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Wie du Raum und Zeit in der Epik untersuchst


Aufgabe

Gliedere Hebels Kalendergeschichte in Sequenzen, die hinsichtlich Zeit, Ort und Figuren möglichst einheitlich sind.

johann_peter_hebel_kaiser_napoleon_und_die_obstfrau_in_brienne.pdf

Schritt 1: Bestimme das Raumkonzept

In vielen Texten spielt es eine Rolle, an welchen Orten sich die einzelnen Ereignisse zutragen. Berücksichtige bei der Erschließung eines epischen Textes immer die Funktion des Raumes.
Der Schauplatz kann

  • eine Handlung ermöglichen: Eine Handlung kann einen bestimmten Schauplatz erfordern, z. B. ein Amtszimmer oder eine Hafenstadt;
  • Figuren charakterisieren: Eigenarten von Figuren können sich in ihrem Lebensraum zeigen, z. B. in der Zimmereinrichtung oder einer kargen Landschaft;
  • eine bestimmte Atmosphäre erzeugen: Stimmungen wie Niedergeschlagenheit können z. B. in der Enge und Düsternis eines Zimmers illustriert werden;
  • einen Kontrast darstellen: Der Kontrast kann für die Handlung wichtig sein, z. B. die ärmlichen Zimmer der Dienstboten, die repräsentativen Räume der Herrschaft;
  • symbolisch Inhalte und Probleme widerspiegeln: Die Grundidee eines Erzähltextes kann sich im Ort der Handlung zeigen, z. B. ein erfolgreicher Aufstieg zu Macht und Einfluss in einer lebhaften und modernen Stadt.

Schritt 2: Analysiere die Zeitgestaltung

Für viele Texte ist es von Bedeutung, wann die Ereignisse einer Geschichte zeitlich angesiedelt sind. Häufig haben die zeitlichen Bedingungen einen symbolischen Gehalt oder sind für die Charakterisierung von Figuren wichtig. Folgende Leitfragen helfen dir bei der Untersuchung der zeitlichen Bedingungen.

  • Zeitalter: In welcher Zeit ist das Geschehen historisch angesiedelt? Welches Weltbild hatten die Menschen zu dieser Zeit? Welche politischen und sozialen Gegebenheiten kennzeichnen die Epoche?
  • Tages- und Jahreszeit: Steht eine Tages- oder Jahreszeit für eine bestimmte Entwicklung, z. B. Morgen – Neubeginn, Herbst – Verfall? Erzeugt sie eine besondere Atmosphäre?
  • Lebensabschnitt der Figuren: Welchen Lebensabschnitt erleben die Figuren gerade (Jugend, Alter usw.)? Haben sie daher eine bestimmte Haltung zur Zeit?

Erfasse die Zeitstruktur der Handlung, indem du die beiden Zeitebenen des Textes, Erzählzeit und erzählte Zeit, untersuchst.

Erzählzeit und erzählte Zeit

Unter Erzählzeit versteht man die Zeitspanne, die der Erzähler benötigt, um die Geschichte zu erzählen. Man kann sie gleichsetzen mit der Lesezeit, die der Leser braucht, um den Text zu lesen.
Die erzählte Zeit dagegen umfasst die Zeitspanne, die die dargestellten Ereignisse in Anspruch nehmen, z. B. einen Tag im Leben eines Menschen oder die mehrere Jahrzehnte umfassende Geschichte einer Familie.

Untersuche anschließend das Verhältnis von Erzählzeit zu erzählter Zeit, um die Zeitstruktur des Textes zu beschreiben. Anhand der Zeitstruktur kannst du ablesen, welchen Teilen des Geschehens der Erzähler Bedeutung beimisst. Erzählzeit und erzählte Zeit können in folgenden Verhältnissen zueinander stehen.

  • Zeitdeckung: Erzählzeit und erzählte Zeit sind (in etwa) gleich lang. Der Leser hat den Eindruck, unmittelbar am Geschehen teilzuhaben, wenn z. B. in wörtlicher Rede Dialoge wiedergegeben werden.
  • Zeitraffung: Die Erzählzeit ist kürzer als die erzählte Zeit, wenn längere Zeiträume in einer Zusammenfassung dargestellt werden. Dabei kann die Zeit nur leicht gerafft werden, die Raffung kann aber auch so stark sein, dass mehreren Jahren oder Jahrzehnten nur wenige Worte gewidmet werden. Von einem Zeitsprung spricht man, wenn größere Zeiträume ganz ausgelassen werden. Bei der Zeitraffung entsteht Distanz zum Dargestellten, da der Erzähler es für wenig bedeutsam hält.
  • Zeitdehnung: Die Erzählzeit ist länger als die erzählte Zeit. Gedehnt wird die Zeit häufig bei der ausführlichen Wiedergabe von Gedanken und Gefühlen, die eine Handlung begleiten. Solche Passagen sind im Gesamtzusammenhang meist bedeutsam.
  • Zeitpause: Kommentare eines auktorialen Erzählers benötigen Erzählzeit, bringen aber die erzählte Zeit nicht voran. Die Handlung steht während solcher Einschübe gleichermaßen still.

Lösung

Die erste Erzähleinheit (Sequenz) spielt in Brienne:
Die räumlichen Umstände werden genannt; die Beziehung von Napoleon und der Obstfrau wird zeitraffend, die letzte Begegnung weitgehend zeitdeckend dargestellt.

Die zweite Erzähleinheit umfasst die Zeilen 11–19:
Hier erfolgt eine starke Raffung des Erzählten – dieser Teil unterscheidet sich somit stark von dem vorhergehenden und dem nachfolgenden Text. Es wird von Napoleon und von den verschiedenen Plätzen der Weltgeschichte berichtet.

Die dritte Erzähleinheit beginnt in Zeile 20.
Sie spielt wieder in Brienne und zeigt ein Geschehen zwischen Napoleon und der Obstfrau, das weitgehend zeitdeckend geschildert wird. Innerhalb der Sequenzen wechseln die Erzählweisen.

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