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Lexikon Deutsch

Enzensberger, Hans Magnus

Geboren in Kaufbeuren am 11.11.1929:
Der Literaturwissenschaftler war unter Alfred Andersch Redakteur beim Süddeutschen Rundfunk und Lektor beim Suhrkamp Verlag, danach freier Autor. Enzensbergers Werk prägte die deutsche Literatur seit den 1960er-Jahren entscheidend mit.

Scharfe Zeit- und Gesellschaftskritik

Enzensberger gehörte in den 1950er- und 1960er-Jahren zu den jungen Sozial- und Gesellschaftskritikern in der deutschen Literatur: Seine frühen Gedichte gehen mit der satten Gesellschaft in der Nachkriegszeit ins Gericht und thematisieren die Bedrohung, die von der Verdrängung der Vergangenheit ausgeht. Sein frühes lyrisches Werk (z.B. die Gedichtbände verteidigung der wölfe, 1957, oder blindenschrift, 1964) ist dem Formenkanon der Avantgarde verpflichtet. Enzensberger bediente sich hier der Alltags-, Zeitungs- und Werbesprache:

 

lies keine oden, mein sohn, lies die fahrpläne: sie sind genauer. […]
sei wachsam, sing nicht. der tag kommt, wo sie wieder listen ans tor schlagen und malen den neinsagern auf die brust zinken
(ins lesebuch für die oberstufe)

In den 1960er-Jahren sprach Enzensberger der Literatur jede gesellschaftliche Wirkung ab und forderte neue, dokumentarische Textformen. Sein eigener Beitrag dazu sind dokumentarisch-literarische Arbeiten, wie Gespräche mit Marx und Engels (1973), Der kurze Sommer der Anarchie (1972) und Das Verhör der Habanna (1970).

Neuorientierung

Im Laufe der 1970er-Jahre wandte sich Enzensberger wieder der Lyrik zu. In Mausoleum (1975) wird in 37 Balladen die Geschichte des Fortschritts mit deutlich kulturpessimistischer Tendenz erzählt. Die poetisch-poetologische Komödie Untergang der Titanic (1978) lässt schließlich den Fortschritt zur apokalyptischen Vision werden. Kulturpessimismus und Resignation zeigen sich im folgenden Werk nicht mehr in großen politisch-intellektuellen Entwürfen, sondern in der Beschreibung des Einzelfalls, so in den Essays Ach, Europa! (1987), Aussichten auf den Bürgerkrieg (1993) oder Schreckens Männer (2006) und in den Lyriksammlungen Zukunftsmusik (1991) und Kiosk (1995). Hinzu kommen biografische Arbeiten wie Diderots Schatten (1994).
Integraler Bestandteil seines Werkes sind außerdem seine Herausgeberschaften, u.a. in der Anderen Bibliothek, die sich der Wiederentdeckung literarischer Meisterwerke widmet, und seine Übersetzungen, u.a. der europäischen und lateinamerikanischen Moderne (Lars Gustaffson, Wystan Hugh Auden, William Carlos Williams, Pablo Neruda).

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