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Wie du Handlung und Spannungsaufbau eines Dramas untersuchst


Aufgabe

Lies den Auszug aus Schillers Drama „Don Carlos".
Erschließe den Gesprächsverlauf des vorliegenden Szenenausschnitts und beziehe dabei dramaturgische Gestaltungsmittel mit ein.

friedrich_schiller_don_carlos_ausschnitt.pdf

Schritt 1: Analysiere Handlung und Konflikt

Unterscheide zunächst zwischen Haupt- und Nebenhandlung. Gibt es eine Nebenhandlung, untersuche, welche Bedeutung ihr zukommt: Wird die Haupthandlung von der Nebenhandlung unterbrochen? Spiegelt die Nebenhandlung die Haupthandlung auf einer zweiten Ebene? Die Nebenhandlung kann als eingeschobene, abgeschlossene Episode als Kontrast oder Verstärkung der Haupthandlung dienen.
Unterscheide außerdem äußere und innere Vorgänge. Beide Handlungen werden durch die Figurenrede vermittelt und stehen in einem Wechselverhältnis zueinander. Analysiere, wie die äußeren Vorgänge das Bewusstsein der Figuren verändern und wie ihr verändertes Bewusstsein den weiteren (äußeren) Handlungsverlauf bestimmt.

Innere und äußere Handlung

  • äußere Handlung: Abfolge direkt wahrnehmbarer Vorgänge, z. B. Intrigen, Machtkämpfe.
  • innere Handlung: geistige, seelische und moralische Entwicklung einer Figur, z. B. Einsicht, Bekenntnis, Sehnsucht, innerer Rückzug, Verachtung, Verrohung usw.

Arbeite die Wechselwirkung von Handlung, Handlungsvoraussetzungen und Figurenentwicklung mithilfe der folgenden Aspekte heraus:

  • Handlungsschritte: Achte darauf, wie die Figuren eine vorhandene, meist konfliktgeladene Situation verändern bzw. das Opfer solcher Veränderungen werden.
  • Handlungsspielraum: Können die Figuren sich frei entscheiden und den Gang der Handlung zielgerichtet bestimmen oder lassen sie das Geschehen passiv über sich ergehen, sind sie von vornherein in ihren Handlungsspielräumen begrenzt bzw. können sie überhaupt nicht handeln?
  • Tempo der Handlung: Sind die Figuren von schnellen Entwicklungen betroffen (dynamischer Handlungsverlauf), stehen sie unter Zeit- oder Entscheidungsdruck, oder verändert sich die Situation langsam oder gar nicht (statischer Handlungsverlauf) und das Handeln der Figuren bleibt folgenlos?

Arbeite heraus, durch welchen Konflikt die Handlung ausgelöst oder vorangetrieben wird.
Unterscheide dabei zwischen

  • äußerem Konflikt, in dem sich zwei oder mehr Parteien um Macht, Besitz, die Gunst eines Menschen oder Ähnliches streiten, und
  • innerem Konflikt, in dem sich eine Figur zwischen entgegengesetzten Wünschen, Forderungen, Idealen oder Erwartungen entscheiden muss.

Schritt 2: Bestimme die Spannungsphasen

Untersuche, wie in der Szene Spannung aufgebaut wird. Unterscheide bei der Untersuchung des Spannungsaufbaus zwischen den folgenden vier Phasen:

  • Spannungserzeugung: Es wird eine Frage aufgeworfen.
  • Spanungssteigerung: Das Interesse des Lesers bzw. Zuschauers an der Beantwortung dieser Frage wird gesteigert.
  • Spannungsverzögerung (retardierendes Moment): Die Beantwortung der Frage wird hinausgeschoben.
  • Spannungslösung: Die Frage wird beantwortet.


Bestimme anschließend, wie sich die zu untersuchende Szene in den Spannungsbogen des Dramas einordnen lässt. Unterscheide zur richtigen Einordnung der Szene:

  • Finalspannung: Die Spannung wird durch den zentralen Konflikt erzeugt und am Schluss des Dramas gelöst. Der Spannungsbogen erstreckt sich über den gesamten Text.
  • Detailspannung: Der Spannungsbogen beschränkt sich nur auf einen Teil des Dramas, in dem die Frage aufgeworfen und gleich wieder beantwortet wird.

Lösung

Zunächst zeigt sich Marquis Posa der menschenverachtenden Position des Königs gegenüber verständnisvoll und bringt diesen damit auf seine Seite. Die Menschen ordneten sich, überfordert von der inneren Freiheit, demnach freiwillig
unter und verdienten deshalb nur Verachtung (V. 1–17). In einem weiteren Schritt stellt der Marquis fest, dass sich der König in einer ambivalenten Situation befindet: Auf der einen Seite sei er um seine gottähnliche Stellung als Herrscher zu beneiden, auf der anderen Seite müsse man Mitleid mit ihm haben, da er für diese machtvolle Stellung den Preis zahle, einsam zu sein. Der König zeigt sich von dieser Schilderung berührt. Posa nutzt diese emotionale Ergriffenheit und stellt den Sinn dieses Preises infrage, zumal Philipp nur deshalb so mächtig sei, weil im Gegenzug seine Untertanen
unterdrückt würden (V. 23–49). Emotional ergriffen von Posas Worten, fordert der König ihn auf, weiterzusprechen (V. 59–65). Posa entwickelt daraufhin ein Gegenbild zum Wohlstand der spanischen Provinzen, indem er die schrecklichen Folgen der blutigen Unterdrückung aufzeigt (V. 68–73). Die Regieanweisungen zeigen, dass der König durch Posas Worte beschämt wird (V. 74–76). Posa deutet diese nonverbalen Signale als Zustimmung, entkräftet ein mögliches Gegenargument und hebt dann zu seiner Zukunftsvision von einem Staat an, in dem Herrscher und Untertanen in Harmonie miteinander leben (V. 77–89). Der König verteidigt sein blutiges Vorgehen mit dem inneren Frieden, der daraus für sein Reich erwachsen solle (V. 91–96). Dieses Gegenargument lässt der Marquis nicht gelten und verweist darauf, dass dies ein trügerischer Frieden sei, da sich Spaniens Ruhm und Glanz bereits im Zerfall befänden. Mit Sorge schildert er die Flucht verfolgter Protestanten aus dem spanischen Reich und die damit verbundene wirtschaftliche Bedrohung Spaniens (V. 98–116). Wieder erfährt der Leser über den Nebentext, dass der König emotional berührt ist (V. 117/118) und Marquis Posa diese Chance ergreift, um in seiner Argumentation fortzufahren. Er zeichnet ein schauriges Bild eines grausamen Despoten und äußert sein Bedauern darüber (V. 119–131). Der Dialog mündet in einen engagierten Appell des Marquis an den König, die Freiheiten des Volkes wieder zu gewähren (V. 136–143). Die Dramatik des Dialogs steigert sich zum Höhepunkt, als Posa, ergriffen und beherrscht von seinen Ideen, zu seinem Schlussplädoyer anhebt. Die Hierarchie scheint sich hier endgültig umzukehren: Der König ist zum bloßen Stichwortgeber geworden, die Redeanteile des Marquis dominieren das Gespräch bis zum Schluss. Hier drängt Posa den König dazu, als Vorbild für alle absolutistischen Herrscher zu agieren und seinem Volk Gedankenfreiheit zu gewähren (V. 146–168). Posas Argumentation endet mit einem dramatischen Höhepunkt: Er traut sich als Untergebener in einem absolutistischen Staat, dem Herrscher nahezulegen, Gedankenfreiheit zu gewähren. In unmittelbarer Folge signalisiert er ihm aber mit einer Unterwerfungsgeste (Regieanweisung: „Sich ihm zu Füßen werfend“, V. 163), dass er ihm die Handlungsmacht zurückgibt, die er ihm vorher durch seine Dominanz im Gespräch genommen hatte.

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