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Textgebundene Erörterung (1)


Aufgabe

1) Analysiere Anja Budichs Text „Ist Windkraft die Energie der Zukunft?“ hinsichtlich seiner Argumentationsstruktur und fasse die zentralen Aussagen des Textes zusammen.

2) Nimm zu zwei Argumenten aus dem Text kritisch Stellung.

Lösung

Seit Jahren steigt der Energieverbrauch in Deutschland stetig an. Industrie, Handwerk, Verkehr und private Haushalte verbrauchen immer mehr Strom. Die Folge sind ein hoher CO2-Ausstoß und ein hoher Verbrauch der eh schon zur Neige gehenden Ressourcen Kohle, Erdöl und Erdgas. Bis vor einigen Jahrzehnten wurde in Deutschland Energie ausschließlich aus fossilen Energieträgern oder durch Kernkraftwerke gewonnen. Dass dieses Zeitalter zu Ende geht, erkannte man bereits in den 1950er-Jahren und läutete die Energiewende ein. Auch Anja Budich befasst sich in ihrem Artikel „Ist Windkraft die Energie der Zukunft?“ mit alternativen Energien und thematisiert vor allem die Vor- und Nachteile von Windkraftanlagen.

Schon in ihrer Einführung spricht die Autorin die Zwiegespaltenheit der Bevölkerung im Hinblick auf Windkrafträder an (vgl. Z. 2 f.) und stellt kurz die vier Möglichkeiten der Energiegewinnung vor: die fossilen Energieträger (vgl. Z. 5–9), die Kernenergie, die nachwachsenden Energieträger und eben die alternativen Energieträger, nämlich Erdwärme, Wasser, Sonne und Wind. Aufgrund der Nachteile der drei erstgenannten Energieträger stellten die alternativen Energien für die Zukunft die einzige Lösung dar, obwohl auch hier nicht jede Form von Energiegewinnung an jedem Ort möglich bzw. wünschenswert sei (vgl. Z. 16 f.). Im weiteren Verlauf ihres Artikels legt Anja Budich den Fokus auf die Gewinnung von Windenergie und stellt deren Vor- und Nachteile kritisch gegenüber.

Zu Beginn ihrer Argumentation führt die Autorin einige Nachteile von Windkraftanlagen an. Zunächst gibt Budich zu bedenken, dass Windkraft an das Vorherrschen von Wind gekoppelt ist (vgl. Z. 20 f.) – und zwar an die richtige Menge Wind, denn sowohl bei zu wenig als auch bei zu viel Wind sind die Anlagen nicht betriebsfähig (vgl. Z. 26–28). Die Autorin zitiert einen Experten im Bereich der Windenergie, der bestätigt, dass Windräder an 150 Tagen im Jahr aufgrund zu hohen oder zu wenigen Windes nicht einmal 10 Prozent ihrer errechneten Kapazität liefern (vgl. Z. 28 f.). Weiter gibt Anja Budich zu, dass sich viele Einwohner, in deren Nähe sich eine Windkraftanlage befindet, durch den ständigen Lärm belästigt fühlen. Der Heulton der Windräder von regelmäßig bis zu 65 Dezibel sei für viele Anwohner unerträglich (vgl. Z. 31 f.). Noch gravierender sei der Schattenwurf, der durch das permanente Rotieren der Windräder entstehe. Besonders Autofahrer würden durch die Lichteffekte enorm geblendet und irritiert (vgl. Z. 37–39). Der Einfluss von Windkraftanlagen auf Tiere wie Vögel und Fledermäuse ist laut der Autorin umstritten (vgl. Z. 40 ff.). Sie gibt an dieser Stelle konkrete Zahlen des Naturschutzbundes Deutschland e. V. (NABU) an, die die geringe Anzahl der durch Windkraftanlagen getöteten Vögel (0,5 pro Jahr pro Anlage) belegen (vgl. Z. 42 f.), und räumt ein, dass die Anzahl im Vergleich zu anderen Unfallquellen eher gering ausfällt: Im Straßenverkehr und an Hochspannungsleitungen würden jedes Jahr ca. 5–10 Millionen Vögel verenden (vgl. Z. 44 f.). Die Autorin zitiert jedoch einen weiteren Mitarbeiter des NABU, der eindringlich davor warnt, diese Erkenntnisse zu beschönigen, denn es solle in jedem einzelnen Fall eine individuelle Risikoabschätzung erfolgen und Anlagen an Seen, Feuchtgebieten und Wäldern sollten möglichst vermieden werden (vgl. Z. 44–48). Mit dem Vergleich, die Rotorblätter würden wie ein ICE mit Tempo 300 km/h (vgl. Z. 45 f.) durch die Luft wirbeln, leitet Anja Budich ihr letztes Argument der Gegenposition ein. Sie hält fest, dass nur bei ausreichend hohen Windstärken genug Energie gewonnen werden kann, um konventionelle Energieträger zu ersetzen (vgl. 52 ff.). Da solche Windstärken aber nicht immer herrschen, müssten laut der Autorin zusätzliche Maßnahmen getroffen werden, um eine durchgehende Stromversorgung zu gewährleisten. Hierfür würden fossile Energieträger wie Kohle eingesetzt, die wiederum umweltschädlich seien und einen hohen CO2-Ausstoß hätten (vgl. Z. 60 f.).

Natürlich werden von der Autorin auch die positiven Aspekte von Windkraftanlagen erörtert.

Zunächst stellt die Autorin die Behauptung auf, dass Windkraftanlagen einen Beitrag zur technischen Weiterentwicklung leisten. Inzwischen würden alte Windkraftanlagen vermehrt durch wenige neue, effizientere Anlagen ersetzt (Z. 65) und bei der Errichtung neuer Windparks werde Rücksicht auf Mensch und Tier genommen. Genaue Zahlen und Fakten werden an dieser Stelle jedoch nicht genannt (vgl. Z. 62–72). Außerdem geht Anja Budich auf die Vereinbarkeit von Tourismus und der Windenergiegewinnung ein. Deren Vorhandensein belegt sie durch Urlauberbefragungen, laut denen „saubere Energie für saubere Natur“ (Z. 75 f.) stehe. Es seien gerade solche Urlaubsregionen mit ihren zahlreichen Touristenmagneten, die die Windräder nutzen und zugleich für deren Besichtigung werben und dadurch Touristen anlocken. Als Beispiel hierfür wird ein Offshorewindpark im dänischen Nysted genannt. Auch die Fucht vor dem Verlust zahlreicher Arbeitsplätze sei, so Budich, unbegründet (vgl. Z. 82 f.). Im Fazit ihrer Argumentation merkt die Autorin an, dass Alternativen zur fossilen Energie dringend notwendig seien, wofür sich nach Budich die alternativen Energieträger anböten (vgl. Z. 85 f.). Hierfür sei besonders die Windenergie an den Küstenbereichen geeignet. Allerdings wird noch einmal die Unausgereiftheit dieser Technik angedeutet, die jedoch laufend modernisiert und verbessert werde. Dadurch sei es auch möglich, den stetig steigenden Energiebedarf zu decken (vgl. Z. 87 f.).

Nachdem der Text ausführlich hinsichtlich seiner Argumentationsstruktur untersucht wurde, wird nun auf zwei der genannten Argumente näher eingegangen.

Die Autorin verweist in ihrem Artikel auf den Faktor der Lärmbelästigung, der durch das Ausstoßen hoher und lauter Heultöne von bis zu 65 Dezibel entsteht. Wenn man diese Geräusche jedoch in Relation zu anderen Lärmquellen wie beispielsweise einem normalen Gespräch (55 Dezibel), Kantinenlärm (65 Dezibel) oder Verkehrslärm (70 Dezibel) stellt, so fällt diese Belästigung kaum ins Gewicht. Lebewesen sind durch Windkraftanlagen also keiner extrem hohen Lärmbelästigung ausgesetzt. Zudem muss bedacht werden, dass rund 30 % aller Windkraftanlagen in Deutschland offshore, also im Meer betrieben werden. Hinzu kommen Anlagen auf den nicht besiedelten Mittelgebirgen wie z. B. in einigen Gebieten des Bayerischen Waldes. Darüber hinaus gibt es in einigen Bundesländern das Gesetz der 10-H-Regelung. Sie besagt, dass Windkraftanlagen einen Mindestabstand vom Zehnfachen ihrer Höhe zu den nächsten Wohngebieten haben müssen. Bei einer Höhe einer Windkraftanlage von ca. 80 m im Durchschnitt macht dies also einen Abstand von 800 m, also fast einem Kilometer aus. Dass die gemessenen 65 Dezibel über diese Entfernung hörbar sind, ist unwahrscheinlich.

Laut Budich, die in ihre Überlegungen einige empirische Untersuchungen einbezieht, gibt es eine Vereinbarkeit von Tourismus und Energiegewinnung, beides stelle also keinen Widerspruch in sich dar. Das Aufstellen und Inbetriebnehmen großer Windkraftanlagen wie an der deutschen Nord- und Ostseeküste steht aber durchaus im Gegensatz zum Wunsch nach einem erholsamen Urlaub in einer unberührten Natur. Natürlich hat dies ein Ausbleiben der Touristen an einigen Standorten zur Folge. Gerade Regionen wie beispielsweise Landkreise an der Müritz, deren Haupteinnahmequelle der Tourismus ist, bekommen dies deutlich zu spüren.

Nach Prüfung der Aussagen Budichs komme ich zu dem Schluss, dass Windkraftanlagen eine saubere und effiziente Möglichkeit sind, Energie zu erzeugen. Jedoch müssen einige Faktoren und vor allem die Standortwahl gut bedacht sein. Große Offshorewindparks in Nord- und Ostsee und in weniger bis gar nicht besiedelten Regionen behindern den Tourismus nur in sehr geringem Umfang, auch die Lärmbelästigung und Sichtprobleme bleiben aus. Wählt man also solch einen Standort, dürfte dies Bewohner, Aktivisten und Konzerne zufriedenstellen.

Natürlich sollte ein Land den Fokus seiner Energiegewinnung nicht auf einen einzigen Energieträger legen, sondern alle Chancen nutzen. Deshalb wächst in Deutschland, auch durch zahlreiche Fördermaßnahmen für erneuerbare Energien seitens des Staats, die Bedeutung von Bioenergie, Erdwärme, Wasserkraft und Sonnenenergie. Zugleich wird versucht den Energieverbrauch nicht mehr zu steigern. Bleibt zu hoffen, dass dies auch gelingt.

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