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Wie du die klanglichen Gestaltungsmittel untersuchst


Aufgabe

Untersuche „Die eine Klage" im Hinblick auf die klanglichen Gestaltungsmittel und erläutere deren Wirkung.

karoline_von_guenderrode_die_eine_klage.pdf

Schritt 1: Bestimme das Versmaß

Notiere zur Bestimmung des Versmaßes oder Metrums den regelmäßigen Wechsel von betonten Silben (Hebungen) und unbetonten Silben (Senkungen) in einem Schema. Setze für jede Silbe ein „x“ und markiere jede betonte Silbe mit einem Akzent auf dem jeweiligen x. Die kleinste Einheit des Metrums ist der Versfuß.

Versfüße

Versmaße

  • Blankvers: fünfhebige Jamben ohne Reim
  • Alexandriner: sechshebiger Jambus mit Zäsur in der Mitte
  • Hexameter: Vers mit sechs Hebungen, dazwischen ein oder zwei Senkungen
  • Pentameter: Vers mit sechs Hebungen und einer Zäsur; tritt fast nur in Verbindung mit einem Hexameter auf
  • Distichon: Doppelvers, der aus einem Hexameter und einem Pentameter besteht
  • freie Rhythmen: reimlose Verse, die weder ein einheitliches Metrum noch eine festgelegte
  • Zeilenlänge haben, aber trotzdem sehr rhythmisch klingen.

Bestimme, welche Wirkung ein Metrum oder ein Rhythmus hat, und frage dich bei Abweichungen vom Metrum immer nach der möglichen Absicht.

Schritt 2: Bestimme Reime und Kadenzen

Von einem Reim spricht man, wenn zwei oder mehr Vokale vom letzten betonten Vokal an gleich klingen. Achte auf die Position des Reims und bestimme, ob es sich um Endreime (Versende), Binnenreime (innerhalb eines Verses) oder Anfangsreime (Versanfang) handelt. Liegen reine Reime (Geld/fällt), unreine Reime (Gemüt/Lied) oder beide Reimarten vor? Analysiere das Reimschema der Strophen, indem du es mithilfe von Kleinbuchstaben darstellst. Gleiche Buchstaben stehen für sich entsprechende Reime.

Häufige Reimschemata

Achte bei der Untersuchung der Reime immer auf die Funktion, die sie erfüllen. Tragen die Reime zum Klangreichtum bei, heben sie bedeutsame Wörter hervor oder gliedern sie das Gedicht, indem sie Verse bzw. Gedanken verknüpfen oder abgrenzen? Erzeugt das Verhältnis von Reim und Inhalt eine harmonische Stimmung oder treten die beiden in ein Spannungsverhältnis zueinander? Neben dem Reim sind auch die Kadenzen für die Versschlüsse bedeutsam. Untersuche dazu, ob der Vers mit einer Hebung oder einer Senkung endet. Hauptsächlich unterscheidet man zwischen

  • der männlichen (stumpfen) Kadenz (Wind/Kind),
  • der weiblichen (klingenden) Kadenz (Gipfel/Wipfel) und
  • der dreisilbigen (gleitenden) Kadenz (Singende/Springende).

Beschreibe die Wirkung der jeweiligen Kadenzen. Hinterlassen die weiblichen Versschlüsse einen weichen und klanghaften Eindruck oder unterstreichen harte, männliche Versschlüsse entsprechend den Inhalt?

Schritt 3: Bestimme die Klangfiguren

Klangfiguren basieren meist auf der Wiederholung von Lauten oder Wörtern. Benenne die Klangfiguren und untersuche ihre Funktion und Wirkung für die Textaussage. Heben sie wichtige Wörter hervor, gliedern sie den Text, verbinden sie Wörter, Verse oder Strophen oder erzeugen sie Stimmungen durch emotionale Assoziationen?

Klangfiguren auf der Basis von Lauten

  • Assonanz (Halbreim): Gleichklang der Vokale ab der letzten betonten Silbe (schweifen/leise)
  • Alliteration: Gleichklang der betonten Anfangslaute von zwei oder mehr Wörtern (Wechsel weniger Worte)
  • Onomatopöie (Lautmalerei): sprachliche Nachahmung natürlicher Geräusche zur Verstärkung des sinnlichen Eindrucks (Kuckuck, summen)
  • Häufung gleichartiger Vokale: Wiederholung von dunklen bzw. dumpfen Vokalen (a, o, ö, u, au) oder hellen Vokalen (e, i, ü); eine Wirkung entsteht bei ungewöhnlicher Häufung betonter heller oder dunkler Vokale.
  • Paronomasie: Wortspiel mit ähnlich lautenden Wörtern (Das Haus war unbezahlt, nicht aber unbezahlbar) wissen Klangfiguren auf der Basis von Wortwiederholungen
  • Refrain (Kehrreim): die regelmäßige Wiederholung eines Verses oder mehrerer Verse; der Refrain findet sich meist am Ende der Strophe.
  • Anapher: Mehrere Verse oder Sätze beginnen mit dem gleichen Wort oder Satzteil (Das Wasser rauscht’, das Wasser schwoll, Johann Wolfgang v. Goethe).
  • Epipher: Wiederholung eines Wortes am Ende aufeinanderfolgender Satzteile oder Sätze (Ihr überrascht mich nicht / erschreckt mich nicht, Friedrich Schiller)
  • Polyptoton: Wiederholung des gleichen Wortes in verschiedenen Flexionsformen (Wenn mancher Mann wüsste, / Wer mancher Mann war, / Gäb mancher Mann / Manchem Mann / Manchmal ein Jahr.)
  • Polysyndeton: Verknüpfung von Wörtern, Wortgruppen oder Sätzen durch dieselbe Konjunktion (Und es wallet und siedet und brauset und zischt, Friedrich Schiller)

Lösung

Vier gleichartige Strophen mit je sechs Versen, die mit einem Schweifreim (aabccb) verbunden sind. Versmaß ist Trochäus, wobei jeweils die Verse 1 und 2 sowie 4 und 5 vierhebig sind und mit weiblicher Kadenz enden, die Verse 3 und 6 je dreihebig sind und mit männlicher Kadenz enden. Wirkung: Lesefluss in den Versen 3 und 6 gerät ins Stocken, die Aussagen dieser Verse wirken dadurch sehr nachdrücklich. Dunkle Reimvokale bei Wörtern, die Verlust ausdrücken (Wunden/empfunden; Verlohren/erkohren); helle Reimvokale bei Wörtern, die die Freuden der Liebe ausdrücken (finden/schwinden; Sinnen/liebgewinnen; finden/empfinden)

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