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Gestaltend schreiben (1)


Aufgabe

Lies dir das Gedicht „Der Panther“ von Rainer Maria Rilke zunächst aufmerksam durch und setze dich gründlich mit seinem Inhalt auseinander. Notiere dir am besten die wichtigsten Eindrücke. Was wollte der Dichter wohl mit seinem Gedicht ausdrücken?

Rilke schrieb das Gedicht 1902 oder 1903, nachdem er offenbar mehrere Stunden vor dem Gehege eines Panthers im Jardin des Plantes, dem Pariser Zoo, verbracht hatte. 

Versetze dich in die Position des Dichters und stell dir vor, du hättest diesen Zoo besucht. Schreibe einen Tagebucheintrag, der von diesem Erlebnis und deinen damit verbundenen Gedanken, Wünschen, Hoffnungen und Ängsten berichtet. Beachte dabei die typischen Merkmale eines Tagebucheintrags. 

Text

Der Panther
Im Jardin des Plantes, Paris

Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
so müd geworden, daß er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.

Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der betäubt ein großer Wille steht.

Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf –. Dann geht ein Bild hinein,
geht durch der Glieder angespannte Stille –
und hört im Herzen auf zu sein.

(aus: Rilke: Werke, Bd. 1,2, Gedicht-Zyklen)

Lösung

28. Mai 2015

Gestern war ich mit einigen Freunden im Zoo und dieser Besuch hat mich dieses Mal aus irgendeinem Grund sehr nachdenklich gemacht. Ich mag Tiere jeder Größe und aller Art wirklich sehr. Deshalb nutze ich normalerweise jede Gelegenheit, sie mir in einem Tierpark aus der Nähe anzusehen. Dort kann ich dann stundenlang beobachten und die Ruhe genießen. Doch gestern war es irgendwie anders.

Nachdem wir uns schon einen Großteil der Außenanlagen angesehen hatten, beschlossen meine Freunde ins Aquarium zu gehen. Ich hatte aber keine Lust dazu, weil es draußen so schön war. Also setzte ich mich auf eine Bank und beobachtete den schwarzen Panther, der dort wohl schon eine Weile sein Zuhause hat. Aber wie ein Zuhause kam mir sein Gehege dieses Mal wirklich nicht vor! Warum? Ich weiß auch nicht genau, aber irgendwie tat mir das Tier sehr leid. Mit seinem schwarzen, glänzenden Fell und seinen geschmeidigen Bewegungen war der Panther ja eigentlich so prachtvoll wie immer. Aber dieses Mal sah ich vielleicht genauer hin oder nahm mir mehr Zeit zum Beobachten: Trotz ihrer Kraft wirkte die Raubkatze seltsam müde und abgestumpft. Sie lag zwar nicht nur an einer Stelle, sondern bewegte sich eigentlich ständig. Aber wenn ich jetzt so nachdenke, war das im Grunde das Schlimme! Der Panther nahm stets den gleichen Weg. Er lief an den Begrenzungen seines nicht gerade großen Geheges entlang, immer im Kreis. Und das schien er jeden Tag zu tun, denn man konnte seine Spur im hohen Gras deutlich erkennen. Er wirkte wie betäubt und innerlich erstarrt. Seine Augen blickten starr und teilnahmslos. Mein Versuch, Blickkontakt mit ihm herzustellen, war zwecklos. Er schien seine Umwelt gar nicht wahrzunehmen und sein Gang wirkte seltsam automatisch, wie an einer Schnur gezogen. Nur einmal kurz veränderte sich sein Blick, als ein kleiner Hund ganz in der Nähe wild zu kläffen anfing. Aber auch diese Reaktion war schnell wieder vorbei.

Schrecklich, was Gefangenschaft offenbar mit Tieren machen kann! Sie scheinen sich irgendwie mit ihrem Schicksal abzufinden, erstarren dabei aber wohl im Inneren und führen ein Leben auf Sparflamme. Wahrscheinlich kann man die fehlende Freiheit, das Eingesperrtsein nur auf diese Weise aushalten. Das gilt bestimmt nicht nur für Tiere, sondern auch für Menschen, die durch einen äußeren Zwang in ihrem Handeln, Denken oder Sagen begrenzt sind. Hoffentlich werde ich das nie erleben!     

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