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Lexikon Deutsch

Grass, Günter

Geboren in Danzig (heute Polen) 16.10.1927, gestorben in Lübeck am 13.4.2015:
Grass stammte aus einer deutsch-polnischen Familie. 1948-56 studierte er Grafik und Bildhauerei in Düsseldorf und Berlin, gleichzeitig entstanden seine ersten literarischen Arbeiten. 1956-60 lebte er in Paris. Ab 1961 engagierte sich Grass für die SPD, deren Mitglied er von 1982 bis 1992 war. 1986/87 zog er sich für ein halbes Jahr nach Indien zurück. Er lebte in Berlin oder in Schleswig-Holstein.

Provokation und Bruch mit Tabus

Grass' frühe Lyrik und erste Dramen, die dem absurden Theater zuzurechnen sind, fanden die Anerkennung der Kritik, hatten aber wenig Breitenwirkung. Dies änderte sich mit der Veröffentlichung des ersten Teils seiner Danziger Trilogie, dem Roman Die Blechtrommel (1959; Verfilmung von Volker Schlöndorff, 1979), der Grass berühmt machte. Der amoralische Held dieses bedeutenden deutschen Nachkriegsromans verbindet skurrile und satirische Erlebnisse durch in drastischer Sprache gehaltene Kommentare. In diesem Entwicklungs- und Zeitroman kommt schon zur Sprache, was auch in den folgenden Jahren Grass' Erzählen bestimmt: in inhaltlischer Hinsicht die autobiografisch geprägte deutsch-polnische Thematik, die Nazizeit und die Judenverfolgung, in stilistischer Hinsicht das Erzählen eines Erzähler-Ichs aus der Rückschau, das Grass später mit dem Autoren-Ich eng zusammenführt, sowie ein weltumfassender erzählerischer Zugriff und eine bilderreiche, ausschweifende Erzählweise, die auf Grass' gute Kenntnis barocker Autoren hinweist.
Der zweite Teil der Danziger Trilogie ist die klassisch gebaute Novelle Katz und Maus (1961) um Jugendliche während der Naziherrschaft. Hundejahre (1963) als dritter Teil nimmt als satirischer Roman die Zeit der Blechtrommel wieder auf.

Hinwendung zur Politik und spätes Erzählwerk

In den 1960er-Jahren begann sich Grass der Politik zuzuwenden. Die Plebejer proben den Aufstand (1966) ist u.a. eine Auseinandersetzung mit Bertolt Brechts Haltung während des Arbeiteraufstandes am 17. Juni 1953. In dem Schauspiel Davor und dem Roman Örtlich betäubt (1969) richtet sich Grass' Kritik ebenso an die Ewiggestrigen wie an die Aktivisten der Studentenrevolte von 1968. Mit dem Bericht Aus dem Tagebuch einer Schnecke (1972) resümierte er in nüchtern-ironischem Ton den Wahlkampf, den er für die SPD führte.
Danach spielte das Erzählerische wieder eine größere Rolle. 1977 publizierte Grass eine kulturgeschichtliche Auseinandersetzung mit der Frauenemanzipation, den Roman Der Butt (nach dem Märchen Vom Fischer und seiner Fru). Der Roman Die Rättin (1986) ist die Vision einer Übernahme der vom Menschen zerstörten Welt durch die solidarische Gemeinschaft der Ratten. Zu seinen vor einem Ausverkauf der DDR warnenden Schriften nach 1989 gehören u.a. Die Rede vom Verlust (1992) sowie die Romane Unkenrufe (1992) und Ein weites Feld (1995). Letzterer ist auch ein Roman um und über Theodor Fontane. 1999 erschien Mein Jahrhundert mit Erzählungen zu jedem Jahr des 20. Jh. Im gleichen Jahr wurde Grass mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet. Der 2002 erschienene Roman Im Krebsgang erzählt von dem Untergang des ehemaligen Ferienschiffes Wilhelm Gustloff, das 1945 mit Tausenden Verwundeten und Flüchtlingen an Bord von einem sowjetischen U-Boot versenkt wurde.
2006 legte Grass mit Beim Häuten der Zwiebel seine Autobiografie vor. Sein hierin erfolgtes spätes Bekenntnis, ab dem Winter 1944/45 bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges in der Waffen-SS gedient zu haben, rief rege öffentliche Diskussionen hervor.

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