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Wie du die Sprache eines Gedichtes analysierst


Aufgabe

Analysiere die sprachliche Ausgestaltung des Gedichts „Der Panther“ von Rainer Maria Rilke.

Textgrundlage

Der Panther

Im Jardin des Plantes, Paris

1   Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe

2   so müd geworden, daß er nichts mehr hält.

3   Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe

4   und hinter tausend Stäben keine Welt.

 

5   Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,

6   der sich im allerkleinsten Kreise dreht,

7   ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,

8   in der betäubt ein großer Wille steht.

 

9   Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille

10  sich lautlos auf –. Dann geht ein Bild hinein,

11  geht durch der Glieder angespannte Stille –

12  und hört im Herzen auf zu sein.

(aus: Rilke: Werke, Bd. 1,2, Gedicht-Zyklen)

Schritt 1: Analysiere die Klanggestalt

Neben dem formalen Aufbau, also der Strophenform, dem Reimschema und dem Metrum, sind auch der Klang eines Gedichts, die Wortwahl und die sprachlichen Bilder wichtig. Diese Elemente lösen beim Leser bestimmte Vorstellungen und Stimmungen aus. Der Dichter versucht das, was er sagen möchte, über die sprachlichen Mittel zu transportieren.

Damit du im ersten Schritt die Klangfarbe und die auffälligen sprachlichen Mittel gut erfassen kannst, solltest du das Gedicht mehrmals laut vorlesen. Markiere wichtige Stellen und notiere dir Stichwörter an den Rand der Zeilen. Welche klanglichen Besonderheiten fallen dir bei deinem Gedicht auf? Gibt es vielleicht bestimmte Vokale, die in einer Strophe besonders häufig vorkommen?

  • Der Gleichklang von Vokalen wird als Assonanz bezeichnet („die riesigen Wipfel biegen sich im Wind“). Durch die bewusste Verwendung dunkler (a, o, u, au) oder heller (e, i, ei, eu) Vokale kann das Gedicht eine heiter-fröhliche, eine melancholisch-traurige oder vielleicht sogar eine bedrohliche Stimmung bekommen.
  • Neben der Assonanz gibt es auch die Alliteration, den Gleichklang von Konsonanten („Stock und Stein“, „Leben und Lieben“).
  • Zu den in der Lyrik häufig verwendeten sprachlichen Mitteln, die einen speziellen Klang erzeugen, gehört auch die Anapher. Sie lässt sich als bewusste Wiederholung von Wörtern oder Wortbestandteilen am Vers- oder Strophenanfang bezeichnen („Lass sausen durch den Hagedorn,/Lass sausen, Kind, lass sausen“; Gottfried August Bürger: Leonore).
  • Bei der Lautmalerei wird ein Naturlaut mit Worten wiedergegeben. Das lässt sich am deutlichsten bei Tierlauten wie „kikeriki“, „iah“ und „miau“ erkennen, aber auch bei Wörtern wie „summen“, „klatschen“ und „murmeln“, die ein akustisches Phänomen in Wörter umsetzen.

Schau dir das Gedicht nun noch einmal genau an. Vielleicht kannst du einige dieser sprachlichen Mittel auch in unserem Beispieltext entdecken?

Bei Rilkes Gedicht „Der Panther“ fallen uns folgende klangliche Besonderheiten auf: In der ersten Strophe dominieren die ä- und e-Laute (Vorübergehn, Stäbe, hält, Stäbe, gäbe, Stäben, Welt). Die Strophe hat also durch diese Assonanzen eine einheitliche Klangstruktur. In der zweiten Strophe sind viele a-Laute (Gang, starker, Tanz, Kraft), aber auch ei-Laute (weiche, geschmeidig, allerkleinsten Kreise) auszumachen. Die dritte Strophe wird von i-Lauten (schiebt, Pupille, Bild, hinein, Glieder, Stille) beherrscht. 

Schritt 2: Erfasse Schüsselwörter und Leitmotive 

Im zweiten Schritt untersuchst du die Wortwahl im Gedicht: Kommen bestimmte Wortarten wie zum Beispiel Adjektive besonders häufig vor? Findest du Wörter oder Begriffe, die häufig wiederholt werden oder die durch ihre Stellung im Gedicht besonders hervorgehoben werden? Diese sogenannten Schlüsselwörter geben dir wichtige Hinweise auf die Bedeutung des Gedichts. Was ist wichtig, was taucht als Leitmotiv immer wieder auf? Gibt es auf sprachlicher Ebene Kontraste und Gegensätze („dunkle Nacht – heller Tag“)? Markiere dir auch hier die wichtigsten Stellen.

In unserem Gedicht ist in der ersten Strophe das Wort „Stäbe“ besonders auffällig. Das Wort wird dort insgesamt dreimal wiederholt und durch den Schlagreim „Stäbe gäbe“ in der dritten Zeile noch speziell hervorgehoben. Die Stäbe und damit der Käfig oder das Eingesperrtsein werden zum Schlüsselbegriff. 

Auffällig ist auch: Das Gedicht beginnt und endet mit dem Wort „sein“. Dieses Wort, einmal als Possessivpronomen, einmal als Verb gebraucht, rahmt den Text geradezu ein. 

Schritt 3: Ermittle die bildhafte Ebene des Gedichts

Ein Gedicht möchte über seine sprachliche Gestaltung bestimmte Stimmungen und Gefühle transportieren. Das gelingt sehr gut über sprachliche Bilder, die sich im Kopf des Lesers wie Gemälde, Fotos oder Filmsequenzen festsetzen. Zu den Stilmitteln, die diese Bilder erzeugen, gehören Vergleiche, Personifikationen und Metaphern.

  • Bei einem Vergleich werden zwei Begriffe, Handlungen oder Empfindungen durch Vergleichswörter wie zum Beispiel „wie“, „als wenn“, „so wie“ miteinander verknüpft.
  • Bei einer Personifikation werden Tieren, Gegenständen oder allgemeinen Begriffen Fähigkeiten zugesprochen, die sonst nur Menschen haben.
  • Eine Metapher ist ein verkürzter Vergleich, bei dem ein Sprachbild in einen anderen Bereich übertragen wird.

Vergleiche, Personifikationen und Metaphern, die sprachliche Bilder erzeugen, sind in vielen Gedichten zu finden. Schau dir das Gedicht noch einmal genau an und markiere diese Stilmittel.

In Rilkes Gedicht „Der Panther“ findet sich in der zweiten Strophe ein Vergleich, der ein starkes Bild hervorruft:

5   Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,

6   der sich im allerkleinsten Kreise dreht,

7   ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,

8   in der betäubt ein großer Wille steht.

Gleich in der ersten Strophe taucht eine eigenwillige Personifikation auf:

1   Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe

2   so müd geworden, daß er nichts mehr hält.

Das Gedicht drückt aus, dass die Stäbe vorübergehen, sich also bewegen können. Gleichzeitig deutet dieses Stilmittel eine verdrehte Perspektive an, die den Leser stutzig werden lässt. Diese beiden Zeilen enthalten aber noch eine zweite Personifikation: Der Blick hält etwas bzw. kann in der konkreten Situation nichts mehr festhalten.

In der zwölften Zeile ist das Herz eine Metapher für das gesamte Lebewesen.

12  und hört im Herzen auf zu sein.

Als Nächstes folgt die inhaltliche Analyse eines Gedichts. 

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