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Wie du die sprachlichen Gestaltungsmittel eines Gedichtes untersuchst


Aufgabe

Lies das Gedicht „Die eine Klage" von Karoline von Günderrode. 
Analysiere die sprachliche Gestaltung.

karoline_von_guenderrode_die_eine_klage.pdf

Schritt 1: Untersuche Satzbau und Versbau

Der Autor eines Gedichts präsentiert seine Aussagen in Sätzen und Verszeilen. Untersuche das Verhältnis von Satzbau und Versbau und analysiere, welche Wirkung dadurch erzeugt wird.
 

Verszeilen und Sätze

  • Zeilenstil: Die Verszeilen stimmen mit dem Satzbau überein. Es entsteht ein gleichmäßiger Eindruck. Der Zeilenstil ist der Normalfall und muss nicht erläutert werden.
  • Zeilensprung (Enjambement): Die Versgrenze zerschneidet eine Sinneinheit, indem sie zusammengehörende Satzteile trennt, z. B. Adjektiv und Substantiv oder Substantiv und nachfolgendes Prädikat. Hierdurch gerät der Lesefluss ins Stocken und die Wörter am Versende sowie am Versanfang werden hervorgehoben. Diese Wirkung wird gesteigert, wenn das Enjambement zwischen Strophen erfolgt (Strophensprung).
  • Hakenstil: Die meisten oder alle Verszeilen einer Strophe enden mit einem Zeilensprung. Der gesamte Satzbau wird durch die Versgrenzen gestört. Dies macht einen unruhigen und disharmonischen Eindruck.

Achte auf ungewöhnliche Satzstellungen. Sie heben häufig bedeutende Wörter oder Aussagen hervor oder erzeugen Stimmungen.
 

Ungewöhnliche Satzstellungen

  • Inversion: Umkehrung der geläufigen Wortstellung im Satz (Der Blumen betörender Duft)
  • Ellipse
  • Prolepse: Unterbrechung und Wiederaufnahme des Satzes mit einem Pronomen (Die Blumen, sie duften)

Untersuche den Text auf Stilmittel der Wiederholung. Sie verdeutlichen die innere Gliederung eines Gedichts, heben wesentliche Aussagen hervor, verstärken die Bildhaftigkeit, wecken Erwartungen oder brechen diese bewusst. Liste die Stilmittel nicht nur auf, sondern untersuche immer, inwiefern sie die Aussage unterstützen.
 

Stilmittel der Wiederholung

  • Chiasmus: Satzglieder werden spiegelbildlich angeordnet (Die Mühen der Gebirge liegen hinter uns / Vor uns liegen die Mühen der Ebenen, Bertolt Brecht).
  • Häufung: Wörter, Satzteile oder Sätze, die Gleiches aussagen, werden aneinandergereiht.
  • Klimax
  • Leitmotiv: Textwiederholung, die sich durch das ganze Gedicht zieht.
  • Parallelismus: Satzglieder werden in aufeinanderfolgenden Sätzen in der gleichen Reihenfolge angeordnet.
  • Pleonasmus: unnötige Doppelung (weißer Schimmel)
  • Synonym
  • Tautologie: Bezeichnung eines Begriffs durch gleichbedeutende Wörter (immer und ewig)
  • Textwiederholung: Wiederholung von Einzelwörtern oder Wortgruppen

Schritt 2: Analysiere die Wortwahl

Die Sprache von Gedichten weicht oft von der Normalsprache ab und verwendet ungewöhnliche Wörter oder eine ungewöhnliche Kombination von Wörtern. Das können besonders gehobene oder veraltete Ausdrücke sein, bildhafte Umschreibungen oder eine expressive und emotionale Sprache. Untersuche die Wortwahl des Gedichts und beachte dabei folgende Aspekte:

  • inhaltliche Aspekte, d. h. bestimmte Bedeutungsfelder und ihre Beziehung zueinander
  • formale Aspekte, d. h. das Vorkommen von Substantiven, Adjektiven und Verben: Tauchen an bestimmten Stellen auffällig häufig Substantive, Adjektive oder Verben auf? Sind sie in ihrer herkömmlichen Bedeutung verwendet oder sind sie verfremdet? Gibt es neue Wortbildungen?
  • Wahl der Stilebene, z. B. Umgangssprache, Dialekt, feierlicher Tonfall, dichterisch überhöhte Sprache, Fachsprache
  • Schlüsselwörter
  • Stimmungen, die durch die Wortwahl erzielt werden, z. B. düster, heiter, aggressiv
  • Bewegungen, die durch Verben hervorgerufen werden, z. B. Dynamik, Aktivität, Starrheit
  • Qualität der Adjektive, z. B. wertende oder beschreibende/neutrale Adjektive

Achte bei der Analyse der Wortwahl auch auf die assoziativen Verknüpfungen sinntragender Wörter. Viele Wörter sind zusätzlich zum klar definierten begrifflichen Inhalt (= Denotat) noch mit einem darüber hinausgehenden Vorstellungsgehalt (= Konnotat) verbunden (z. B. das Wort „Rose“ mit der Vorstellung „Schönheit“ und „Liebe“). Welche der mehreren möglichen Vorstellungen aktiviert wird, legt der Textzusammenhang fest (vgl. die Farbe „Rot“ in einem Liebesgedicht bzw. in einem politischen Gedicht).

Schritt 3: Bestimme die Sprachbilder

Sprachliche Bilder machen literarische Texte vieldeutig. Sie bringen etwas anderes zum Ausdruck als das, was sie normalerweise bezeichnen. Notiere oder unterstreiche die Sprachbilder in dem Gedicht. Achte besonders auf Sinnbilder wie Allegorien und Symbole. Sie dienen der Verbildlichung abstrakter Ideen und Begriffe. Schaue immer dann genauer hin, wenn Ausdrücke auf der wörtlichen Ebene keinen Sinn ergeben. Kläre die abweichende Bedeutung der Wörter im Textzusammenhang und deute sie im Bezug zu dessen Aussage. Achte auf Hinweise des Autors, wie bestimmte Sprachbilder zu verstehen sind. Häufig wird das Gemeinte im Titel genannt, manchmal am Anfang oder am Ende des Textes erläutert.


Sprachbilder

  • Metapher
  • Vergleich: Zwei Gegenstände oder Bereiche werden miteinander verbunden, um etwas ihnen Gemeinsames auszudrücken (ein Mann wie ein Baum).
  • Chiffre (absolute Metapher): stark verschlüsselte, rätselhafte Bilder ohne erkennbaren Bezug zur Wirklichkeit. Sie entstehen, wenn der Dichter einem oder mehreren Wörtern willkürlich einen neuen Sinn gibt; sie können nur aus dem Textzusammenhang erschlossen werden (blaues Klavier, Else Lasker-Schüler).
  • Personifikation
  • Synästhesie: Koppelung von Eindrücken wesensverschiedener Sinne (süße Düfte).

Lösung

  • Enjambements (V. 1/2 in der ersten und dritten Strophe)
  • Inversionen (erste Strophe V. 3, zweite Strophe V. 2, dritte Strophe V. 2 und 6)
  • Anapher (erste Strophe „wer“; zweite Strophe „Eins“)
  • Polysyndeton (vierte Strophe „und“)
  • Chiasmus (erste Strophe V. 4 und 5: „geliebt“ – „verlohren“ / „lassen muss“ – „erkohren“)
  • Ellipse (erste Strophe V. 4 und 5, „hat“ wird ausgelassen)
  • Ausruf (dritte Strophe, V. 3; „O!“)
  • Wortfeld Schmerz: „Wunden“, „Schmerz“, „des Daseins Pein“
  • Wortfeld Trennung: „verlohren“, „schwinden“
  • Wortfeld Liebe: „Herz“, „Eins in Zwei“, „Zweiheit“, „liebgewinnen“
  • Metaphern („Herz“ – der/die Geliebte; „Wunden“ – der tiefe Schmerz; „Denken und Empfinden“ – Verstand und Gefühl; „Suchen und Finden“ – Erfüllung; „Wort und Sinn und Blick“ – Sprache, Gefühl und optische Wahrnehmung; „Nehmen und Geben“ – Ergänzung des einen durch den anderen)
  • Personifikation („der Liebe ewig Sehnen“)
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