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Erweiterte Inhaltsangabe (2)


Aufgabe

Verfasse zum Text „Nachts schlafen die Ratten doch“ von Wolfgang Borchert eine erweiterte Inhaltsangabe nach den im Unterricht besprochenen Kriterien. Beginne deine Arbeit mit einer Einleitung, fasse anschließend den Text zusammen. Als Zusatzaufgabe kannst du unter den drei Aufgabenstellungen eine zur Bearbeitung auswählen. Runde deine Arbeit mit einem Schluss ab. Achte auf eine angemessene Sprache und teile dir die Arbeitszeit von 90 Minuten sinnvoll ein!

Zusatzaufgaben:

  1. Weise die Textsorte anhand geeigneter Beispiele am Text nach.
  2. Untersuche die Sprache im Text.
  3. Verfolge die Entwicklung der Beziehung zwischen dem alten Mann und dem Jungen.

Textgrundlage

wolfgang_borchert_nachts_schlafen_die_ratten_doch.pdf

Punkteverteilung

Einleitungsgedanke (Autor, Titel, Textsorte, Entstehungsdatum, Erscheinungsort, Kernsatz)
Textzusammenfassung (chronologische Abfolge der Handlungsschritte, Präsens, Perfekt bei Vorzeitigkeit, eigene Formulierungen) 10 
Zusatzaufgabe 1 – Textsortenbestimmung (5 Merkmale der Kurzgeschichte, Belege am Text)
Zusatzaufgabe 2 – Untersuchung der Sprache (Wortwahl, Syntax, bildhafte Figuren, Wirkungsabsicht, Belege am Text)
Zusatzaufgabe 3 – Figurenkonstellation (Verhältnis alter Mann–Junge, ggf. Annäherung) 5
Schluss (Abrundung der Arbeit, eigene Meinung zum Text, Absicht des Verfassers)
Sprache (Syntax, Wortwahl, Rechtschreibung, Zeichensetzung, Ausdruck)
  • Schwierigkeitsgrad:  3
  • Zeit:  90 Minuten
  • Punkte:  33

Lösung

In der 1947 erschienenen Kurzgeschichte „Nachts schlafen die Ratten doch“, die dem Gesamtwerk Wolfgang Borcherts entnommen wurde, thematisiert der Autor Wolfgang Borchert die Traumatisierung des neunjährigen Jungen Jürgen. Dieser hatte durch die Bombardierung seines Elternhauses im Zweiten Weltkrieg seinen kleinen Bruder verloren und versucht nun, ihn vor dem Auffressen durch die Ratten zu bewahren. Nur ein alter Mann kann ihn ins Leben zurückführen.

Der neunjährige Jürgen sitzt in der Abenddämmerung verstört und verängstigt auf den Trümmern eines ehemaligen Gebäudes. Als sich ein fremder alter Mann mit einem Messer und einem Korb in der Hand vor ihn stellt und ihn fragt, was er dort mache, gibt er nur widerwillig eine Antwort. Da Jürgen dem Mann zunächst nur kurze, ausweichende Antworten auf weitere Fragen wie etwa nach dem Grund seines Bewachens gibt, bohrt der Mann weiter nach. Schließlich gibt der Junge zu, dort auf etwas aufpassen zu müssen. Zunächst vermutet der alte Mann, Jürgen müsse Geld bewachen, doch der Junge verneint das. Um zu erfahren, was so wertvoll ist, dass es bewacht wird, setzt der Fremde auf die Neugier des Jungen und gibt ihm zu verstehen, dass er im Gegenzug wohl auch nicht verrate, was sich in seinem Korb befindet. Doch Jürgen ist sehr clever und kann sich bereits denken, dass darin Kaninchenfutter ist, da der Mann ein Messer bei sich hat und sich an seinen Fingern etwas Erde befindet. Der Alte gibt schließlich zu, 27 Kaninchen zu besitzen, für die das Futter gedacht ist. Zudem bietet er Jürgen an, die Kaninchen zu sehen. Jürgen aber lehnt ab, da er meint weiter in der Nacht aufpassen zu müssen, wie er es seit vergangenen Samstag macht. Auf die Frage des Alten, warum er nicht wegkönne, antwortet er, dass er vor den Ruinen Wache halte, um die Ratten, die laut Aussage seines Lehrers die Toten fräßen, daran zu hindern. Das sei für den Jungen sehr wichtig, da er unter den Trümmern, auf denen er sitzt, seinen kleinen Bruder vermutet, der bei einem Bombenangriff ums Leben gekommen ist. Darüber ist der Alte sehr verwundert und versucht Jürgen davon zu überzeugen, dass Ratten nachts schlafen und somit auch die Leichen in Ruhe lassen. Doch Jürgen ist nicht recht davon überzeugt. Deshalb schlägt der alte Mann vor, seine Kaninchen zuerst mit dem gesammelten Futter zu versorgen und anschließend mit einem kleinen Kaninchen zu Jürgen zurückzukommen. Der Junge, der mittlerweile Zutrauen zu dem alten Mann gefunden hat, bittet sogar darum, mit einem weißen Kaninchen wiederzukommen. Daraufhin verspricht ihm der Alte, sobald wie möglich mit dem Kaninchen zurückzukommen und gemeinsam zum Vater des Jungen zu gehen, damit beide ihn über die Haltung des Kaninchens in Kenntnis setzen und einen Stall für das Tier bauen können. 

Zusatzaufgabe 1: Nachweis der Textsorte

Der Text „Nachts schlafen die Ratten doch“ von Wolfgang Borchert kann zweifelsfrei der Gattung Kurzgeschichte zugeordnet werden, was folgende Merkmale belegen: Die dargestellte Handlung stellt eine Momentaufnahme aus dem Leben des Jungen Jürgen dar, ist also wie ein Blitzlicht zu sehen, das den Fokus auf ein bestimmtes Ereignis lenkt, nämlich das Gespräch zwischen dem Alten und Jürgen. Erzählt wird eine Episode aus dem Alltagsleben des Protagonisten Jürgen (vgl. Z. 12), eines kleinen, neunjährigen Jungen (vgl. Z. 24), der die Brutalität des Krieges zu spüren bekommt. Insgesamt stehen in der Geschichte nur wenige Figuren im Mittelpunkt, dies sind v. a. der Junge Jürgen sowie der ältere Mann, mit dem er ins Gespräch kommt. Indirekt spielt auch Jürgens kleiner toter Bruder eine tragende Rolle, auch wenn er natürlich nicht mehr selbst als Figur auftreten kann. Die Hauptfigur steht zudem in einem inneren Konflikt und hat ein prägendes Erlebnis zu verarbeiten, da Jürgen vom Krieg gezeichnet ist und versucht seinen durch einen Bombenangriff ums Leben gekommenen kleinen Bruder zu beschützen, den er unter den Trümmern seines Elternhauses vermutet. Er weiß von seinem Lehrer, dass Ratten sich nachts von Toten ernähren, und möchte das verhindern. Zugleich ginge er hingegen sehr gern mit dem älteren Herrn mit, um dessen Kaninchen zu sehen. Deshalb weiß er nicht, was er tun soll. Des Weiteren beginnt die Geschichte unmittelbar, da keine Vorgeschichte erzählt bzw. die Hauptfigur Jürgen nicht eingeführt wird (vgl. Z.1). Ebenso endet die Geschichte offen (vgl. Z. 80), weil der Leser nicht weiß, ob Jürgen in der Nacht, wenn die Ratten angeblich schlafen, den Mann begleitet und dessen Kaninchen sieht. Da in der Handlung weder Ort noch Zeit genannt werden, soll sie prototypisch für die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg für sämtliche zerbombten Städte und Schicksale stehen. Auch weisen die einfache Sprache (vgl. Z. 14: „Das kann ich nicht sagen.“) sowie der einfache Satzbau in Form von zahlreichen Parataxen (vgl. Z. 31: „Du kannst sie sehen. Viele sind noch ganz jung. Willst du?“) auf die Textsorte Kurzgeschichte hin.

Zusatzaufgabe 2: Untersuchung der Sprache

Der Text weist einige besondere sprachliche Gestaltungsmittel auf, die im Folgenden dargestellt werden. Zunächst sollen die sprachlichen Besonderheiten besprochen werden, die den Satzbau betreffen. Wie für eine Kurzgeschichte üblich wird Umgangssprache verwendet (z. B. Z. 7: „Der hatte ein Messer und einen Korb in der Hand.“). Für die Umgangssprache spricht auch, dass keine Fachbegriffe oder Fremdwörter verwendet werden. Zudem werden zahlreiche Ellipsen verwendet, wie z. B. in Z. 7 f. („Und etwas Erde an den Fingerspitzen.“) und in Z. 24 („Neun.“). Das Gespräch zwischen dem Jungen und dem alten Mann steht im Mittelpunkt der Handlung, das gesprochene Wort spielt deshalb in dieser Geschichte eine zentrale Rolle.
Nun werden die bildhaften Figuren näher beschrieben. Zu Beginn des Textes fallen zwei Personifikationen direkt ins Auge: „Das hohle Fenster […] gähnte“ (Z. 1) und die „Schuttwüste döste“ (Z. 2). Auf diese Weise wird dem Leser der Ort der Handlung beschrieben und verdeutlicht, dass es sich um eine zerbombte Stadt handelt, die nach dem Krieg langsam wieder zum Leben erwacht. Neben den eindrücklichen Personifikationen zu Beginn finden sich im Text auch zahlreiche Symbole. Die Stadt ist durch den Staub ganz grau geworden (Z. 80). Dem entgegen steht das aufkeimende Grün des Kaninchenfutters (Z. 80), das die Hoffnung nach dem Krieg symbolisiert. Im Bereich der Symbole kann man auch die Ratten und die Kaninchen nennen. Während die Ratten, die angeblich die Leichen auffressen, Tod und Verwesung symbolisieren, stehen die weißen Kaninchen des alten Mannes ebenfalls für die aufkeimende Hoffnung und den Neuanfang. 

Zusatzaufgabe 3: Figurenkonstellation

Die im Text genannten Figuren sind der neunjährige Jürgen und ein älterer Mann, der zu ihm tritt. Zu diesem Zeitpunkt kennen sich die beiden Protagonisten nicht, haben also keinerlei Beziehung zueinander. Am Beginn der Handlung sitzt der neunjährige Jürgen verstört mit einem Stock bewaffnet (vgl. Z.11) auf den Trümmern seines ehemaligen Elternhauses. Durch die eingenommene Haltung wird deutlich, wie ernst er seine Aufgabe als Wächter nimmt. Gleich beim Hinzutreten des alten Mannes, der ein Messer und einen Korb mit Kaninchenfutter mit sich trägt, beginnt das Gespräch der beiden Protagonisten. Zunächst antwortet der Junge nur sehr zaghaft, schüchtern und zurückhaltend auf die Fragen des Alten: „Du schläfst hier wohl, was?“ „Nein, ich schlafe nicht. Ich muss hier aufpassen.“ (Z. 9–12). Noch möchte Jürgen dem Fremden nicht mitteilen, was er nachts allein dort macht. Auch den anschließenden Fragen des Mannes weicht Jürgen noch aus und möchte partout nichts über seine Wache verraten (vgl. Z. 14 und Z. 19). Dadurch lässt sich der Alte jedoch nicht abhalten und möchte nun auch nicht verraten, was sich in seinem Korb befindet. Da Jürgen aber gut kombinieren kann, schließt er auf Kaninchenfutter und lässt sich nicht drängen, die Wahrheit über seinen Aufenthalt in den Ruinen zu erzählen. Schließlich gibt der Alte zu, 27 Kaninchen zu besitzen, und lädt Jürgen dazu ein, sie einmal zu sehen. Immer deutlicher wird das Vorhaben des Alten, Jürgen aus der Reserve zu locken und Schritt für Schritt einen Zugang zu dem Jungen zu bekommen. Es gelingt dem Fremden schließlich, das Vertrauen des Kindes zu gewinnen, und Jürgen erzählt, nachts immer aufpassen zu müssen. Durch die geschickte Taktik des Alten, die Notwendigkeit der Wache zu bestätigen, erzählt der Junge schließlich von den Ratten, die laut Aussage seines Lehrers die Toten fressen. Der Alte aber beschwichtigt diese Aussage und stellt den Lehrer als unwissend dar (vgl. Z. 60). Schließlich hat der alte Mann die Idee, dem Jungen ein weißes Kaninchen mitzubringen und ihn auf diese Art aus der Starre ins Leben zurückzuführen.

Die Geschichte „Nachts schlafen die Ratten doch“ von Wolfgang Borchert gehört zu den bekanntesten deutschsprachigen Kurzgeschichten der Nachkriegsliteratur. Selbst wenn das Ende offen gestaltet ist und der Leser nicht erfährt, ob Jürgen tatsächlich mit dem Fremden geht und von ihm ein weißes Kaninchen erhält, keimt doch Hoffnung auf, dass Jürgen durch das Tier wieder zurück in seine Kindheit findet und die Schrecken des Krieges vergessen kann. Die Figur Jürgen steht vermutlich für viele vom Krieg gezeichnete und traumatisierte Kinder, die mit den Folgen des Krieges zurechtkommen müssen.

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