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Textgebundene Erörterung (2)


Aufgabe

  1. Analysiere die Argumentationsstruktur des Artikels „Gebt Prallkissen und Klapprechner eine Chance!“ und fasse dabei den Inhalt zusammen.
  2. Nimm zu zwei Argumenten aus dem Text kritisch Stellung.

Textgrundlage

anglizismen_text.pdf

Lösung

Die deutsche Sprache erfuhr und erfährt im Laufe der Jahrhunderte immer wieder Veränderungen, die durch den Einfluss anderer Sprachen entstanden. Mit diesem Thema beschäftigt sich auch der Artikel „Gebt Prallkissen und Klapprechner eine Chance!“, der am 27.1.2011 auf welt.de/kultur erschienen ist. Darin plädiert der Sprachwissenschaftler und Geschäftsführer des Vereins Deutsche Sprache (VDS) Holger Klatte dafür, der Verdrängung deutscher Begriffe durch Anglizismen Einhalt zu gebieten.

Einleitend zum Thema berichtet der Autor davon, wie sich der ehemalige Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer gegen die Verwendung von Anglizismen aussprach (vgl. Z. 1 f.). Die Bevölkerung reagierte darauf mit Spott und Unverständnis (vgl. Z. 2). Der Sprachwissenschaftler und Geschäftsführer des Vereins Deutsche Sprache Holger Klatte hingegen sei begeistert von Ramsauers Haltung gegenüber der deutschen Sprache, da dieser eine Vorbildfunktion einnehme (vgl. Z. 4 f.). Der VDS kämpfe schon lange gegen die Verwendung englischer Begriffe in der deutschen Sprache (vgl. Z. 5 f.).

Holger Klatte äußert den Vorwurf, dass Anglizismen deutsche Wörter aus dem Sprachgebrauch ersetzen und diese somit verdrängen würden (vgl. Z. 8–10). Auf diese Weise hätten sich überflüssige Ausdrücke im Deutschen eingebürgert (vgl. Z. 8), obwohl es deutsche Entsprechungen dafür gebe.

Der Sprachwissenschaftler gibt zu, dass die ca. 5.000–6.000 Sprachen weltweit sich in einem ganz normalen Prozess gegenseitig beeinflussen (vgl. Z. 9 f.). Er akzeptiere deshalb auch einige englische Wörter im deutschen Sprachsystem, allerdings stellten sie Ausnahmen dar und hätten vor ihrer Verwendung eine orthografische Anpassung an das Deutsche erfahren (vgl. Z. 11 f.). Als Beispiele werden hierfür die Wörter „Streik“ (englisch „strike“) und „Keks“ (englisch „cake“) angegeben, die diese Assimilation durchgemacht hätten. Bei den meisten dieser Ausdrücke sei der englische Ursprung schon gar nicht mehr zu erkennen (vgl. Z. 14). Auch wenn es keine deutschen Entsprechungen gibt, wie etwa bei den Begriffen „Doping“ und „Software“, habe der VDS keine Einwände gegen die Verwendung englischer Ausdrücke (vgl. Z. 14 f.).

Kritisch sieht Holger Klatte allerdings die Tatsache, dass englische Begriffe aus verkaufspsychologischen Gründen in der Werbung verwendet werden (vgl. Z. 18 f.). Die englische Sprache werde von vielen positiv gesehen (vgl. Z. 19), während der Eindruck vermittelt wird, dass das Deutsche zum Verkaufen ungeeignet sei (vgl. Z. 20). Darunter leide das Ansehen der deutschen Sprache (vgl. Z. 20 f.). Verdeutlicht wird dies an den Wörtern „event“, „weekend“ und „outfit“, zu denen es sehr wohl Entsprechungen in der deutschen Sprache gebe (vgl. Z. 22 f.). Klatte begründet seine Kritik damit, dass zum Beispiel ein „meeting“ auch nicht interessanter sei als eine Sitzung, bloß weil ein englisches Wort verwendet werde (vgl. Z. 23/24). Klatte hebt die Unnötigkeit und Überflüssigkeit dieser Anglizismen hervor (vgl. Z. 24) und appelliert gleichzeitig an Werbetexter, Journalisten, Techniker und Ingenieure, bei der Einführung neuer Produkte doch deutsche Bezeichnungen zu verwenden. Denn habe sich ein englischer Begriff erst einmal gegen einen deutschen behauptet, so könne dieser Vorgang nicht mehr rückgängig gemacht werden (vgl. Z. 29). Beispielhaft nennt der Autor Begriffe aus der EDV-Sprache wie z.B. „Laptop“, „Internet“, „Hardware“ und eben „Software“ (vgl. Z. 29 f.).

Dabei zeige der Begriff der Software, dass es auch anders gehe. So hätten die Franzosen mit „logiciel“ einfach ein eigenes Wort erfunden, statt den englischen Ausdruck zu verwenden (vgl. Z. 30 f.). Dieses Beispiel zeigt auch, wie unterschiedlich verschiedene europäische Länder Sprachpflege betreiben. Die Deutschen haben laut Klatte ein wesentlich schlechteres Verhältnis zu ihrer Sprache als zum Beispiel Italiener, Franzosen und Spanier (vgl. Z. 32 f.). Als Beleg werden die Sprachgesetze und die Académie française in Frankreich genannt, die sich mit dem Anpassen von Fremdwörtern an das Französische auseinandersetzen (vgl. Z. 33 f.).

In einem Exkurs wird vom sogenannten Anglizismen-Index des VDS berichtet, der über 8000 Begriffe führe (vgl. Z. 35 f.). Er sei in drei Kategorien unterteilt (vgl. Z. 36). Die erste Kategorie stellen diejenigen Begriffe, die in der deutschen Sprache noch nicht existieren und deshalb eine Ergänzung darstellen (vgl. Z. 37). Dies seien feste Begriffe wie „Mayday“ (Z. 38) oder auch Eigennamen wie „Google“ (Z. 39). In der zweiten Kategorie fände man Ausdrücke, für die es im Deutschen noch keine Entsprechungen gebe (vgl. Z. 40), für die der Verein Deutsche Sprache jedoch Vorschläge erarbeitet hat wie beispielsweise „Prallkissen“ statt „airbag“ oder auch „Klapprechner“ oder „Mobilrechner“ für „Notebook“ (vgl. Z. 41 f.). Die letzte Kategorie beinhaltet englische Ausdrücke, die das Deutsche verdrängten (vgl. Z. 42 f.), zum Beispiel „table of content“ für Inhaltsverzeichnis oder auch „fashion“ für Mode (vgl. Z. 43 f.).

Zum Schluss der Argumentation weist Klatte entschieden den Vorwurf zurück, der VDS rücke in die Nähe rechtsradikaler Gruppen (vgl. Z. 46 f.), da diese sich ebenfalls mit Sprachpflege beschäftigten. Der Sprachwissenschaftler plädiert vielmehr dafür, dieses Thema nicht den Rechten zu überlassen (vgl. Z. 47 f.).

Nachdem nun die Argumentationsstruktur des Textes dargelegt wurde, erfolgt eine kritische Stellungnahme zu zwei der im Text genannten Argumente.

Wie auch Holger Klatte einräumt, sperrt sich selbst der VDS nicht gegen alle Anglizismen, die Einzug in die deutsche Sprache halten. Das Wort „software“ und einige andere Fachbegriffe dienen der internationalen Verständigung, was spätestens seit der Globalisierung und Technisierung notwendig ist. Das Angleichen englischer Wörter an das Deutsche würde die internationale Kommunikation somit enorm erschweren. Viel einfacher und unmissverständlicher wäre es doch, wenn überall auf der Welt, so auch in der deutschen Sprache, gleiche Fachbegriffe verwendet würden. Entkräftet wird diese These jedoch durch das von Holger Klatte selbst vorgebrachte Beispiel „software“, das im Französischen durch ein assimiliertes Wort ersetzt wurde – die Verwendung englischer Begriffe ist also nicht zwangsläufig notwendig.

Holger Klatte wirft in seiner Argumentation außerdem der Werbebranche vor, Anglizismen aus verkaufspsychologischen Gründen zu verwenden. Diesem Argument stimme ich voll und ganz zu. Hält man sich zudem vor Augen, dass rund 60 Prozent der Deutschen die Sprache Englisch nicht oder nur ein wenig beherrschen, so ist es nicht verwunderlich, dass viele der in der Werbung platzierten Slogans nicht verstanden oder völlig missverstanden werden. Werbesprüche wie „Come in and find out“ einer bekannten Parfümkette oder „There’s no better way to fly“ der größten deutschen Fluggesellschaft werden von einem Großteil der Bevölkerung falsch übersetzt. Ob das Werbeziel damit erreicht wird, bleibt fraglich.

Die Verwendung von Anglizismen in der deutschen Sprache bringt einige Vor- und Nachteile mit sich. Wie Holger Klatte bin ich auch der Meinung, dass der negative Einfluss von Anglizismen auf die deutsche Sprache überwiegt.

Richtet man den Blick in die Zukunft, so werden allerdings noch eine Reihe weiterer Veränderungen auf die deutsche Sprache zukommen. Wie die Sprachgeschichte zeigt, unterliegen alle Sprachen einem ständigen Wandel, der nicht aufzuhalten ist. Wer weiß, ob nicht zukünftig einige Begriffe aus der aufstrebenden Industrienation China nach Europa schwappen und Einzug in unsere Sprache halten?

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