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Schritt-für-Schritt-Anleitung

Wie du eine Gedichtinterpretation gliederst und verfasst

Aufgabe

Formuliere eine schlüssige und gegliederte Analyse des Gedichts „Die eine Klage“ mit Einleitung, Hauptteil und Schluss.

karoline_von_guenderrode_die_eine_klage.pdf

Schritt 1: Schreibe die Einleitung

Nenne in der Einleitung die Grundinformationen zu dem Gedicht wie Autor, Titel, Entstehungszeit und Thema. Formuliere anschließend dein Vorverständnis des Gedichts. Dabei kannst du deinen Eindruck beim ersten Lesen schildern, Fragen oder Probleme beim Verständnis aufwerfen oder deine Deutungshypothese aufstellen.

Schritt 2: Verfasse den Hauptteil

  • Gib zunächst einen Überblick über die Makrostruktur – die äußere Gliederung des Gedichts (Schriftbild, Versgruppen).
  • Stelle deine Untersuchungsergebnisse zu Rhythmus und Klangcharakter dar.
  • Bestimme, um welchen Typ von Sprecher es sich handelt, und gib den Hauptinhalt des Gedichts wieder.
  • Analysiere nun die einzelnen Versgruppen (Strophen) detailliert. Bei einer aspektorientierten Aufgabenstellung kannst du nun auf die verschiedenen Untersuchungsaspekte eingehen.
  • Achte bei deiner Darstellung darauf, Aussagen zu Inhalt, Form, Stil und Bedeutung immer zueinander in Beziehung zu setzen. Beschreibe nicht nur die Textmerkmale, sondern erläutere ihre Wirkung und Bedeutung für die inhaltliche Aussage des Gedichts.
  • Begründe deine Deutungen, indem du sie aus der Beschreibung der Textelemente so herleitest, dass der Leser deine Interpretation nachvollziehen kann. Belege deine Deutungen mit aussagekräftigen Zitaten des Gedichts. 

Richtig zitieren

Zitate ermöglichen es, deine Deutungen nachzuprüfen. Wähle sie daher sorgfältig aus.

Sie müssen

  • als Beleg zur Aussage passen,
  • exakt dem Wortlaut des Textes entsprechen,
  • grammatisch korrekt mit deiner Aussage verknüpft werden,
  • mit doppelten Anführungszeichen gekennzeichnet werden.

Setze von dir vorgenommene Auslassungen in eckige Klammern und gib in runden Klammern nach dem Zitat die Fundstelle an

Schritt 3: Formuliere den Schluss

Fasse deine Ergebnisse zusammen und formuliere eine abschließende Deutung des gesamten Gedichts. Vergleiche anschließend deine Untersuchungsergebnisse mit deinem Vorverständnis und deiner Deutungshypothese. Hat sich dein Vorverständnis geändert?
Falls es in der Aufgabenstellung verlangt ist, ordne das Gedicht in seinen historischen und/oder literaturgeschichtlichen Zusammenhang ein.

Lösung

1. Einleitung:

Das Gedicht „Die eine Klage“ wurde von Karoline von Günderode verfasst, die von 1780 bis 1806 lebte. In dem Gedicht geht es um den Schmerz einer verlorenen Liebe und um den Rückblick auf die Freuden, die eine Liebe geben kann. Das Gedicht macht auf mich einen traurigen und resignierten Eindruck, da der Verlust der Liebe endgültig scheint; es ist eine Sehnsucht oder Hoffnung auf eine neue Liebe zu erahnen, die jedoch die verlorene Liebe nicht ersetzen kann.

2. Hauptteil:

2.1 Makrostruktur: Der Text ist in vier gleichartigen Strophen angeordnet, in denen je sechs Verse mit einem Schweifreim (aabccb) verbunden sind. Die Verse sind aus Trochäen aufgebaut, wobei jeweils die Verse 1 und 2 sowie 4 und 5 vierhebig sind und mit weiblicher Kadenz enden, die Verse 3 und 6 je dreihebig sind und mit männlicher Kadenz enden. Dadurch gerät der Lesefluss in den Versen 3 und 6 ins Stocken, die Aussagen dieser Verse wirken dadurch sehr nachdrücklich. Durch die Enjambements in Vers 1 und 2 in der ersten und dritten Strophe sowie die zahlreichen Inversionen (erste Strophe V. 1, 2, 3; zweite Strophe V. 2, 5, 6; dritte Strophe V. 2, 5, 6) und die Ellipse (erste Strophe V. 4 und 5, „hat“ ausgelassen) werden die Wörter, die Verlust und Freuden der Liebe ausdrücken, hervorgehoben. Die gedankliche Struktur ist durch einen Spannungsaufbau und -abfall zwischen Strophe 1 und 2 (durch die Konstruktion „Wer – der“) sowie innerhalb der dritten Strophe („Wer“ – „den“) geprägt. Die vierte Strophe ist eine Aufzählung dessen, was verloren gegangen ist, und wirkt wie eine lakonische Zusammenfassung. Es finden sich keine Personalpronomen der ersten Person, daher ist von einem verdeckten Sprecher auszugehen, der das Leiden und den Schmerz distanziert und abgeklärt vorbringt. Nur der Ausruf „O!“ in der dritten Strophe (V. 3) drückt die Resignation und Trauer angesichts der Trostlosigkeit der Situation auch emotional aus.

2.2 Analyse der einzelnen Strophen: In der ersten Strophe wird der Schmerz der Trennung thematisiert. Er wird sowohl körperlich („Sinn“) als auch geistig („Geist“) empfunden, bezieht sich also auf den ganzen Menschen. Der Chiasmus „Wer geliebt, was er verlohren, / lassen muß, was er erkohren“ betont die Verlusterfahrung sehr nachdrücklich, da sie zweimal in je anderer Formulierung zum Ausdruck kommt. Auch die verkürzten Verse 3 und 6 richten die Aufmerksamkeit des Lesers auf den zentralen Inhalt: den Verlust des geliebten Herzens. Auffällig ist, dass durch die Verwendung des Pars pro Toto „Herz“ nicht gesagt wird, wer oder was eigentlich verloren wurde. Auch der Grund für die Trennung wird nicht näher erläutert. Die erste und die zweite Strophe sind durch die Konstruktion „Wer“ – „der“ satzlogisch aufeinander bezogen. Die zweite Strophe beschreibt die Folge der Verlusterfahrung, die in der ersten Strophe beschrieben wurde. Es ist das Verständnis („Der versteht“) für die Sehnsucht der Liebe nach der Verschmelzung mit dem „Andern“. Das Verlangen nach Einheit und Ganzheit wird durch die Anapher in Vers 3 und 4 („Eins“) besonders betont. Die dritte Strophe zeigt, dass der Verlust unwiederbringlich ist und durch nichts getröstet werden kann. Neue Freuden (besondere Betonung des Neuen durch Wiederholung von „neu“: „Neue Freuden neu gebohren“) ersetzen nicht die alten, verlorenen. Es scheint auch, dass die Liebeserfahrung nur ein einziges Mal stattfinden kann, denn es ist nur von „ein[em] Wesen“ und in Strophe 1 von „das geliebte Herz“ (nicht „ein“ geliebtes Herz) die Rede. Eine Hoffnung auf neue Erfüllung gibt es nicht, nur die Sehnsucht danach (vgl. Strophe 2). Die vierte Strophe hebt das Thema „Verlust“ auf eine allgemeine Ebene. Hier scheint es nicht mehr um ein „Wesen“, sondern um das „Leben“ an sich zu gehen. Dafür spricht auch die Tatsache, dass das Gedicht im letzten Vers eine Wendung ins Religiöse nimmt („kein Gott“). Verloren ist das Leben, das geprägt ist von der Ganzheit des Menschen („Denken und Empfinden“, also Verstand und Gefühl), von Erfüllung („Suchen und Finden“), von der Einheit von Sprache, Gefühl und Wahrnehmung („Wort und Sinn und Blick“), von der Ergänzung des einen durch den anderen („Nehmen und Geben“). Durch die Häufung der Konjunktion „und“ in dem Polysyndeton der letzten Strophe erscheint die Fülle des Verlusts bzw. der Verlust der Ganzheit umso stärker.

3. Schluss:

Das Gedicht ist vordergründig ein Liebesgedicht, das den Schmerz über den Verlust eines geliebten Menschen zum Ausdruck bringt. Das, was verloren ist, wird jedoch nur sehr unbestimmt ausgedrückt. Die erste Strophe spricht von dem „geliebte[n] Herz“, die dritte Strophe von einem „Wesen“. Auf einer tieferen Ebene scheint es um einen allgemeineren Verlust zu gehen. An zwei Stellen spricht Günderode von „Dasein“ und dem „geliebte[n], süße[n] Leben“, das unwiederbringlich verloren ist. Der Schmerz bezieht sich offenbar (auch) auf den Verlust einer einstigen Ganzheit des Lebens, für das die Liebe das Symbol ist. Vor diesem Hintergrund könnte auch der Titel verstanden werden: „Die eine Klage“ meint weder „die“ noch „eine“ Klage, bezieht sich nicht auf ein Individuum oder eine bestimmte Verlusterfahrung, sondern meint eine Art Grund- oder Lebensklage, die von einem Verlustgefühl ausgelöst wird, das charakteristisch für das Dasein als solches ist.

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