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Wie du die Figuren einer Dramenszene analysierst


Aufgabe

Analysiere aus dem Auszug der Szene III,2 des Dramas „Frühlings Erwachen" von Frank Wedekind die Figuren Rentier Stiefel und Rektor Sonnenstich.

Den Text findest du hier: frank_wedekind_fruehlings_erwachen_1.pdf 

Hinweis

Die Analyse der Figuren erfolgt im Hauptteil einer Szenenanalyse direkt nach der Analyse des Inhalts.

Schritt 1: Sammle die für die Figurenanalyse wichtigen Informationen

Teil einer Szenenanalyse ist die Analyse der Figuren.

Untersuche deshalb im ersten Schritt den Textauszug hinsichtlich folgender Fragen:

  • In welchem Verhältnis stehen die Gesprächspartner zueinander?
  • Welche Gefühle und Charaktereigenschaften der Figuren kommen zum Ausdruck?
  • Welche Intention haben die Gesprächspartner?
  • Wie gehen sie bei der Verwirklichung ihrer Intention vor und welche Wirkung ist damit verbunden?
  • Welche Art von Gespräch findet statt (z. B. eine zwanglose Unterhaltung)?
  • Wie ist das Gesprächsverhalten (z. B. offener Umgang miteinander)?
  • Wie sind die Gesprächsanteile der Gesprächspartner verteilt? Was lässt sich daraus schließen, dominiert z. B. eine Figur das Gespräch?

Nicht immer lassen sich bei einem Text alle Fragen beantworten. Bei der Figurenanalyse der Dramenszene aus unserem Beispiel kannst du dir aber folgende Informationen notieren:

  • Verhältnis: oberflächlich, bildungsbezogen (sie kennen sich durch den Schulbesuch von Moritz)
  • Gefühle und Charaktereigenschaften:
    • Rentier Stiefel trauert (tränenerstickte Stimme, vgl. Z. 16), aber wiederholt mehrfach, dass Moritz nicht sein Sohn gewesen ist (vgl. Z. 17 f.). = Widerspruch zur Trauer, schwacher Charakter
    • Rektor Sonnenstich empfindet Mitleid mit Rentier Stiefel, aber nicht weil sein Sohn gestorben ist, sondern weil der Sohn missraten war (vgl. Z. 19 f.).
  • Intention:
    • Rentier Stiefel möchte sein gesellschaftliches Ansehen retten, indem er deutlich macht, dass die Schuld allein bei Moritz liegt und nicht bei seiner Erziehung (vgl. Z. 17f.).
    • Rektor Sonnenstich sieht in dem Selbstmord den Beweis für das Bestehen der sittlichen Weltordnung (vgl. Z. 19–22).
  • Wirkung: Gesellschaftliches Ansehen und die Schullaufbahn (vgl. Z. 34 f.) stehen über dem Schicksal von Moritz.
  • Art des Gesprächs: gezwungener Dialog → Keine der Figuren ist zur Selbstreflexion fähig, jeder verfolgt nur sein eigenes Interesse und befolgt nahezu mechanisch die gesellschaftlichen Konventionen (Erde werfen (vgl. Z. 16), Hände drücken (vgl. Z. 34)).
  • Gesprächsverhalten: Gedanken werden ausgesprochen. → Offenheit; Rektor Sonnenstich: gehobene Sprechweise (vgl. Z. 20) → wirkt dadurch überlegen
  • Gesprächsanteile: Jeder spricht zweimal. → gleicher Anteil

Schritt 2: Schreibe die Figurenanalyse

Nun kannst du im zweiten Schritt die Figurenanalyse verfassen, indem du deine gesammelten Informationen in einen Text umwandelst. Denk dabei immer daran, deine Ausführungen anhand von Textstellen zu belegen.

Die Beziehung zwischen Rentier Stiefel und Rektor Sonnenstich lässt sich als oberflächlich und bildungsbezogen beschreiben, da die beiden sich lediglich durch Stiefels Sohn Moritz kennen, der die Schule besucht, an der Sonnenstich Rektor ist. Rentier Stiefel trauert einerseits um seinen verstorbenen Sohn Moritz: Er steht „mit tränenerstickter Stimme“ (Z. 16) am Grab. Andererseits wiederholt er mehrfach, dass Moritz nicht sein Sohn gewesen sei (vgl. Z. 17 f.). Dieses Verhalten stellt einen deutlichen Widerspruch zur Trauer dar und offenbart den schwachen Charakter Stiefels, der sich auch in seinem Bestreben zeigt, sein gesellschaftliches Ansehen wiederherzustellen. Aus diesem Grund beteuert er, dass die Schuld allein bei Moritz liege und nicht seine Erziehung an Moritz’ Missratenheit Schuld sei. Rektor Sonnenstich empfindet Mitleid mit Rentier Stiefel, jedoch nicht weil dessen Sohn gestorben ist, sondern weil dieser missraten war (vgl. Z. 19 f.). Zudem sieht er in dem Selbstmord von Moritz den Beweis für das Bestehen der sittlichen Weltordnung (vgl. Z. 19–22). Insgesamt zeigen die Äußerungen von Rentier Stiefel und Rektor Sonnenstich, dass das gesellschaftliche Ansehen und die Schullaufbahn (vgl. Z. 34 f.) für die beiden Männer über dem Schicksal von Moritz stehen. Obwohl es sich um einen gezwungenen Dialog auf der Beerdigung von Moritz handelt, während die Figuren am Grab stehen, sprechen beide ihre Gedanken offen aus. Auffällig ist dabei, dass keiner der Männer zur Selbstreflexion fähig ist und jeder nur sein eigenes Interesse verfolgt. Gleichzeitig halten sie nahezu mechanisch die gesellschaftlichen Konventionen ein, indem sie z. B. Erde ins Grab werfen (vgl. Z. 16) und sich die Hände drücken (vgl. Z. 34). Insgesamt äußern sich beide Dialogpartner je zweimal, wodurch noch keine Dominanz seitens eines Dialogpartners erkennbar ist. Allerdings wird durch Rektor Sonnenstichs gehobene Sprechweise (vgl. Z. 20) und Rentier Stiefels schwachen Charakter eine klare Überlegenheit von Sonnenstich deutlich.

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