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Lexikon Deutsch

Mann, Thomas

Geboren in Lübeck am 6.6. 1875, gestorben in Zürich am 12.8.1955:
Der vier Jahre jüngere Bruder von Heinrich Mann besuchte 1882-89 eine Privatschule, danach das Gymnasium, das er 1894 mit der mittleren Reife verließ. Sein Vater, Lübecker Senator und Konsul, leitete eine Getreidegroßhandlung. Nach dem Tod des Vaters 1891 und der Auflösung des Geschäfts siedelte die Familie 1892 nach München über. Mann besuchte 1894 während seiner Zeit als Volontär bei einer Feuerversicherungssozietät Vorlesungen verschiedener Fachrichtungen an der Technischen Universität München. Thomas Mann ist der Vater der Schriftsteller Erika und Klaus Mann sowie des Historikers und Publizisten Golo Mann. 1894 erschien in der Zeitschrift Die Gesellschaft Manns erste Novelle Gefallen, weitere Novellen (Der Wille zum Glück, 1896; Der Tod, 1897) erschienen in der Zeitschrift Simplicissimus, deren Redakteur er 1898/99 war. Bei einem seiner Italienaufenthalte begann Mann die Arbeit an seinem ersten Roman Buddenbrooks. Verfall einer Familie, der 1901 erschien. Von da an war er als freischaffender Schriftsteller tätig.

Der Lebensweg ab 1914

Den Ersten Weltkrieg begrüßte Mann und verteidigte ihn, sich selbst als antidemokratisch-konservativ bezeichnend. Nach dem verlorenen Krieg wandelte er sich zum Demokraten und warnte in der Zeit der Weimarer Republik eindringlich vor dem Faschismus. Von einer Auslandsreise 1922 kehrte er aus Protest gegen das nationalsozialistische Deutschland nicht zurück, lebte zunächst in Südfrankreich, dann in der Schweiz. Ende 1933 wurde ihm die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt, er nahm daraufhin die tschechische Staatsbürgerschaft an. 1938 folgte die Übersiedelung in die USA, 1944 erhielt er die amerikanische Staatsbürgerschaft. 1949 reiste Mann erstmals wieder nach Deutschland und kehrte 1952 endgültig wieder nach Europa zurück.

Sprache und Stil

Mann gehört zu den bedeutendsten deutschsprachigen Erzählern des 20. Jahrhunderts. Mit seiner Erzähltechnik knüpfte er an die großen realistischen Erzähler des 19. Jahrhunderts an. In seinen Werken schildert er die geistigen, kulturellen und gesellschaftlichen Strömungen seiner Zeit. Charakteristisch ist der syntaktisch anspruchsvolle Stil, in dem sich Skepsis und Ironie ausdrücken. Wiederkehrendes Thema ist die Polarität von Geist und Leben, Künstler- und Bürgerexistenz. Sie steht im Vordergrund der Novellen Tonio Kröger (1903) und Der Tod in Venedig (1912).

Vollendete Novellen und Romane

Der Roman Buddenbrooks. Verfall einer Familie beschreibt unter Verwendung von zahlreichen autobiografischen Details den Niedergang einer Lübecker Kaufmannsfamilie. Die zunehmende seelisch-geistige Verfeinerung geht einher mit einem Schwinden der bürgerlichen Tugenden, die ehemals die Grundlage für den wirtschaftlichen Erfolg der Familie gewesen waren. Manns zweiter großer Roman Der Zauberberg (1924) steht in der Tradition des deutschen Bildungsromans.
In seinem wichtigsten Alterswerk Doktor Faustus (1947) nahm Mann wieder ein zeitkritisches Thema auf; eines seiner letzten Werke, Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull (1954), ist ein Fragment gebliebener Schelmenroman.
Neben seinen literarischen Werken äußerte sich Mann in zahlreichen Essays und Rundfunkansprachen zu zeitgeschichtlichen, literarischen, historischen und philosophischen Themen. 1929 erhielt Mann den Nobelpreis für Literatur für den Roman Buddenbrooks.

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