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Wie du die Handlung eines epischen Textes untersuchst


Aufgabe

Erläutere die Handlung von Hebels Kalendergeschichte. Untersuche den Aufbau der Geschichte und überlege, welche Wirkung sie auf den damaligen Leser haben sollte.

johann_peter_hebel_kaiser_napoleon_und_die_obstfrau_in_brienne.pdf

Schritt 1: Gliedere den Text in Handlungsschritte

Oft musst du der Interpretation epischer Texte eine kurze Inhaltsangabe voranstellen. Gliedere dazu den Text in Handlungsschritte, um den Aufbau beschreibbar zu machen. Die meisten Erzählhandlungen laufen in drei Handlungsschritten ab: Einleitung, Hauptteil, Ergebnis.

Einleitung: Die Ausgangslage ist eine Situation, die einen Handlungsspielraum eröffnet und den Figuren Möglichkeiten zum Handeln eröffnet. Die Ausgangssituation kann folgendermaßen gestaltet sein:

  • Vorwort: Der Erzähler führt vor Beginn der Handlung in das Thema ein.
  • Aufbau der Situation: Die Umstände des Handlungsbeginns werden am Anfang entfaltet, der Erzähler führt in den Ort und die Zeit der Handlung ein und stellt die Hauptfiguren vor. Dies ist der Normalfall des Erzählens.
  • Resultat der Handlung: Das Ende wird an den Anfang gestellt.
  • Auftaktszene: Eine besonders bedeutsame oder wirkungsvolle Episode wird an den Anfang gestellt.


Hauptteil: Die Handlung der Figur ändert die Ausgangssituation.

Ergebnis: Als Ergebnis der Handlung wird eine neue Lage herbeigeführt (Erfolg oder Misserfolg). Als Ergebnisse sind diese Möglichkeiten denkbar:

  • geschlossenes Ende: Die Handlung wird so abgeschlossen, wie der Verlauf der Ereignisse es nahelegt. Es bleiben keine Fragen offen.
  • offenes Ende: Die Handlung wird nicht bis zu einer Lösung fortgeführt, sondern endet vorher. Es bleiben Fragen offen, die der Leser aus seiner Kenntnis der Charaktere und der Geschehnisse heraus selbst beantworten muss.
  • überraschendes Ende: Die Handlung endet anders, als der Verlauf der Ereignisse dies nahelegt. Untersuche die Funktion der Anfangssituation und beurteile die Schlusssituation, indem du das Ende mit den Erwartungen vergleichst, die beim Leser geweckt worden sind.

Schritt 2: Beschreibe die innere und äußere Handlung

Unterscheide bei der Untersuchung der Handlung zwischen den äußeren Vorgängen und der inneren Entwicklung der Figuren.

Äußere und innere Handlung

Als äußere Handlung bezeichnet man Vorgänge und Taten, die von außen sichtbar und hörbar sind. Bei einer Verfilmung der Erzählung kann man die äußere Handlung als Bild und Ton aufnehmen. Erzählerbericht und wörtliche Rede treiben vor allem die äußere Handlung voran.
Die innere Handlung dagegen umfasst, was die Figuren denken, fühlen und wünschen, also alle geistigen und emotionalen Zustände und Entwicklungen. Bestimmte Formen der Figurenrede (erlebte Rede, innerer Monolog, Bewusstseinsstrom) geben innere Handlung wieder.

 

Schritt 3: Bestimme Rückblick und Vorausdeutung

Der Erzähler kann kontinuierlich erzählen, d. h. eine Folge von Ereignissen in chronologischer Reihenfolge darstellen, er kann aber auch diskontinuierlich erzählen, indem er von der Chronologie abweicht. Bestimme, ob das Geschehen kontinuierlich oder diskontinuierlich (in verdrehter Reihenfolge) erzählt wird.
Beim kontinuierlichen Erzählen sind die Sequenzen, d. h. in der Handlung unterscheidbare Episoden, in der Reihenfolge ihres Geschehens angeordnet. Untersuche, welche Sequenzen breiten Raum einnehmen und damit offenbar bedeutsamer sind als andere. Achte bei einer kontinuierlichen Erzählweise auf mögliche Abweichungen von der Chronologie (z. B. Rückblenden oder Vorausdeutungen) und frage dich nach ihrem Sinn.
Beim diskontinuierlichen Erzählen arbeitet der Erzähler mit Rückblenden sowie Vorausdeutungen.

  • In Rückblenden wird früheres Geschehen in die erzählerische Gegenwart geholt. Das kann z. B. notwendig werden, wenn verschiedene Handlungsstränge an unterschiedlichen Schauplätzen angesiedelt sind.
  • In Vorausdeutungen werden spätere Ereignisse und Entwicklungen vorweggenommen oder nur angedeutet. Das kann durchaus zur Steigerung der Spannung beitragen, da der Leser nicht nur daran interessiert ist, was geschieht, sondern auch daran, wie es dazu kommt.

Untersuche die Anordnung der Episoden oder Erzähleinheiten. Wiederholen sich bestimmte Abläufe? Steigert sich die Handlung? Gibt es einen Kontrast zwischen verschiedenen Vorgängen? Wird die eigentliche Handlung in eine Rahmenhandlung eingebettet, von der aus sie kommentiert wird? Montiert der Autor verschiedene Textelemente (z. B. Zeitungsartikel, Protokolle, Briefe), die das Geschehen aus verschiedenen Perspektiven zeigen?

Schritt 4: Untersuche den Spannungsaufbau

Untersuche, wie in dem Text Spannung aufgebaut wird. Unterscheide bei der Untersuchung des Spannungsaufbaus zwischen den folgenden vier Phasen:

  • Spannungserzeugung: Es wird eine Frage aufgeworfen.
  • Spannungssteigerung: Das Interesse des Lesers bzw. Zuschauers an der Beantwortung dieser Frage wird gesteigert.
  • Spannungsverzögerung (retardierendes Moment): Die Beantwortung der Frage wird hinausgeschoben.
  • Spannungslösung: Die Frage wird beantwortet.

Bestimme, wie sich der zu untersuchende Textauszug einordnen lässt, bzw. ordne die einzelnen Sequenzen der Erzählung den verschiedenen Spannungsphasen zu.

Schritt 5: Finde Leitmotive

Gerade in längeren Texten können Leitmotive ein Netz von Beziehungen knüpfen. Um Leitmotive aufzuspüren, achte darauf, ob sich bestimmte Textelemente gezielt wiederholen.
Leitmotive können sein:

  • wiederkehrende Handlungselemente,
  • wiederholt verwendete sprachliche Bilder,
  • sich wiederholende Redewendungen, Gesten usw.

Untersuche, welche tieferen Sinnzusammenhänge durch die Leitmotive strukturell abgebildet werden.

Dingsymbole

Eine leitmotivische Verwendung finden sogenannte Dingsymbole, d. h. Gegenstände, Tiere oder Lebewesen, die an bedeutsamer Stelle innerhalb eines literarischen Werkes wiederkehren und als Symbol oder Sinnbild eine zentrale, leitmotivische Rolle spielen.

Lösung

1. Die erste Erzähleinheit spielt in Brienne: Räumliche Umstände werden genannt; die Beziehung zwischen dem jungen Napoleon und der Obstfrau wird dargestellt; am Ende dieser Einheit steht ein Kommentar (Z. 1–10).
Die zweite Erzähleinheit stellt einen raffenden Bericht dar (ca. 20 Jahre in wenigen Zeilen) – diese Einheit hebt sich von der vorausgehenden Passage und dem nachfolgenden Text ab: Napoleon und die verschiedenen Schauplätze der Weltgeschichte sind hier von Bedeutung – am Ende dieser Einheit folgt wieder ein Kommentar des Erzählers (Z. 20 f.). In Zeile 20 beginnt die dritte Erzähleinheit, die wieder in Brienne spielt und ein Treffen zwischen Napoleon und der Obstfrau szenisch darstellt.
2. Die Geschichte ist symmetrisch angelegt: Die erste und die dritte Erzähleinheit sind spiegelbildlich angeordnet; beide Szenen spielen am gleichen Ort, in beiden treffen die Hauptfiguren im Abstand von vielen Jahren aufeinander; die Handlung wiederholt sich mit umgekehrten Vorzeichen. Zunächst ist die Obstfrau überlegen und verhält sich großzügig. In der zweiten Erzähleinheit ist es nun Napoleon, der in gesteigerter Form überlegen und großzügig ist. Großzügigkeit sollte mit Großzügigkeit vergolten werden – dies spiegelt sich im Textaufbau, denn der extrem geraffte Bericht zwischen den beiden Erzähleinheiten zeigt die zeitliche und soziale Distanz zwischen dem Geschehen im ersten und im dritten Teil. Vor und nach dieser Raffung macht der Erzähler jeweils eine Pause, in der er einerseits das Geschehen kommentiert, andererseits auf vorausgehende und folgende Teile der Handlung hinweist. Ein ungeübter Leser kann dem Handlungsverlauf ohne Mühe folgen; die Gliederung des Textes zeigt, wie durch Gegenüberstellungen, Unterbrechungen usw. dem Leser eine lehrhafte Aussage nahegebracht werden soll.

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