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Wie du die Analyse eines epischen Textes vorbereitest

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Analyse eines epischen Textes vorbereiten

Analyse eines epischen Textes vorbereiten (2)

Wie du Textart und Textstil in der Epik bestimmst

Schritt-für-Schritt-Anleitung

Aufgabe

Analysiere die Figurenrede in Hebels Text und bestimme die Stilebene.

Material: 

johann_peter_hebel_kaiser_napoleon_und_die_obstfrau_in_brienne.pdf

Schritt 1: Bestimme die epische Form

Bestimme, welche epische Form bei dem Textausschnitt vorliegt. Oftmals gibt dir die Aufgabenstellung schon einen Hinweis. Rufe dir die charakteristischen Merkmale und Aussageabsichten der epischen Formen ins Gedächtnis.

Merkmale epischer Formen

Schritt 2: Ermittle den Textstil

Die Besonderheiten der sprachlichen Darstellungsweise bezeichnet man als Stil. Stilistische Eigenheiten können auf Vorlieben eines Autors beruhen, aber der Stil hängt auch von anderen Bedingungen ab. Manche Textsorten verlangen eine entsprechende Schreibweise (z. B. der schmucklose Stil der Kurzgeschichte) und in einer Epoche kann ein besonderer Stil vorherrschen (z. B. der üppige Stil des Barock).

Stilebenen

Der Autor eines epischen Textes entscheidet sich zunächst für eine Stilebene:

  • gewählt-gehobener Stil: z. B. „Antlitz/Angesicht“, „entschlafen/ableben“
  • normalsprachlicher Stil: z. B. „Gesicht“, „sterben“
  • umgangssprachlich-vulgärer Stil: z. B. „Visage/Fresse“, „abkratzen/verrecken“

Charakterisiere den Stil des Textes. Achte dabei auf die Bevorzugung bestimmter Wörter, Wortarten, Satzarten usw. sowie auf auffällige Stilfiguren wie Wortfiguren, Satzfiguren, Gedankenfiguren, Wiederholungs- und Klangfiguren (siehe S. 10 ff.).
Bei der Analyse des Satzbaus helfen dir folgende Leitfragen:

  • Kommen bestimmte Satzarten (Fragesätze, Ausrufe, Passivsätze) häufig vor?
  • Was fällt dir beim Satzumfang auf? Überwiegen kurze, möglicherweise unvollständige Sätze, die z. B. den Eindruck von Nervosität erwecken? Gibt es hauptsächlich lange Sätze, die z. B. eine intensive Beschreibung beinhalten?
  • Finden sich vor allem Satzreihen oder Satzgefüge? Werden mit Hypotaxen (Satzgefüge aus Haupt- und Nebensätzen) temporale oder kausale Zusammenhänge klar vermittelt? Werden mit Parataxen (Satzreihen aus einzelnen Hauptsätzen) Sachverhalte eher unzusammenhängend dargestellt?
  • Werden Satzfiguren (auffällige Abweichungen von der gängigen Syntax) benutzt? Für Erzähltexte sind vor allem folgende Satzfiguren wichtig: Asyndeton, Akkumulation/ Häufung, Ellipse, Inversion, Klimax, Parallelismus (vgl. S. 12). 

Bei der Analyse der Wortwahl helfen dir folgende Leitfragen:

  • Überwiegen bestimmte Wortarten? Nominalstil kann statisch, Verbalstil eher dynamisch wirken; die gehäufte Verwendung von Adjektiven lebendig.
  • Wird Alltagssprache oder Fachwortschatz verwendet?
  • Gibt es Wörter und Wendungen aus dem Dialekt?
  • Findet man auffallend häufige Wiederholungen einzelner Wörter?
  • Werden Wortfiguren (Abweichungen von der üblichen Wortwahl) benutzt, z. B. Anapher, Hyperbel (starke Übertreibung), Metapher, Neologismus (Wortneuschöpfung), Vergleich (vgl. S. 10 ff.)?

Frage dich immer nach der Wirkung der Stilmittel: Welche Absicht verfolgt der Autor mit dem Einsatz bestimmter sprachlicher Mittel, welche Wirkung wird erzielt? Bestimme, welche ersten Informationen du aus dem Stil über den Erzähler und die Figuren ableiten kannst:

  • Der Stil in der Erzählerrede zeigt das Verhalten des Erzählers (auktorialer Erzähler vs. personaler Erzähler). Der Stil der Erzählerrede ist ein Mittel der Leserlenkung: Ein besonders emotionaler, umgangssprachlich gefärbter Stil wirkt anders als eine nüchterne Erzählweise und kann den Leser u. U. besonders für eine Figur einnehmen.
  • Der Stil der Figurenrede trägt zur Charakterisierung einzelner Figuren hinsichtlich ihres Bildungsstandes, Sozialverhaltens, ihrer psychischen Verfassung bei.

Lösung

Festzustellen ist eine mittlere bis gehobene Stilebene trotz sozialer Unterschiede und unterschiedlichen Bildungsstands der Figuren. Auch in einem Moment großer Erregung – z. B. als sich der Kaiser der Obstfrau zu erkennen gibt – ändert sich die Stilebene nicht. An der Stilebene der Figurenrede kann daher weder die äußere noch die innere Verfassung der jeweiligen Figuren abgelesen werden; sie erscheint dem modernen Leser vielleicht als auffällig und ungewohnt, dennoch handelt es sich hierbei um übliche Umgangsformen der damaligen Zeit.

Textart und Textstil in der Epik bestimmen

Textart und Textstil in der Epik bestimmen

Wie du die Handlung eines epischen Textes untersuchst

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Handlung eines epischen Textes untersuchen

Handlung eines epischen Textes untersuchen

Wie du die Erzählerfigur analysierst

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Erzählfigur eines epischen Textes analysieren

Erzählfigur eines epischen Textes analysieren

Wie du Raum und Zeit in der Epik untersuchst

Schritt-für-Schritt-Anleitung

Aufgabe

Gliedere Hebels Kalendergeschichte in Sequenzen, die hinsichtlich Zeit, Ort und Figuren möglichst einheitlich sind.

Material: 

johann_peter_hebel_kaiser_napoleon_und_die_obstfrau_in_brienne.pdf

Schritt 1: Bestimme das Raumkonzept

In vielen Texten spielt es eine Rolle, an welchen Orten sich die einzelnen Ereignisse zutragen. Berücksichtige bei der Erschließung eines epischen Textes immer die Funktion des Raumes.
Der Schauplatz kann

  • eine Handlung ermöglichen: Eine Handlung kann einen bestimmten Schauplatz erfordern, z. B. ein Amtszimmer oder eine Hafenstadt;
  • Figuren charakterisieren: Eigenarten von Figuren können sich in ihrem Lebensraum zeigen, z. B. in der Zimmereinrichtung oder einer kargen Landschaft;
  • eine bestimmte Atmosphäre erzeugen: Stimmungen wie Niedergeschlagenheit können z. B. in der Enge und Düsternis eines Zimmers illustriert werden;
  • einen Kontrast darstellen: Der Kontrast kann für die Handlung wichtig sein, z. B. die ärmlichen Zimmer der Dienstboten, die repräsentativen Räume der Herrschaft;
  • symbolisch Inhalte und Probleme widerspiegeln: Die Grundidee eines Erzähltextes kann sich im Ort der Handlung zeigen, z. B. ein erfolgreicher Aufstieg zu Macht und Einfluss in einer lebhaften und modernen Stadt.

Schritt 2: Analysiere die Zeitgestaltung

Für viele Texte ist es von Bedeutung, wann die Ereignisse einer Geschichte zeitlich angesiedelt sind. Häufig haben die zeitlichen Bedingungen einen symbolischen Gehalt oder sind für die Charakterisierung von Figuren wichtig. Folgende Leitfragen helfen dir bei der Untersuchung der zeitlichen Bedingungen.

  • Zeitalter: In welcher Zeit ist das Geschehen historisch angesiedelt? Welches Weltbild hatten die Menschen zu dieser Zeit? Welche politischen und sozialen Gegebenheiten kennzeichnen die Epoche?
  • Tages- und Jahreszeit: Steht eine Tages- oder Jahreszeit für eine bestimmte Entwicklung, z. B. Morgen – Neubeginn, Herbst – Verfall? Erzeugt sie eine besondere Atmosphäre?
  • Lebensabschnitt der Figuren: Welchen Lebensabschnitt erleben die Figuren gerade (Jugend, Alter usw.)? Haben sie daher eine bestimmte Haltung zur Zeit?

Erfasse die Zeitstruktur der Handlung, indem du die beiden Zeitebenen des Textes, Erzählzeit und erzählte Zeit, untersuchst.

Erzählzeit und erzählte Zeit

Unter Erzählzeit versteht man die Zeitspanne, die der Erzähler benötigt, um die Geschichte zu erzählen. Man kann sie gleichsetzen mit der Lesezeit, die der Leser braucht, um den Text zu lesen.
Die erzählte Zeit dagegen umfasst die Zeitspanne, die die dargestellten Ereignisse in Anspruch nehmen, z. B. einen Tag im Leben eines Menschen oder die mehrere Jahrzehnte umfassende Geschichte einer Familie.

Untersuche anschließend das Verhältnis von Erzählzeit zu erzählter Zeit, um die Zeitstruktur des Textes zu beschreiben. Anhand der Zeitstruktur kannst du ablesen, welchen Teilen des Geschehens der Erzähler Bedeutung beimisst. Erzählzeit und erzählte Zeit können in folgenden Verhältnissen zueinander stehen.

  • Zeitdeckung: Erzählzeit und erzählte Zeit sind (in etwa) gleich lang. Der Leser hat den Eindruck, unmittelbar am Geschehen teilzuhaben, wenn z. B. in wörtlicher Rede Dialoge wiedergegeben werden.
  • Zeitraffung: Die Erzählzeit ist kürzer als die erzählte Zeit, wenn längere Zeiträume in einer Zusammenfassung dargestellt werden. Dabei kann die Zeit nur leicht gerafft werden, die Raffung kann aber auch so stark sein, dass mehreren Jahren oder Jahrzehnten nur wenige Worte gewidmet werden. Von einem Zeitsprung spricht man, wenn größere Zeiträume ganz ausgelassen werden. Bei der Zeitraffung entsteht Distanz zum Dargestellten, da der Erzähler es für wenig bedeutsam hält.
  • Zeitdehnung: Die Erzählzeit ist länger als die erzählte Zeit. Gedehnt wird die Zeit häufig bei der ausführlichen Wiedergabe von Gedanken und Gefühlen, die eine Handlung begleiten. Solche Passagen sind im Gesamtzusammenhang meist bedeutsam.
  • Zeitpause: Kommentare eines auktorialen Erzählers benötigen Erzählzeit, bringen aber die erzählte Zeit nicht voran. Die Handlung steht während solcher Einschübe gleichermaßen still.

Lösung

Die erste Erzähleinheit (Sequenz) spielt in Brienne:
Die räumlichen Umstände werden genannt; die Beziehung von Napoleon und der Obstfrau wird zeitraffend, die letzte Begegnung weitgehend zeitdeckend dargestellt.

Die zweite Erzähleinheit umfasst die Zeilen 11–19:
Hier erfolgt eine starke Raffung des Erzählten – dieser Teil unterscheidet sich somit stark von dem vorhergehenden und dem nachfolgenden Text. Es wird von Napoleon und von den verschiedenen Plätzen der Weltgeschichte berichtet.

Die dritte Erzähleinheit beginnt in Zeile 20.
Sie spielt wieder in Brienne und zeigt ein Geschehen zwischen Napoleon und der Obstfrau, das weitgehend zeitdeckend geschildert wird. Innerhalb der Sequenzen wechseln die Erzählweisen.

Raum und Zeit eines epischen Textes untersuchen

Raum und Zeit eines epischen Textes untersuchen

Wie du die Figuren eines epischen Textes analysiert

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Figuren eines epischen Textes analysieren

Figuren eines epischen Textes analysieren

Wie du einen Aufsatz zu einem epischen Text gliederst und verfasst

Schritt-für-Schritt-Anleitung

Schritt 1: Formuliere die Einleitung

Nenne in der Einleitung die Grundinformationen zu dem zu analysierenden Text wie Autor, Titel, Entstehungszeit und Thema. Nenne bei einem Auszug aus einem bekannten Text relevante Angaben zu den handelnden Figuren, dem Schauplatz und den unmittelbaren Voraussetzungen der Handlung. Formuliere dein vorläufiges Textverständnis in Form einer Deutungshypothese.

Schritt 2: Schreibe den Hauptteil

Stelle deiner Analyse bei längeren Texten eine kurze Inhaltsangabe voran und gib darin das erzählte Geschehen wieder.

Inhaltsangabe

  • Die Zeitform einer Inhaltsangabe ist das Präsens. Wird etwas unmittelbar Vorausgehendes „nachgeholt“, wählt man das Perfekt (Vorzeitigkeit).
  • In der Inhaltsangabe wird keine direkte Rede verwendet; sie ist nicht in der Ichform verfasst.
  • Gib den Inhalt der Textvorlage mit eigenen Worten wieder. Schlüsselwörter des Textes kannst du übernehmen – nicht aber Teile von Sätzen oder ganze Sätze.
  • Die Inhaltsangabe wird in einem sachlichen Stil verfasst – im Gegensatz zur Nacherzählung, die anschaulich, lebendig und spannend sein soll.
  • Die Inhaltsangabe beschränkt sich auf die wesentlichen Einzelheiten der Vorlage. Sie ist kürzer als die Textvorlage.
  • Die Inhaltsangabe enthält keine Bewertungen, Kommentare oder Interpretationsansätze.

Entscheide, ob sich eine lineare oder eine aspektorientierte Darstellung deiner Untersuchungsergebnisse für die geforderte Analyse anbietet.

  • Deute den Text beim linearen Verfahren Abschnitt für Abschnitt. Das ist sinnvoll bei offenen Aufgabenstellungen oder wenn etwa die Entwicklung einer Figur aufgezeigt werden soll.
  • Gliedere den Text beim aspektorientierten Verfahren nach den einzelnen Deutungsaspekten. Das ist sinnvoll, wenn in der Aufgabe mehrere Aspekte angegeben werden. Beziehe dich dabei in jedem Abschnitt auf den gesamten Text(ausschnitt).

Bedenke immer, ob deine Beobachtungen relevant für die Analyse bzw. die konkrete Fragestellung sind. Verknüpfe deine Beobachtungen immer mit der Funktion, die sie für den Text erfüllen. Vermeide eine Aneinanderreihung von Details und wähle für deine Darstellung eine angemessene Sprache (vgl. S. 48/49).
Verwende die indirekte Redewiedergabe (vgl. S. 25), um dem Leser zu verdeutlichen, dass Aussagen von einer Figur stammen und nicht deine eigenen Ansichten sind. Belege deine Aussagen mit Zitaten (siehe S. 7).

Schritt 3: Verfasse den Schluss

Fasse deine Ergebnisse zusammen und gib eine abschließende Deutung ab. Vergleiche anschließend deine Untersuchungsergebnisse mit deinem Vorverständnis oder deiner Deutungshypothese.
Hat sich dein Vorverständnis geändert? Möglich ist auch – je nach Aufgabenstellung – der Blick auf übergreifende Zusammenhänge.

Aufsatz zu einem epischen Text gliedern und verfassen

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