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Charakterisierung (2)


Aufgabe

Lies dir den folgenden Textauszug gut durch. Kläre unbekannte Wörter mithilfe eines Wörterbuchs. Charakterisiere die Figur „Schilinski“.

Text

Jakob von Gunten besucht eine „Knabenschule“. Er beschreibt seinen Mitschüler Schilinski folgendermaßen:

„[…] Kamerad Schilinski ist von polnischer Herkunft. Er spricht ein hübsches, gebrochenes Deutsch. Alles Fremdartige klingt nobel, ich weiß nicht, warum. Schilinskis größter Stolz besteht in einer elektrisch entzündbaren Krawattennadel, die er sich zu verschaffen gewusst hat. Auch zündet er gern, das heißt mit der größten Vorliebe, Wachsstreichhölzchen an. Seine Schuhe sind immer glänzend geputzt. Merkwürdig oft sieht man ihn seinen Anzug reinigen, seine Stiefel wichsen und seine Mütze bürsten. Er schaut sich gern in einem billigen Taschenspiegel an. Taschenspiegel besitzen wir Schüler übrigens alle, obschon wir eigentlich gar nicht wissen, was Eitelkeit alles bedeutet. Schilinski ist schlank von Figur und hat ein sehr hübsches Gesicht und Lockenhaar, das er nicht oft genug während des Tages kämmen und pflegen kann. Er sagt, er will zu einem Pferdchen. Ein Pferd zu striegeln und zu putzen und dann auszufahren, das ist sein Lieblingstraum. Recht karg steht es mit seinen Geistesgaben. Er besitzt absolut keinen Scharfsinn, und von Feinsinn oder dergleichen darf man bei ihm nicht reden. Und doch ist er durchaus nicht dumm, beschränkt vielleicht, aber ich nehme dieses Wort nicht gern in den Mund, wenn ich an meine Schulkameraden denke. […] Schilinski wird Glück im Leben haben. Die Frauen werden ihn bevorzugen, so sieht er aus, ganz wie der zukünftige Liebling der Frauen. Er hat einen an etwas Edles erinnernden bräunlichen, übrigens hellen Teint an Gesicht und Händen, und die Augen sind rehhaft schüchtern. Es sind reizende Augen. Er könnte mit seinem ganzen Wesen ein junger Landedelmann sein. Sein Benehmen mahnt an ein Landgut, wo städtisches und bäurisches, feines und grobes Wesen in anmutige, kräftige menschliche Bildung zusammenfließen. Er geht besonders gern müßig und schlendert gern in den belebtesten Straßen herum, wobei ich ihm manchmal Gesellschaft leiste, zum Entsetzen von Kraus, der den Müßiggang hasst, verfolgt und verachtet. […]“

(Aus: Robert Walser, Jakob von Gunten. Ein Tagebuch, in: ders., Sämtliche Werke in Einzelausgaben. Herausgegeben von Jochen Greven. Band 11. Mit freundlicher Genehmigung der Robert Walser-Stiftung, Bern. © Suhrkamp Verlag Zürich 1978 und 1985)

Punkteverteilung

In der Einleitung ...

  • ist der Zusammenhang zwischen der Figur und dem Text hergestellt.

 

6

Im Hauptteil ...

  • sind die äußeren Merkmale beschrieben.

 

6

  • sind die Lebensumstände der Figur beschrieben.

6

  • sind die Charaktereigenschaften, Verhaltensweisen, persönlichen Eigenarten und das Denken der Figur beschrieben.

6

  • ist das Verhalten der Figur gegenüber anderen beschrieben.

6

Im Schluss ...

  • sind die persönlichen Eindrücke von der Figur zusammengefasst und bewertet.

 

6

Die Charakterisierung ...

  • steht im Präsens.

 

5

  • ist als zusammenhängender Text verfasst.

5

  • ist in Einleitung, Hauptteil und Schluss gegliedert.

5

  • enthält Textstellen als Belege.

5

  • Schwierigkeitsgrad:  2
  • Zeit:  45 Minuten
  • Punkte:  56
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