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Romananalyse (1)


Aufgabe

Analysiere den vorgegebenen Textauszug aus dem Roman „Der Richter und sein Henker“ von Friedrich Dürrenmatt. Gehe dabei auf folgende Aspekte ein:

  • Auftreten und Verhalten von Kommissar Bärlach und Dr. Lutz sowie ihr Verhältnis zueinander
  • Erzählverhalten, Erzählzeit und Figurenrede
  • Eigene Bewertung des Gesamteindrucks von beiden Männern

Lösung

Der Roman „Der Richter und sein Henker“ von Friedrich Dürrenmatt ist 1955 erschienen. In dem vorliegenden Textauszug unterhalten sich Kommissär Bärlach und sein Vorgesetzter Dr. Lutz in dessen Büro. Thema des Gesprächs ist der Stand der Ermittlungen im Mordfall Schmied. Zudem nutzt Bärlach die Gelegenheit und bittet um Unterstützung durch den jungen Kollegen Tschanz.

Zu Beginn des Romans findet der Polizist Clenin in einem Wagen die Leiche des Polizeileutnants Schmied und Kommissär Bärlach wird mit den Ermittlungen in dem Fall betraut.

Kommissär Bärlach ist ein Mann, der nach festen Gewohnheiten lebt, auch wenn er sie zu Beginn des Textauszugs bricht, indem er „gegen seine Gewohnheit“ (Z. 1) nicht in dem für ihn üblichen Restaurant isst. Dieser Hang zur Gewohnheit zeigt sich unter anderem daran, wie er sich in Gegenwart von Dr. Lutz verhält. Der erfahrene Bärlach zeigt sich durch die höhere Position seines Gesprächspartners unbeeindruckt. Er raucht in dessen Büro, obwohl er weiß, dass Dr. Lutz es nicht gern sieht (vgl. Z. 6 ff.). Auch ist er derjenige, der entscheidet, worüber er reden will und worüber nicht, indem er zum Beispiel die Information für sich behält, wen er im Mordfall Schmied verdächtigt (vgl. Z. 31). Da er von vornherein nur widerwillig zu dem Gespräch erscheint (vgl. Z. 5), gibt es für ihn keinen Grund, mehr als für ihn nötig in das Gespräch zu investieren. Also verlässt er wortlos den Raum, sobald das Gespräch für ihn beendet ist (vgl. Z. 50). All diese Verhaltensweisen scheinen für Dr. Lutz nichts Neues zu sein, da er sie entweder schweigend erträgt (vgl. Z. 8) oder allenfalls seinen Unmut in kleine Bemerkungen wie ein „Nun, das ist ja interessant“ (Z. 32) verpackt. Dr. Lutz scheint also wenig Interesse daran zu haben, seine Machtposition gegenüber Bärlach geltend zu machen. Er gibt sich mit leeren Äußerungen Bärlachs zufrieden. Als Bärlach jedoch seine Anfrage zu Tschanz’ Mitarbeit an dem Fall stellt, ist er sofort einverstanden (vgl. Z. 44 f.). Im Gegensatz zu Bärlach ist Dr. Lutz sehr interessiert an einem Austausch und an der Meinung seines Gesprächspartners, was jedoch enttäuscht wird, als er bemerkt, dass dieser längst den Raum verlassen hat (vgl. Z. 50).

Bei dem Textauszug liegt ein auktoriales Erzählverhalten vor. Dies erkennt man daran, dass die Gedanken und Gefühle beider Figuren beschrieben werden, wie zum Beispiel Bärlachs Unwillen, in Lutz Büro zu erscheinen (vgl. Z. 5). Auch der Moment gegen Ende des Gesprächs, als Dr. Lutz „eine unbändige Lust“ (Z. 49) verspürt, das Gespräch mit Bärlach zu vertiefen, spricht für das auktoriale Erzählverhalten. Im Großteil des Textauszugs – nämlich dem, in dem das Gespräch zwischen Bärlach und Dr. Lutz stattfindet – decken sich Erzählzeit und erzählte Zeit, da das Gespräch ohne Zeitsprünge wiedergegeben wird. Anders ist es zu Beginn des Textauszugs, wo gerafft beschrieben wird, was Bärlach vor dem Treffen mit Lutz tut: „[...] kehrte dann nach einem kurzen Spaziergang über die Bundesterrasse gegen zwei Uhr auf sein Bureau zurück, wo ihn die Nachricht erreichte, daß der tote Schmied nun von Biel angekommen sei“ (Z. 2 ff.). Zu Beginn der Textstelle findet sich auch die einzige Rückblende, in der die eine Situation „vor Jahren“ (Z. 8) beschrieben wird, als Dr. Lutz versucht hat, Bärlachs Rauchen in seinem Büro ein Ende zu machen. Die häufigste Form der Figurenrede in diesem Textauszug ist die direkte Rede: „‚Noch nichts aus Biel?‘ fragte Bärlach“ (Z. 15). Es kommt allerdings auch die indirekte Rede vor: „Dann sei es ja gut, entgegnete Lutz und hustete“ (Z. 39).

Am Ende des Gesprächs fällt auf, dass vor allem der kranke Bärlach sein Ziel erreicht hat, Tschanz als Unterstützung bei den Ermittlungen zur Seite gestellt zu bekommen. Hingegen scheitert Dr. Lutz mit seinem Anliegen, auf Bärlachs Ermittlungen Einfluss zu nehmen. Die hierarchischen Verhältnisse zwischen den beiden Männern scheinen nicht zu stimmen. Der untergebene Bärlach dominiert das Gespräch. Meiner Meinung nach ist Bärlachs Verhalten seinem Vorgesetzten gegenüber respektlos und nicht angemessen. In der heutigen Zeit ist so etwas nur schwer vorstellbar, denn ich denke, dass ein solches Verhalten heute Konsequenzen wie eine Abmahnung oder schlimmstenfalls eine Kündigung nach sich ziehen würde.

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