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Wie du den Inhalt eines Gedichtes analysierst


Aufgabe

Analysiere die inhaltliche Struktur des Gedichts „Der Panther“ von Rainer Maria. 

Textgrundlage

Der Panther

Im Jardin des Plantes, Paris

1   Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe

2   so müd geworden, daß er nichts mehr hält.

3   Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe

4   und hinter tausend Stäben keine Welt.

 

5   Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,

6   der sich im allerkleinsten Kreise dreht,

7   ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,

8   in der betäubt ein großer Wille steht.

 

9   Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille

10  sich lautlos auf –. Dann geht ein Bild hinein,

11  geht durch der Glieder angespannte Stille –

12  und hört im Herzen auf zu sein.

(aus: Rilke, Rainer-Maria: Neue Gedichte, Insel-Verlag, Leipzig 1907, S. 37)

Schritt 1: Bestimme Figuren und Objekte, Handlungsort und Handlungszeit

Nachdem du Form und Sprache des Gedichts analysiert hast, schaust du dir den Inhalt genauer an. Im ersten Schritt geht es darum, welche Figuren oder Objekte auftreten und in welcher Beziehung sie zueinander stehen. Gibt es konkrete Hinweise auf Handlungsort und -zeit? Diese Fragen solltest du im Kopf haben, wenn du das Gedicht zunächst noch einmal aufmerksam liest. Am besten markierst du wichtige Stellen und notierst dir am Rand Stichwörter.

Lass dich bei der Bestimmung der Figuren und Objekte sowie der Erfassung von Handlungsort und Handlungszeit nicht verunsichern: Manchmal gibt es in einem Gedicht zu einem oder mehreren dieser Punkte keine näheren Angaben. Du darfst auch nicht den Fehler machen, die Entstehungszeit des Gedichts, also den Zeitpunkt, zu dem der Dichter die Verse verfasste, mit der Handlungszeit zu verwechseln.

In Rilkes Gedicht ist der Panther die zentrale Figur. Er prägt den Titel des Gedichts, wird dann allerdings im Gedicht selbst nicht mehr namentlich erwähnt, sondern taucht als „er“ auf. Wichtige Objekte sind die Stäbe, die für einen Käfig oder ein Gehege stehen. Die Unterüberschrift nennt den „Jardin des Plantes“, den Tiergarten in Paris, als Handlungsort. Zur Handlungszeit gibt es keine konkreten Angaben. 

Schritt 2: Bestimme das zentrale Thema

Nähere dich jetzt dem Kernthema an. Worum geht es? Welchem Gedankengang folgt das Gedicht?

Lässt sich das Gedicht vielleicht in einzelne Sinnabschnitte einteilen? Manchmal stimmen diese thematischen Abschnitte mit den einzelnen Strophen überein. Schau dir diese daher genau an und versuche, dir den Inhalt jeder einzelnen Strophe stichpunktartig zu notieren, sodass du am Schluss eine knappe Inhaltsangabe hast. Gibt es vielleicht eine bestimmte Folge von Ereignissen, die du innerhalb des Gedichts erkennen kannst? Hast du all diese Fragen beantwortet, legst du das Kernthema fest.

In Rilkes Gedicht geht es um einen Panther, der in einem Zoo in Gefangenschaft lebt. Die erste Strophe beschreibt den Zustand des Raubtiers hinter Gittern. Sein Blick ist ermüdet und die Stäbe scheinen an ihm vorbeizuziehen. Er nimmt außer den Gitterstäben offenbar kaum noch etwas anderes wahr.

In der zweiten Strophe werden der Panther selbst und seine Bewegungen im Käfig beschrieben. Er zeigt zwar einerseits noch Geschmeidigkeit und Kraft, also die typischen Attribute eines Raubtiers, seine körperliche Stärke und sein Wille scheinen aber durch den begrenzten Raum gebrochen zu werden.

Die dritte Strophe befasst sich mit der Wahrnehmung des Panthers. Er nimmt zwar von Zeit zu Zeit etwas von seiner Umwelt auf, diese Bilder, die seine Augen passiv erreichen, verebben aber in seinem Inneren und rufen bei ihm keinerlei Reaktion hervor.

In den drei Strophen zeigt sich eine Entwicklung. Die Beobachterperspektive wechselt von außen nach innen: Zunächst werden die Gitterstäbe des Käfigs, dann das Tier selbst und seine Bewegungen, dann sein Auge und schließlich sein Herz, das Innerste des Panthers, betrachtet.

Das Kernthema ist der Zustand der Gefangenschaft, also der Unfreiheit, und seine Auswirkungen auf ein Lebewesen.   

Schritt 3: Ermittle den Sprecher des Gedichts 

Im Gegensatz zu epischen Texten haben lyrische Texte keinen Erzähler. Aber auch bei Gedichten gibt es in der Regel einen Sprecher, der die Gedankengänge dem Leser mitteilt. Dieser Sprecher wird auch als lyrisches Ich bezeichnet. Er kann im Text als „ich“ oder „wir“ auftauchen, ein fiktives „Du“ ansprechen oder auch nur indirekt anwesend sein.

Achtung: Auch wenn das lyrische Ich persönliche Erlebnisse und Gedanken sowie Haltungen und Gefühle des Autors des Gedichts wiedergeben kann, ist es nicht mit diesem identisch.

Im dritten Schritt ermittelst du also die Sprecherinstanz deines Gedichts. Wer ist der Sprecher? Um das herauszufinden, schaust du den Text noch einmal genau an und markierst die Pronomen und Verben, die auf das lyrische Ich hinweisen.

Überlege dir auch, welche Haltung der Sprecher im Gedicht einnimmt. Schildert er das Geschehen eher beschreibend oder erlebend? Nutzt er die Außen- oder Innensicht?

Im Gedicht „Der Panther“ ist das lyrische Ich nicht auszumachen. Es tritt hinter die genaue Beobachtung des Panthers zurück. In Rilkes Gedicht steht nicht die subjektive Empfindung im Vordergrund, sondern die möglichst genaue Beschreibung eines Lebewesens oder eines Gegenstandes. „Der Panther“ ist ein sogenanntes Dinggedicht, das ein Objekt so darstellen möchte, als spräche es über sich selbst. 

Schritt 4: Erfasse die Stimmung und Atmosphäre 

Nachdem du den Inhalt des Gedichts ermittelt hast, versuchst du im vierten Schritt auch die Stimmung zu erfassen. Wie wirkt das Gedicht auf dich – beschwingt und zuversichtlich oder eher traurig und bedrückend? Lies das Gedicht noch einmal laut vor: Welche Gefühle und Stimmungen löst es bei dir aus? Beschreibe kurz die Atmosphäre.

Rilkes Gedicht „Der Panther“ ist ein ernstes und eher bedrückendes Gedicht. Durch die strenge Regelmäßigkeit im Aufbau und die Beschränkung auf bestimmte Laute entsteht eine monotone Stimmung, die der Situation des Panthers im Käfig entspricht. Er wirkt passiv und lethargisch. Das Gedicht endet in Resignation, weil offenbar nichts von außen das Tier mehr erreichen kann.   

Nachdem du nun die formalen, sprachlichen und inhaltlichen Aspekte des Gedichts analysiert hast, folgt die Interpretation des Gedichts.

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