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Wie du Textsorte und Kommunikationssituation im Sachtext bestimmst


Aufgabe

Lies die Rede von George Bush.
Finde Beispiele für Techniken, mit denen Bush seine Zuhörer in der Fernsehansprache beeinflussen will.

george_w_bush_fernsehansprache_am_12-9-2001.pdf

Schritt 1: Bestimme die Textsorte

Sachtexte sind mit einer bestimmten Intention verfasst, die maßgeblich für die Struktur des Textes ist. Je nach Intention unterscheidet man verschiedene Sachtextsorten. Bestimme zunächst, um welche Textsorte es sich bei dem zu untersuchenden Text handelt.
Zur Bestimmung der Textsorte untersuchst du die sprachlichen und inhaltlichen Einzelheiten und bestimmst, welche Textsorte dadurch repräsentiert wird. Stelle dir dabei die folgenden Fragen:

  • Gibt der Text Tatsachen wieder? Drückt der Text Gefühle aus? Will der Text für etwas werben?
  • Handelt es sich um einen argumentativen Text, der Hypothesen aufstellt? Geht es um einen erklärenden oder belehrenden Text für eine bestimmte Adressatengruppe? Geht es um einen Text, in dem für eine bestimmte Gruppe von Menschen Normen formuliert sind?

Verdeutliche dir bei der Bestimmung der Textsorte immer, welche (hauptsächliche) Funktion mit dieser Textsorte einhergeht:

  • informierende Funktion: Hier steht die Vermittlung von Informationen im Vordergrund (Nachrichten, Lexikonartikel, Gesetzestext, Bericht).
  • argumentierende Funktion: Hier wird zu bestimmten Sachverhalten Position bezogen (Kommentar, Glosse).
  • appellierende Funktion: Diese Texte sollen eine Verhaltensänderung beim Leser herbeiführen (Flugblatt, öffentliche Rede, Werbetext).

Schritt 2: Erkenne die Sachtextsorte

  • Rede: monologische Form öffentlichen Sprechens zur Beeinflussung von Zuhörern; man unterscheidet nach Anlass und Intention Feierrede, Festrede, Gerichtsrede, politische Rede, Referat, Fachvortrag, Hearing und Statement.
  • Rezension: kritische Besprechung eines Buches, eines Films oder einer Theateraufführung.
  • Kommentar: subjektive Auslegung oder Erläuterung eines Textes in Anmerkungen mit dem Ziel der Meinungsbildung.
  • Glosse: kürzere Kommentierung eines aktuellen politischen, kulturellen oder sportlichen Themas oder Ereignisses, häufig in polemischer Art und Weise.
  • Zeitungsbericht: sachliche und objektive Wiedergabe der wesentlichen Fakten und Hintergründe eines Ereignisses. Die Schlagzeile fasst das Thema verkürzt zusammen. Die Unterüberschrift gibt die wesentlichen Fakten schlagwortartig wieder. Der Vorspann informiert in kurzen Aussagesätzen über die Geschehnisse. Der Meldeblock (Hauptteil) beantwortet die journalistischen W-Fragen (Wer? Was? Wann? Wo? Wie? Warum?).

Schritt 3: Beschreibe die Kommunikationssituation

Zur Bestimmung der Kommunikationssituation untersuchst du die Produktionsbedingungen des Textes und überlegst, welche Rezeption der Autor intendiert hat. Stelle dir dabei die folgenden Fragen.

  • Wer hat den Text verfasst? Handelt es sich um einen Journalisten, einen Politiker, einen Leser (Leserbrief) usw.?
  • Wo ist der Text (im Original) zu finden? Erschien der Text in einer Zeitung? An welchem Ort wurde die Rede gehalten?
  • Wann ist der Text erschienen bzw. wurde die Rede gehalten?
  • Welchen Zweck verfolgt der Verfasser? Wird diese Absicht ausdrücklich formuliert oder steht sie zwischen den Zeilen?
  • An welches Publikum wendet sich der Verfasser aufgrund von Inhalt und Sprachstil? Spricht er einzelne, individuelle Leser oder ein Massenpublikum an? Handelt es sich um ein Fach- oder Laienpublikum, ein kritisches oder unkritisches Publikum, homogenes oder heterogenes Publikum im Hinblick auf Weltanschauung, politische oder religiöse Gesinnung?
  • Spricht der Verfasser den Verstand, das Gefühl oder das moralische Gewissen des Lesers oder Zuhörers an?
  • Wozu soll der Leser oder Zuhörer beeinflusst werden? Vor allem in politischen Reden und Debatten verwenden Redner verschiedene Techniken, um ihre Zuhörer zu beeinflussen.

Schritt 4: Analysiere die Technik der Beeinflussung

Aufwertung der eigenen Position

  • eigene Interessen als Interessen aller darstellen
  • Wir-Gefühl erzeugen
  • der eigenen Gruppe positive Attribute zuschreiben (Ehrlichkeit, Gerechtigkeit usw.)
  • Verben, Metaphern und Adjektive verwenden, die die Dynamik und Entschlusskraft der eigenen Seite unterstreichen („Aufschwung“, „durchsetzen“, „aufwärts“)

Abwertung der Gegenposition

  • Fehler und Fehlentwicklungen dem Gegner zuschreiben
  • ungünstige Aspekte der Gegenargumentation aufzeigen
  • Gegner mit negativen Werten in Verbindung bringen (Lüge, Zwang, Betrug usw.)
  • abwertende Metaphern für den Gegner verwenden („Gift für das Land“, „Rattenfänger“)

Dramatisierung

  • Bedrohungsszenarien entwickeln („Schlacht“, „Kampf“, Angriff“)
  • Ängste bei den Zuhörern schüren und unterstützen

Ablenkung vom Thema und Beschwichtigung

  • problematische Themen ignorieren und stattdessen Erfolge darstellen
  • Relativierung kritischer Aspekte durch Euphemismen (Beschönigungen)
  • Appell an ein Gemeinschaftsgefühl („Alle müssen etwas beitragen“)

Beziehe in deine Untersuchung auch die folgenden übergeordneten textexternen Gesichtspunkte mit ein, wenn sie für das Verständnis des Textes relevant sind:

  • Welchen Stellenwert hat der Text im Werk- und Publikationszusammenhang des Autors (falls bekannt)?
  • Lässt er sich einer bestimmten Zeit, Epoche, Stilrichtung oder Weltanschauung zuordnen?
  • Kennst du ähnliche Standpunkte?

Lösung

Wir-Gefühl erzeugen: „unsere Bürger“ (Z. 1), „unsere Lebensweise“ (Z. 1), „unsere Freiheit“ (Z. 1), „unsere Nation“ (Z. 9), „unser Land“ (Z. 10), „unsere Finanzsituation“ (Z. 33), „wir stehen zusammen“ (Z. 45), „alle Amerikaner“ (Z. 51) usw.

positive Attribute für die eigene Position: Freiheit (Z. 1), stark (Z. 10), Entschlossenheit (Z. 14), „weil wir in der Welt die strahlende Fackel der Freiheit und der Selbstverwirklichung sind“ (Z. 15/16), „beste Seite Amerikas“ (Z. 19), Hilfsbereitschaft (Z. 20), Frieden (Z. 52), Gerechtigkeit (Z. 52), „gut und gerecht“ (Z. 55)

Abwertung der Gegenposition: böse (Z. 5), niederträchtig (Z. 5), „schlimmste Seite der menschlichen Natur“ (Z. 18/19) 

problematische Themen ignorieren, stattdessen Erfolge darstellen: „Dies ist nicht gelungen“ (Z. 10), „Terroristische Anschläge können zwar die Fundamente … erschüttern, aber nicht das Fundament Amerikas“ (Z. 12/13), „wir haben geantwortet mit …“ (Z. 19), „unsere Streitkräfte sind stark“ (Z. 24), „… werden noch heute Abend ihre Arbeit wieder aufnehmen …“ (Z. 32), „Die Suche nach den Hintermännern … läuft“ (Z. 35) usw.

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