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Wie du die Figurenrede im Drama analysiert


Aufgabe

Lies den Auszug aus Schillers Drama „Don Carlos".
Analysiere die sprachlich-stilistischen Gestaltungsmittel, die Marquis Posa in dem Szenenausschnitt in seiner Argumentation verwendet, und erläutere, welche Wirkung er damit beabsichtigt.

friedrich_schiller_don_carlos_ausschnitt.pdf

Schritt 1: Bestimme und untersuche die Gesprächsform

Die Analyse der Dialoge und Monologe bildet die Grundlage für die Untersuchung der Handlungsentwicklung,Figurencharakterisierung und Figurenkonstellation.

  • Untersuche die Funktion der Dialoge: Welche unterschiedlichen Interessen und Motive zeigen die Figuren? Wie beurteilen sie die Situation? Wie begründen sie ihre Entscheidungen? Versuchen sie andere Figuren zu beeinflussen?
  • Untersuche bei Monologen, was sie über die innere Entwicklung der Figur aussagen. Stellen sie Reflexionen, innere Zwiespälte und Entscheidungsprozesse dar? Drücken sie Leere und Isoliertheit aus?

Schritt 2: Finde wichtige Informationen in der Figurenrede

Arbeite die Informationen heraus, die durch die Figurenrede vermittelt werden. Was sagt sie aus über Raum und Zeit, die Handlung, die Einschätzung anderer Figuren, das Empfinden der Figuren, Erwartungen und Forderungen, die Beziehung zu anderen Figuren?
Berücksichtige bei der Untersuchung der Figurenrede die folgenden Aspekte:

  • Die Wortwahl informiert über den Bildungsstand einer Figur und deren Einschätzung der Gesprächspartner. Achte auf die Verwendung von Fremdwörtern, Schimpfwörtern usw.
  • Der Satzbau und die Satzlänge können etwas über den Bildungsstand, aber auch über die momentane psychische Verfassung aussagen (z. B. Ärger, Wut). Der Satzbau kann einfach, verschachtelt, unvollständig usw. sein.
  • Die Satzzeichen geben Informationen über die Sprechweise und das Sprachtempo (Fragen, Ausrufe, Pausen, Ankündigungen).
  • In bildhaften Ausdrücken (Metaphern) können die Motive und Ziele des Sprechers verschleiert ausgedrückt werden. Deute die Bilder schlüssig und übertrage sie auf den Textzusammenhang.
  • In Anreden, Unterbrechungen, Einwürfen usw. wird die Beziehung der Figuren zueinander verdeutlicht. Unterbricht eine Figur die andere? Verwendet sie Höflichkeitsfloskeln?
  • Bestimme die Beziehung von Sprechern zueinander, indem du die Redesituation berücksichtigst. Findet eine symmetrische Kommunikation statt, bei der die Stellung der Sprecher gleich und gleichberechtigt ist? Oder handelt es sich um eine komplementäre Kommunikation, bei der es überlegene und unterlegene Sprecher gibt?
  • Prüfe, ob es typische Gesprächsmuster gibt, wie z. B. Fragen – Antworten, Vorwerfen – Rechtfertigen.
  • Achte auf die Stilebene der Figurenrede. Sie gibt Hinweise darauf, wie das Stück aufzunehmen ist.

Stilebenen der Figurenrede

  • Pathetischer Stil: Die Figuren sprechen in gebundener Sprache bzw. Versen; das Publikum schaut zu ihnen auf.
  • Realistischer Stil: Die Figuren verwenden Alltagsprosa; das Publikum betrachtet sie als seinesgleichen.
  • Ironischer Stil: Das Publikum blickt auf die Figuren hinab.

Lösung

Marquis Posa breitet in seiner Argumentation seine Kritik am absolutistischen System und der damit verbundenen Herrscherrolle aus. Seine Überzeugungsstrategie liegt vor allem darin, den König emotional zu berühren. Er überzeugt nicht durch nüchterne Fakten und rationale Argumente, sondern durch bildhafte Sprache und anschauliche Beispiele. So spricht er vom „zertretne[n] Glück von Millionen“ (V. 46), wenn er die Unterdrückung des Volkes anprangert, er deckt den Widerspruch im Handeln des Königs auf, der „für die Ewigkeit“ pflanzen wolle, damit aber den Tod säe (V. 119/120), und zieht allegorische Vergleiche, wenn er von einem zukünftigen Herrscher spricht, der „Großmütig wie der Starke, Menschenglück / Aus [seinem] Füllhorn strömen“ lasse (V. 139/140). Auch sein idealistisches Menschbild, bei dem Freiheit und Selbstbestimmung dominieren, entwickelt er, indem er sich metaphorisch ausdrückt. Auf dieser Vorstellung von der Freiheit des Individuums fußt schließlich auch sein ideales Herrschaftsmodell einer gesellschaftlichen Ordnung, die die Werte von Toleranz und Grundrechten zum Prinzip erhebt. Immer wieder setzt er gezielt Schlüsselbegriffe, wie „Mensch“ (V. 7, 18, 24, 28, 29, 34, 83, 126), „Gott“ (V. 27, 31, 44), „Freiheit“ (V. 47, 161) und „Bürger“ (V. 86, 95, 108) ein, um seinen politischen Ideen Gewicht zu verleihen und den König mitzureißen. Immer wieder formuliert er Appelle (z. B. V. 137–143 und V. 150 ff.) und rhetorische Fragen (V. 47–49, V. 98–106, V. 119/120), um dem Gesprächspartner das Gefühl zu geben, dieser habe Anteil an der sich entwickelnden Argumentation, und zeigt damit ein großes rhetorisches Geschick.

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