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Dramenanalyse (1)


Aufgabe

Analysiere aus dem Drama „Der Besuch der alten Dame“ von Friedrich Dürrenmatt die letzte Unterhaltung zwischen den beiden Protagonisten Claire Zachanassian und Alfred Ill im Konradsweilerwald. Beziehe in deine Überlegungen auch die Regieanweisungen ein und kläre die nun veränderte Situation im Vergleich zum Anfang des Dramas.

Lösung

Das Drama „Der Besuch der alten Dame“ von Friedrich Dürrenmatt ist im Jahr 1955 verfasst worden und 1980 in einer Neufassung erschienen. Die zu analysierende Szene spielt im dritten Akt. Claire Zachanassian und Alfred Ill führen im Konradsweilerwald ein ernstes Gespräch über ihr gemeinsames Kind und ihre Vergangenheit. Bei dem Dialog handelt es sich um das letzte Gespräch der beiden miteinander. Sie verabschieden sich mit der Aussicht auf Ills Tod voneinander.

Die Milliardärin Claire Zachanassian hat den Bewohnern des Ortes Güllen das Angebot unterbreitet, ihnen eine Milliarde zu zahlen, wenn Ill für das, was er ihr in ihrer Jugend angetan hat, mit seinem Leben bezahlen muss. Das einstige Liebespaar sitzt nun im Konradsweilerwald und spricht über die Vergangenheit.

Während Ill Interesse an der Vergangenheit zeigt (vgl. Z. 56 ff.) und sein Leben für sinnlos hält (vgl. Z. 94 ff.), hält Claire weiterhin an ihrem „Traum von Leben, von Liebe [und] von Vertrauen“ (Z. 97 f.) fest. Sie spricht bewusst von einem Traum, da es durch Ills Handeln in der Vergangenheit immer nur bei einem Traum geblieben ist. Es findet keine Wendung innerhalb des Dialogs statt – Ill zeigt sich Claire gegenüber von Beginn an einsichtig und erkennt, dass er früher viel falsch gemacht hat. Zudem gibt es keine Störungen oder Unterbrechungen, es ergeben sich lediglich lange Pausen (vgl. Z. 42), die von den Protagonisten womöglich zum Nachdenken genutzt werden. Schließlich bedeutet dieses Gespräch nach über 45 Jahren das Ende der „Beziehung“ der beiden. Alfred Ill bedeutet Claire allerdings noch immer sehr viel (vgl. Z. 8 f.) und sie möchte mit ihm allein sprechen, um ihm bewusst zu machen, was er ihr damals durch sein Verhalten angetan hat. Ill selbst wirkt während des Gesprächs hoffnungslos, denn er hat bereits mit seinem Leben abgeschlossen: „Man wird mich zum Tode verurteilen, und einer wird mich töten. Ich weiß nicht, wer es sein wird und wo es geschehen wird, ich weiß nur, daß ich ein sinnloses Leben beende.“ (Z. 94 ff.). Claire dominiert den Dialog klar. Schließlich hat sie die Initiative ergriffen und ihn aufgesucht (vgl. Z. 9 f.). Ill hingegen wirkt einsam, niedergeschlagen und kann sich für nichts mehr begeistern. Dies spiegelt sich auch bei seinen Reaktionen auf Claires Aussagen wider, auf die er des Öfteren mit Ellipsen antwortet: „Sehr erfreut.“ (Z.19) Claire ist in der Szene recht emotional und erinnert sich an glückliche Zeiten mit Ill zurück: „Du [bist] stark und mutig [gewesen]. Hast gegen den Eisenbähnler gekämpft, der mir nachstrich. Ich [habe] dir das Blut aus dem Gesicht [gewischt] mit meinem roten Unterrock.“ (Z. 83 ff.) Das Gespräch zwischen den beiden Protagonisten wirkt durch komische Elemente zeitweise grotesk, z. B. verkörpern Personen Tiere (vgl. Z. 47). Zudem zieht sich durch die Aussicht auf Ills Tod eine Melancholie durch ihr Gespräch. Unterstützt wird dieses durch die Personifizierung des Waldes, der als böse dargestellt wird (vgl. Z. 91). Zum Schluss verabschiedet sich Ill von Claire, indem er sie bei ihrem Mädchennamen „Klara" (Z. 117) nennt. Dies zeigt, dass die beiden in dem Wald nicht nur schlechte, sondern auch glückliche Zeiten erlebt haben.

Abschließend lässt sich sagen, dass dem Dialog eine entscheidende Bedeutung zukommt, da der Konflikt zwischen Alfred Ill und Claire Zachanassian geklärt wird, dadurch, dass Ill sich Claire gegenüber endlich einsichtig zeigt. Mich selbst hat dieses Gespräch zwischen Ill und Claire sehr zum Nachdenken angeregt, denn einerseits kann ich Claires Wunsch nach Gerechtigkeit nachvollziehen, aber andererseits denke ich nicht, dass sie dies durch Ills Tod erreichen kann. Außerdem schlägt sie einen sehr drastischen Weg ein und handelt somit meiner Meinung nach nicht besser, als Ill es damals getan hat – zumal sie auch Ills Familie durch ihr egoistisches Handeln erhebliches Leid zufügt. Folglich kann ich ihre Sichtweise nur bedingt nachvollziehen.

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