob Schillers bürgerliches Trauerspiel „Kabale und Liebe“ Modellcharakter für den vorliegenden Textausschnitt hat.

Der Romanausschnitt beschreibt einen Abendspaziergang, den Lene und Botho gemeinsam im Garten der Familie Dörr machen. Während des Spaziergangs findet ein Gespräch statt, in dem Botho zunächst von seiner Kindheit und der Strenge seiner Mutter berichtet. Anschließend lässt Botho Lene über das Aussehen und den Charakter der Mutter spekulieren, wobei sie die Charakterzüge genau erkennt. Den Höhepunkt des Gesprächs bilden Lenes Ausführungen zu Bothos Schwäche, der Bestimmung durch seine Mutter und der unmöglichen Liebe. Dieser Wendepunkt wird unterstrichen durch die Darstellung des Feuerwerks, das vom Garten der Familie Dörr aus gesehen werden kann. Im Fortgang des Gesprächs äußert Lene nur noch Wunschvorstellungen und der Ausschnitt endet damit, dass das Schlussstück im Zoologischen Garten gespielt wird.

Bei der Analyse des Stils des Romanauszugs fallen einige Besonderheiten auf. Im Zentrum des Ausschnitts steht der Dialog zwischen Lene und Botho, bei dem sich meist Frage- und Aussagesätze abwechseln und hin und wieder umgangssprachliche Wendungen wie „Glaub’s“ (Z. 17) angeführt. Sowohl die Erzählerrede, um die Umgebung zu beschreiben, als auch die Antworten im Gespräch werden vorwiegend in hypotaktischem Satzbau dargestellt, um Details anzuhäufen und einen beschreibenden Charakter zu erwecken. Eine Besonderheit dieses Auszuges sind die Auslassungszeichen „...“, die an mehreren Stellen im Text zum Einsatz kommen. Hier zielt der Autor darauf ab, dem Leser Raum zum Nachdenken zu lassen und diesen mit eigenen Ideen zu füllen. Auffällig ist außerdem, dass sich die Redeanteile im Verlauf des Ausschnitts deutlich verändern, d. h., zu Beginn leitet Botho das Gespräch, während zum Schluss Lene das Gespräch dominiert. An der Ausdrucksweise der Protagonisten kann man ablesen, dass sie der mittleren bzw. oberen Bildungs- und sozialen Schicht angehören, was auch aus dem Vorspann zum Auszug deutlich wird. Weiterhin kann man aus dem Gespräch deutliche Rückschlüsse auf ihre psychische Verfassung ziehen, denn wenn es um die Liebe und die Beziehung der beiden geht, ist Lene realistisch und erkennt die Grenzen, während Botho sich diesbezüglich immer weiter zurückzieht und nur noch in kurzen, parataktischen Sätzen antwortet, was vermutlich an seiner fehlenden Reife liegt. Auch im Hinblick auf die Verwendung besonderer Stilfiguren ist dieser Text sehr aussagekräftig. Augenscheinlich ist die Verwendung rhetorischer Fragen, die immer wieder zum Einsatz kommen und auf die keine Antwort erwartet wird. Mit „Hab’ ich Recht?“ (Z. 26 f.) beispielsweise will Botho Lene beeinflussen und vorwegnehmen, dass er mit seinen Ausführungen recht hat. Um Bothos Bestimmung durch andere auszudrücken (vgl. Z. 56 f.), setzt Fontane gezielt den Parallelismus ein, um damit noch eindringlicher zu wirken. Neben der Satzfigur des Parallelismus kommen auch Ellipsen vor, die dazu dienen, sich auf das Wesentliche zu beschränken und den Leser zum Nachdenken anzuregen. Die elliptische Auslassung des Subjekts kann durch den Leser jedoch leicht erschlossen werden, da sich die Aussagen meist auf den vorangegangenen Teil des Dialogs beziehen (vgl. Z. 33). Da der Ausschnitt sehr gefühlsbetont ist, kommt auch die Interjektion „Ach“ (Z. 51) zum Einsatz, um die Empfindungen auszudrücken und zu unterstreichen.

Da sich aus dem Stil des Textes erste Merkmale über den Erzähler ableiten lassen, soll im Folgenden genauer auf die Erzählerfigur eingegangen werden.

Auffällig bei der Betrachtung der Erzählformen ist, dass sie sich in Figuren- und Erzählerrede deutlich unterscheiden. Während in der Erzählerrede der Er-Erzähler dominiert, ist es in der Figurenrede der Icherzähler. Die Verwendung unterschiedlicher Erzählformen ist bedingt durch die Darstellung unterschiedlicher Sachverhalte. Durch den Er-Erzähler wird eine sachliche Distanz zum Geschehen aufgebaut, in der lediglich die Umgebung beschrieben wird, in der die Protagonisten agieren, wohingegen der Icherzähler, der sowohl mit Lene als auch Botho identisch ist, als erlebendes Ich auftritt, seine Gefühle während der Zeit im Garten glaubhaft schildert und direkt am Geschehen beteiligt ist. Daraus lässt sich auch der personale Erzähler ableiten, der sich durch zwei eingeschränkte Blickwinkel zum gleichen Thema auszeichnet. Durch die Verwendung zweier verschiedener Erzählformen unterscheidet sich die Darstellungsweise in elementarer Form, d. h., während der Erzählerrede wird die Umgebung objektiv dargestellt, wohingegen in der Figurenrede das subjektive Empfinden im Vordergrund steht. Der Er-Erzähler kommentiert jedoch nur an einigen wenigen Stellen, die sich harmonisch in den Dialog zwischen Lene und Botho einfügen, beispielsweise verweist sie selbst mit „Aber sieh nur.“ (Z. 58) auf das dann beschriebene Feuerwerk. Diese Textstelle ist auch Ausdruck für die insgesamt szenisch sehr ausgestaltete Darbietung der Inhalte und einen auktorialen Erzähler, der alles überblickt.

Die Analyse der Erzählerfigur führt bereits einige Inhalte an, weswegen nun der Schwerpunkt auf die Handlung, den Spannungsaufbau und die Leitmotive gelegt wird.

Auf den ersten Blick wird erkennbar, dass der Romanauszug an sich einer Zweiteilung unterliegt, da zum einen die Beschreibung des Festes im Zoologischen Garten dargeboten wird, zum anderen aber der Dialog zwischen Lene und Botho im Mittelpunkt des Ausschnittes steht. Bei genauerer Betrachtung lassen sich sodann sechs Handlungsschritte abgrenzen. Zu Beginn des Auszuges beschreibt der Er-Erzähler die Nacht und ihre Wirkung auf den Zoologischen Garten, der vom dörrschen Anwesen aus zu sehen ist (vgl. Z. 1–4). Lene genießt den Spaziergang mit Botho und nähert sich ihm an. Ihr fällt seine nachdenkliche Art auf, woraufhin das Gespräch zwischen den Protagonisten mit Bothos Kindheit in Schloss Zehden beginnt. Botho vergleicht den eigenen mit dem dörrschen Garten und stellt fest, dass sie sich sehr ähnlich sind. An dieser Stelle wird bereits deutlich, welchen Einfluss seine Mutter damals auf ihn hatte, da sie ihn „mit rasche[r] Hand“ (Z. 16) bei Fehlern bestrafte (vgl. Z. 5–18). Im weiteren Verlauf rückt die Mutter in den Mittelpunkt der Konversation, da Lene das Aussehen und die Eigenschaften der Kaiserin, Bothos Mutter, erraten soll. Im Hinblick auf ihr Aussehen liegt sie falsch, doch die Eigenschaft schätzt sie richtig ein (vgl. Z. 19–41). Geschickt lenkt Lene die Unterhaltung dann in Richtung ihrer Liebesbeziehung und deren Zukunft. Auch hierbei spielt Bothos Mutter eine große Rolle, da sie ihren Sohn beherrscht und daher die Liebe zwischen Lene und Botho keine Zukunft hat, da die beiden nicht dem gleichen Stand angehören. Botho ist in dieser Beziehung sehr naiv und will der Wahrheit nicht ins Auge blicken (vgl. Z. 42–59). Unterbrochen wird das Gespräch dann durch die Beschreibung des Feuerwerks im Zoologischen Garten, das Lene bereits in Z. 58 ankündigt (vgl. Z. 60–65). Danach schwelgt Lene in Wunschvorstellungen und wirft Botho vor, dass er nur sein adeliges Leben kenne, woraufhin er sie ermahnt, sie das Ganze aber erneut realistisch und wirklichkeitsbezogen abrundet. Mit dem Ende des Gesprächs geht auch das Ende des Festes im Zoologischen Garten einher (vgl. Z. 66–77). Dieser Passage wird eine besondere Bedeutung beigemessen, da das Ende offenbleibt und man nicht erfährt, wie die Beziehung der beiden zukünftig aussieht. Jedoch kann spekuliert werden, dass das musikalische Schlussstück als Anspielung auf ein nahendes Ende der Beziehung zu deuten ist. Zwischen den äußeren Vorgängen und der inneren Entwicklung der Protagonisten während des Gesprächs können Zusammenhänge hergestellt werden. Während Botho zu Beginn des Gesprächs, d. h. während der Kindheitserinnerungen und der Charakterisierung seiner Mutter, die größeren Redeanteile hat, übernimmt gegen Ende, als es um die Beziehung und die gemeinsame Zukunft geht, Lene. Dies zeugt davon, dass Lene die Beziehung, die aufgrund der Standesunterschiede unmöglich ist, realistisch einschätzen kann. Bothos Rückzug ist dagegen ein eindeutiges Zeichen, dass er dies nicht kann, er wirkt noch deutlich unreifer als Lene. Als Leitmotive lassen sich in diesem Romanauszug der Garten der Familie Dörr (privat) und die unmögliche Liebe der beiden Hauptpersonen herausstellen. Der Garten ist das verbindende Glied, da sich die Liebenden in ihm ungestört und fernab der Öffentlichkeit treffen und ihre Liebe leben können. Die Anspielung auf den Zoologischen Garten, der der Öffentlichkeit zugänglich ist und somit von Lene und Botho nicht gemeinsam besucht werden kann, bringt die Standesunterschiede deutlich zum Vorschein.

Während der Analyse der Handlung werden immer wieder Charaktermerkmale der Protagonisten angeführt, die nun genauer herausgearbeitet werden sollen.

Bei der Charakterisierung der Hauptpersonen muss zuerst festgehalten werden, dass Lene Nimptschs Äußeres in diesem Ausschnitt nicht beschrieben wird, weswegen man sich bei ihrer Charakterisierung auf ihre Einstellungen, Verhaltensweise und Charaktereigenschaften beschränken muss. Lene entstammt dem Kleinbürgertum (vgl. Vorspann), wobei sie sich trotzdem von dem adeligen Offizier Botho von Rienäcker angezogen fühlt, da sie sich an seine Brust schmiegt (vgl. Z. 3 f.). Außerdem sucht sie seine Nähe und zeigt ihre Liebe zu ihm. Angst macht ihr jedoch diesbezüglich Bothos Mutter, die Kaiserin (vgl. Z. 21 f.). Von Botho wird sie als „stolz und eigentlich eine kleine Demokratin“ (Z. 24 f.) beschrieben, was zeigt, dass sie für ihr Alter vergleichsweise reif wirkt. Diese Reife wird durch „Eines Tages bist du weggeflogen.“ (Z. 43 f.) unterstützt, da sie hier die Zukunft ihrer Liebe realistisch erklärt.

Botho von Rienäcker wird dagegen direkt durch Lenes Aussage als groß, schlank und mit blauen Augen und blondem Haar charakterisiert (vgl. Z. 28). Er hingegen verschließt die Augen davor, dass die Liebe über die Standesgrenzen hinweg nicht möglich ist, sondern glaubt an die Zukunft der beiden. Diese Naivität und Unbeholfenheit äußert sich sodann in seinen Antworten, die ohne Zusammenhang zum vorher Gesagten erscheinen (vgl. Z. 51). Diese Erkenntnis wird noch dadurch unterstützt, dass er sich durch „[s]eine Mutter, oder das Gerede der Menschen“ (Z. 57) bestimmen lässt und demzufolge keine eigene Persönlichkeit entwickelt. Zu Lenes Bedauern führt die Naivität und die fehlende Selbstständigkeit auch dazu, dass er nur das adelige Leben kennt (vgl. Z. 70 f.).

Dennoch entwickelt sich zwischen den beiden Charakteren eine Liebesbeziehung, die eigentlich, aufgrund der Standeszughörigkeit, nicht legitim ist. In dieser Beziehung sollte Botho theoretisch den dominanteren Teil des Paares ausmachen, da er dem höheren Stand entstammt. Dies gelingt ihm aber nicht, da er noch sehr kindliche Ansichten von einer Beziehung hat, die Lene im Gegenzug sehr realistisch und reifer beurteilt, weswegen sie im Grunde diejenige ist, die die Beziehung dominiert.

Die Dominanz der Redeanteile, wie sie oben beschrieben wurde, deutet darauf hin, dass sich beide Protagonisten einem dynamischen Figurenkonzept zuordnen lassen, da sich ihre Veränderungen themenabhängig im Gespräch deutlich zeigen. Des Weiteren sind beide ein geschlossener Charakter, da ihre Wesenszüge unmittelbar vor dem Hintergrund der Gesprächsthemen zu erklären und dort auch erkennbar sind.

Die Figurencharakteristik bedient sich teilweise der Raumgestaltung, da über sie indirekt eine Person beschrieben werden kann. Demzufolge soll im Folgenden das Raumkonzept genauer betrachtet werden, wobei Räume neben der Charakterisierung auch im Hinblick auf die Symbolfunktion und das Geschehen analysiert werden sollen.

Im Romanauszug liegt der Fokus auf zwei Räumen, wobei der eine den Mittelpunkt darstellt, während der andere nicht direkt betreten wird. Es handelt sich hierbei um den Garten der Familie Dörr, folglich einen privaten Garten, und den Zoologischen Garten, in dem die Öffentlichkeit Zutritt hat. Im Privatgarten ist es den Liebenden möglich, gemeinsam Zeit zu verbringen und ihre Liebe auszuleben, da sie sich dort unbeobachtet von der Öffentlichkeit treffen können. Botho erinnert sich beim Spaziergang an den Garten in Schloss Zehden, seinem Zuhause, der dem dörrschen Garten sehr ähnelt, in dem ihre Liebe jedoch aufgrund der Standeszugehörigkeit nie ausgelebt werden könnte. Der Zoologische Garten als zweiter wichtiger Raum im Textausschnitt grenzt direkt an den Garten der Familie. Dieser Garten ist für die beiden unerreichbar, da ihre Liebe durch die Standeszugehörigkeit nicht erwünscht ist. Im Bereich der Symbolik übernimmt der Zoologische Garten eine ganz besondere Funktion, da er Lenes innere Zerrissenheit zeigt, wenn sie mitten im Gespräch auf das Feuerwerk des Festes verweist.

Neben dem Raumkonzept spielt auch die Zeit in diesem Ausschnitt eine wichtige Rolle, denn zu der damaligen Zeit war es wichtig, einen Partner von gleichem Stand auszuwählen. Sollte man sich über die Standesgrenzen hinweg verlieben, so war das von der Gesellschaft nicht geduldet und führte meist zu Konflikten. Im Leben der Protagonisten ist die Liebe zentral, da sie im jungen Erwachsenenalter auf der Suche nach dem richtigen Partner sind. Die Darstellung des Spaziergangs am Abend unterstützt die Tatsache, dass Liebe über die Standesgrenzen hinweg nicht gezeigt werden darf. In der Dunkelheit wird das junge Paar nicht bemerkt, kann sich frei bewegen und seine Liebe ausleben.

Der Auszug aus Theodor Fontanes „Irrungen, Wirrungen“ zeigt die Liebe zweier Menschen, die unterschiedlichen Ständen angehören und die daher in der Gesellschaft nicht legitim ist. Im Gespräch der beiden Protagonisten zeigt sich, dass Lene als typische Vertreterin der Realität gesehen werden kann, denn sie gibt der Liebe zukünftig keine Chance, während Botho zu naiv ist, um das zu verstehen. Zum Ende hin deutet sich die Zukunft der beiden schon an, denn im Zoologischen Garten wird das Schlussstück gespielt (vgl. Z. 76 f.).

b)

Schließlich soll überprüft werden, ob Friedrich Schillers bürgerliches Trauerspiel „Kabale und Liebe“ Modellcharakter für Fontanes Roman hat.

Insgesamt muss festgehalten werden, dass „Kabale und Liebe“ zum einen Modellcharakter für „Irrungen, Wirrungen“ hat, die beiden Werke sich aber zum anderen deutlich unterscheiden.

Da die beiden Werke zu unterschiedlichen Zeiten und in unterschiedlichen Epochen veröffentlicht wurden, kann man nicht behaupten, dass „Kabale und Liebe“ Modellcharakter für „Irrungen, Wirrungen“ hat. Im Sturm und Drang, der Epoche, in der „Kabale und Liebe“ erschien, hegten die Personen einen starken Freiheitsdrang, während es den Autoren des Realismus („Irrungen, Wirrungen“) vermehrt auf die Kritik an der Gesellschaft ankam.

Dem gegenüber stehen aber die deutlichen Ähnlichkeiten beider Werke. Als Erstes fällt auf, dass es thematisch um die Liebe zwischen zwei Personen geht, die unterschiedlichen Ständen, nämlich dem Adel (Botho von Rienäcker in „Irrungen, Wirrungen“ und Ferdinand von Walter in „Kabale und Liebe“) und dem Bürgertum (Lene Nimptsch in „Irrungen, Wirrungen“ und Luise Miller in „Kabale und Liebe“) angehören und diese Liebe daher von der Gesellschaft nicht geduldet wird. Außerdem muss angemerkt werden, dass von den Eltern der adeligen Hauptpersonen jeweils andere Partner für die Ehe vorgesehen sind, nämlich jemand von gleichem Stand; in „Kabale und Liebe“ soll es für Ferdinand Lady Milford sein, während man in „Irrungen, Wirrungen“ nichts über diese Bestimmung erfährt, nur dass sich die Mutter eine „sehr reiche Partie[]“ (Z. 39) für ihren Sohn wünscht. In beiden Werken haben die weiblichen Hauptpersonen den Blick für die Realität und die nicht mögliche Zukunft der Liebe, während die Männer, Botho und Ferdinand, sich schwärmerisch und träumerisch der Liebe hingeben und den Standesgrenzen keinen Einfluss beimessen. Der Romanausschnitt weist in Form von „Ach, das arme bischen Leben.“ (Z. 71 f.) auch einen intertextuellen Bezug zu „Kabale und Liebe“ auf und dient damit der Verallgemeinerung und der Allgemeingültigkeit.

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass „Kabale und Liebe“ Modellcharakter für „Irrungen, Wirrungen“ hat, da es thematisch um das Gleiche geht, es nur jeweils in Bezug auf die entsprechende Epoche anders umgesetzt wurde.

Insgesamt kann man sagen, dass der Romanauszug aus „Irrungen, Wirrungen“ typische Merkmale des Realismus enthält, insbesondere die reale Betrachtung der Liebe durch Lene. Nach der Interpretation und der Überprüfung, ob „Kabale und Liebe“ Modellcharakter für den Roman hat, lässt sich abschließend feststellen, dass die anfängliche Deutungshypothese noch um den Bezug zu „Kabale und Liebe“ als Modell für den Roman erweitert werden muss.

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