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Dramenanalyse (2)


Aufgabe

Analysiere in dem Auszug der Szene III,7 aus dem Drama „Frühlings Erwachen“ von Frank Wedekind das Auftreten und Verhalten des vermummten Herrn sowie das von Moritz. Berücksichtige dabei auch ihre Einflussnahme auf Melchior.

Lösung

Das Drama „Frühlings Erwachen“ von Frank Wedekind ist 1981 erschienen. Die zu analysierende Szene spielt im dritten und letzten Akt des Dramas. Es handelt sich um die Schlussszene, in der Moritz als der personifizierte Tod aus seinem Grab steigt und versucht, seinen Freund Melchior zu überreden, ihm ins Reich der Toten zu folgen.

Melchior und Wendla verlieben sich ineinander. Als sie miteinander schlafen, wird Wendla schwanger. Ihre Mutter veranlasst daraufhin eine Abtreibung, bei der ihre Tochter stirbt. Melchiors Aufklärungsschrift „Der Beischlaf“ wird in Moritz’ Sachen gefunden und Melchior wird deshalb für Moritz’ Tod verantwortlich gemacht und der Schule verwiesen. Tatsächlich hat Moritz sich jedoch aus Angst vor den Konsequenzen, die seine Nichtversetzung in der Schule nach sich zieht, das Leben genommen. Bewegt von diesen tragischen Ereignissen streift Melchior allein und verzweifelt über den Friedhof.

Zu Beginn der Szene tritt Moritz, der seinen Kopf unter dem Arm trägt (vgl. Z. 1), seinem Freund Melchior gegenüber sehr selbstbewusst auf. Er wirbt für ein Leben nach dem Tod, indem er ein verlockendes Bild vom Leben im Jenseits zeichnet und das Leben im Diesseits ins Lächerliche zieht: „Vergnügungshalber. – Wir streifen um Maibäume, um einsame Waldkapellen. Über Volksversammlungen schweben wir hin, über Unglücksstätten, Gärten, Festplätze. – In den Wohnhäusern kauern wir im Kamin und hinter den Bettvorhängen. – Gib mir die Hand. – Wir verkehren nicht untereinander, aber wir sehen und hören alles, was in der Welt vor sich geht. Wir wissen, dass alles Dummheit ist, was die Menschen tun und erstreben, und lachen darüber.“ (Z. 15–22) Er zeigt ihm also die Vorzüge auf, z. B. das Schweben über allen Orten (vgl. Z. 15–18), kein Pflegen von Geselligkeit sowie Allwissenheit (vgl. Z. 18 f.), die ein Leben im Jenseits bieten. Zudem verspricht Moritz seinem Freund Zufriedenheit (vgl. Z. 26). Insgesamt gibt er sich gegenüber Melchior freundlich und verführerisch. Moritz verkörpert in dieser Szene den Tod, der Melchior zum Sterben verleiten will. Mit dem Auftritt des vermummten Herrn ändert sich Moritz’ Überlegenheit jedoch schlagartig und er fängt an, sich über das zuvor gelobte Leben ihm Jenseits zu beklagen: „Es ist unten so schaurig.“ (Z. 81 f.) Der vermummte Herr schaltet sich selbstsicher in den Dialog der beiden Jungen ein, um Melchior aufzufordern sich ihm anzuvertrauen (vgl. Z. 69 f.). Er bleibt während des gesamten Dialogs vermummt und gibt sich nicht zu erkennen (vgl. Z. 72). Während er Melchior verspricht, ihm die Welt zu erschließen (vgl. Z. 96), ihn unter Menschen zu führen (vgl. Z. 104 f.), seinen Horizont zu erweitern (vgl. Z. 105 f.) und ihm Interessantes zu eröffnen (vgl. Z. 106 f.), enttarnt er Moritz’ Aussagen als faulen Zauber: „Warum prahlen Sie denn mir Ihrer Erhabenheit?! Sie wissen doch, dass das Humbug ist, saure Trauben! Warum lügen Sie geflissentlich, Sie – Hirngespinst!“ (Z. 83 ff.) Es lässt sich also sagen, dass der vermummte Herr als Gegenspieler von Moritz auftritt, der Melchior ins Leben zurückbringen will. Deshalb zeigt er sich gegenüber Moritz auch sehr aggressiv: „Dann bleiben Sie doch, wo Sie hingehören. Dann sind Sie ja vorbei. Belästigen Sie uns hier nicht mit ihrem Grabgestank. Unbegreiflich – sehen Sie doch nur Ihre Finger an. Pfui Teufel noch mal! Das zerbröckelt schon.“ (Z. 75 ff.)

Melchior, getrieben von der Schuld an Wendlas Tod, will Moritz zunächst die Hand geben, da er sein Leben für hoffnungslos hält (vgl. Z. 62–66). Der Selbstmord erscheint ihm als einziger Ausweg aus seiner verzweifelten Situation. Doch da trifft er auf den vermummten Herrn, der ihn vom Leben überzeugen und somit den Tod des dritten Protagonisten abwenden kann. Die Jugendlichen müssen sich immer wieder mit den gesellschaftlichen Konventionen auseinandersetzen, bis sie schließlich wie in dieser Szene vor der Entscheidung zwischen Leben und Tod stehen. Ich finde den Anpassungsdruck des gesellschaftlichen Zwangssystems erschreckend, zumal immer wieder deutlich wird, dass dem gesellschaftlichen Ansehen deutlich mehr Gewicht beigemessen wird als dem Schicksal des Individuums. Für mich ist es unvorstellbar, dass Eltern ihre Kinder verurteilen, nur weil sie keine guten Leistungen in der Schule erbringen.

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